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Hintergrund - 15.03.2023 - 13:00 

Hoher Besuch im SQUARE: Bundespräsident Alain Berset spricht über den Krieg in der Ukraine und die Haltung der Schweiz

Beeindruckende Kulisse im SQUARE: Rund 700 Personen wollten sich die Rede des Bundespräsidenten Alain Berset und das anschliessende Interview nicht entgehen lassen. Dominierendes Thema an diesem Abend waren der Krieg in die Ukraine und die Haltung der Schweiz.

«Welt in der Krise – und die Schweiz?» So der Titel einer gut besuchten Abendveranstaltung am Dienstag, 14. März, im SQUARE der Universität St.Gallen (HSG). «Es ist sehr eindrücklich, vor so einem Publikum in St.Gallen sprechen zu dürfen», sagte Alain Berset gleich zu Beginn.

Der Angriffskrieg in der Ukraine sei «brutal» und «unvorstellbar». Die Schweiz habe rasch und solidarisch die Sanktionen der EU übernommen. «Wir fordern ganz klar einen Rückzug der russischen Truppen aus dem Territorium der Ukraine.» Hinsichtlich der Debatte um die Wiederausfuhr von Waffen gab der Bundespräsident aber zu bedenken, dass man sich an die geltenden Gesetze halten müsse. «Was soll eine Regierung anderes tun? Sonst herrscht Willkür.» Die Rolle der Schweiz sei aber eine andere:  Berset verwies auf die humanitäre Tradition hierzulande mit Genfer Konvention und IKRK sowie auf das hohe Engagement für den Dialog. Die aktuellen Herausforderungen liessen sich nur kooperativ lösen und dafür seien die internationalen Organisationen als robuste, multinationale Plattformen wichtig. Die Schweiz sei angewiesen auf eine gut funktionierende internationale Zusammenarbeit, denn sie garantiere Stabilität und Sicherheit. So wurde auch über die Mitgliedschaft der Schweiz im UN-Sicherheitsrat diskutiert. Für Alain Berset «ein wichtiges Zeichen». Der aktuelle Konflikt zeige aber auch die Grenzen des Gremiums auf, da Russland eine Veto-Macht ist.

Neutralität als Kompass nutzen

Das Interview mit dem Bundespräsidenten führten die Master-Studierenden Jana Woerner (MIA) und Cédric Schad (MLaw). Aufgrund der grossen Aufregung der vergangenen Tage wurde Alain Berset zu seiner Aussage in der NZZ am Sonntag befragt, wo er von einem «Kriegsrausch» sprach, den er «in gewissen Kreisen spüre.» Er räumte ein, dass er angesichts der Reaktionen seine Wortwahl wohl hinterfragen müsse und erklärte die Aussage: Er habe in jüngster Zeit viele internationale Kontakte gehabt, wobei die Diskussionen fast nur nach einer Kriegslogik geführt worden seien. Doch es gebe auch die Themen Menschenrechte, Schutz der Zivilbevölkerung, Wiederaufbau etc. «Ich plädiere dafür, dass die Diskussion breit geführt werden muss.» Es sei sehr gut, dass so viele Länder der Ukraine militärisch helfen, aber es gebe auch andere Themen, die man nicht ausser Acht lassen dürfe. Wie so häufig in diesen Tagen war auch die Schweizer Neutralität ein zentrales Thema: «Neutralität bedeutet nicht wegzuschauen, wenn etwas passiert.» Der brutale Angriff Russlands sei auch ein Angriff auf das Völkerrecht, das uns alle schütze. «Das ist nicht zu akzeptieren.» Doch ist Neutralität noch zeitgemäss? In einer Welt, die sich rasant verändere, sei sie ein Kompass für unser Verhalten und habe der Schweiz immer geholfen, eine Linie zu finden.

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Rund 700 Personen wollten sich die Rede des Bundespräsidenten Alain Berset und das anschliessende Interview nicht entgehen lassen.

Das Interview mit dem Bundespräsidenten führten die Master-Studierenden Jana Woerner (MIA) und Cédric Schad (MLaw).

«Neutralität bedeutet nicht wegzuschauen, wenn etwas passiert», so Bundespräsident Alain Berset.

Fehlertoleranz im Krisenmanagement

Eine Frage aus dem Publikum thematisierte das Krisenmanagement des Bundes während der Pandemie. «Man muss schnell reagieren und darf keine Angst vor Fehlern haben», so Alain Berset. Wer sich fürchte, mache am Ende gar nichts mehr. «Man muss aber alles tun, um Fehler so rasch wie möglich zu erkennen und zu korrigieren.» Bei der nachträglichen Analyse helfe dann der Blick von aussen: Über 20 Berichte seien bereits erschienen oder noch in Arbeit, die sich damit befassen, was man in der Pandemie besser hätte machen können. Zum Abschluss hob der Bundespräsident die Bedeutung des guten Schweizer Bildungssystems hervor und rief die Studierenden auf, von Mobilitätsprogrammen zu profitieren und andere Kulturen kennenzulernen. Den SQUARE als Experimentierfeld für neue Formen des Lernens und Lehrens bezeichnete er als «eine Inspiration».

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