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Hintergrund - 04.05.2023 - 19:00 

52. St.Gallen Symposium: Elliot Gunn gewinnt die diesjährige Global Essay Competition

Elliot Gunn plädierte bei der Preisverleihung am 52. St.Gallen Symposium für die Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsversorgung. Ausgezeichnet wurden auch Gaurav Kamath und Megan Murphy. Von Studentenreporterin Anna Kati Schreiter.
Elliot Gunn am 52. St.Gallen Symposium 2023

Die drei jungen Talente haben anlässlich des Wettbewerbs Global Essay Competition am 3. Mai 2023 während des St.Gallen Symposiums einen mit insgesamt 20`000 CHF dotierten Preis erhalten. Gekürt wurden ihre herausragenden Ideen und Projekte, die sie bei der Bewerbung um die Teilnahme an der internationalen Konferenz eingereicht haben. Der Wettbewerb richtet sich an Studierende und Doktorierende weltweit und bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich mit 200 engagierten «Leaders of Tomorrow» und 600 etablierten «Leaders of Today» auszutauschen.

Was will die neue Generation bewahren, was will sie loswerden?

Jedes Jahr erhält das St.Galler Symposium bis zu 1‘000 Einsendungen aus der ganzen Welt. Dabei werden die Autor:innen der besten 100 Essays als «Leaders of Tomorrow» eingeladen, ihre Ideen mit den Führungskräften von heute, den «Leaders of Today», am Symposium zu diskutieren. Anknüpfend an das Konferenzthema «A New Generational Contract» lautete die diesjährige Essay-Frage: «Das beste oder schlechteste Erbe früherer Generationen: Wie kann dieses bewahrt oder ersetzt werden?» Eine siebenköpfige Jury wählte die besten Ideen aus. Zu den Juror:innen zählen auch Georg von Krogh, Professor für Strategisches Management und Innovation an der ETH Zürich, Heike Bruch, Management-Professorin an der Universität St.Gallen sowie Riz Kahn, britischer Journalist und TV-Moderator.

Die Gewinner:innen der Global Essay Competition

Megan Murphy, Elliot Gunn, Gaurav Kamath und Aditya Ghosh
Megan Murphy, Elliot Gunn, Gaurav Kamath und Aditya Ghosh

Die medizinische Versorgung verbessern

Erstplatzierter und Student der Wirtschaftsgeschichte an der London School of Economics and Political Science Elliot Gunn geht in seinem Essay «Wiederherstellung des radikalen Versprechens einer allgemeinen Gesundheitsversorgung» auf das weltweite Problem im Gesundheitssektor ein. Konkret beleuchtet Gunn die öffentlich finanzierten Gesundheitssysteme in den Ländern Canada und der UK sowie deren Herausforderungen. Dabei kann die Nachfrage für medizinische Behandlungen nur mangelhaft bedient werden, sodass es beispielsweise zu langen Wartezeiten für eine ärztliche Versorgung kommt. Zur Lösung bringt der Student vier konkrete Vorschläge: Zum einen soll eine langfristige Rekapitalisierung der Gesundheitsinfrastruktur stattfinden. Dies erfolge am einfachsten über vermehrte finanzielle Förderung. Weiter solle die Nutzung vorhandener Kapazitäten ausgeschöpft werden. Würden ApothekerInnen die Kompetenz zugeschrieben werden, zu einem gewissen Grad selbst medizinische Versorgung leisten zu können, könnten Kosten sowie Wartezeiten gesenkt und die Anzahl medizinischer Behandlungen erhöht werden. Ein dritter Punkt zielt auf den Einsatz produktivitätssteigernder Technologien ab. Neben der Nutzung von Telemedizin könnten durch die Digitalisierung von Patientenakten administrative Aufwände verringert, Kosten gesenkt und Prozesse effizienter und fehlerfreier gestaltet werden. Gunns letzter Vorschlag beinhaltet öffentlich-private Partnerschaften. In der kanadischen Provinz Ontario wurde bereits die Ausweitung privater, gewinnorientierter Kliniken angekündigt. In solchen Einrichtungen sollen in Zukunft auch öffentlich finanzierte Behandlungen in Anspruch genommen werden können, um die Warteliste für chirurgische Eingriffe zu verkürzen. 

Das Erbe der Open-Source-Forschung in der KI: Forschung öffentlich zugänglicher machen

Der Doktorand der kanadischen McGill-University, Gaurav Kamath, belegt mit seinem Essay «Mehr als nur ein moralischer Imperativ: Das Erbe der Open-Source-Forschung in der künstlichen Intelligenz» Platz zwei bei der diesjährigen Global Essay Competition. Kamath erörtert, dass die Existenz von künstlichen Intelligenzen (KI) wie der populäre Chatbot ChatGPT auf der Offenlegung früherer Arbeiten basiert. Eine KI wird so programmiert, dass sie in der Lage ist, zu lernen, ein Problem selbst zu lösen. Dazu werden Statistik und Big Data benötigt. Oft wollen Forscher:innen aufgrund wirtschaftlicher sowie wissenschaftlicher Aspekte ihre Arbeiten jedoch nicht offenlegen. Dies wiederum hemme die Weiterentwicklung solcher KI. Der Doktorand der Linguistik schlägt deshalb vor, wissenschaftliche als auch finanzielle Nachteile auszugleichen. Mit einer Sektion für Offenheit und Zugänglichkeit sollen KI-Forschungsjournale und -konferenzen bei der Bewertung von Forschungsbeiträgen das wissenschaftliche Ansehen von Open-Source-Forschung erhöhen. Gleichzeitig sollen relevante öffentliche Einrichtungen unmittelbare finanzielle Anreize für Einzelpersonen und Organisationen in der KI-Forschung für die Verpflichtung zu offenen Forschungspraktiken bieten. Konkret könnte dies in Form von Forschungsstipendien, Startup-Darlehen oder steuerlichen Anreizen erfolgen. 

Die moderne Bibliothek: Wie wir unsere Wissenstempel fit für die Zukunft machen

Megan Murphy ist Doktorin der Rechtswissenschaft am Moritz College of Law der Ohio State University in Columbus. In ihrem drittplatzierten Essay «Das Blatt wenden: Öffentliche Bibliotheken in das 21. Jahrhundert führen» schreibt sie über die Gefahr, dass Bibliotheken – so wie wir sie heute kennen – mit grosser Wahrscheinlichkeit zukünftig nicht überlebensfähig sind. Kosten und finanzielle Stützen durch Staaten und PolitikerInnen werden zunehmend gekürzt und BesucherInnenzahlen sinken. Murphy schlägt deshalb zwei konkrete Handlungsmassnahmen vor: Zum einen soll das Bibliotheksangebot modernisiert werden, um den Mehrwert für Bibliothektsbesucher:innen zu erhöhen. Dies mit Hilfe so genannter «Content Labs». Solche Laboratorien könnten mit Mikrophonen, Kameras und Video-Schnitt-Software zur Produktion von Podcasts, Stativen, Kulissen und Requisiten für Influencer-artige Fotoshootings oder spezieller Software für angehende Musiker:innen ausgestattet werden. So will sie gezielt acuh die jüngeren Generationen Z und Alpha anlocken. Zum anderen soll der ökonomische Wert von Bibliotheken für PolitikerInnen und Regierungen gesteigert werden. Dies kann durch eine Kosten-Nutzen-Analyse erfolgen. Erfolgreiche Implementierungen in Kanada haben gezeigt, dass Bibliotheken einen höheren Nutzen haben, als die durchschnittlich staatlich finanzierte Dienstleistung.

Die vollständigen Gewinner-Essays sowie die besten 25 Einsendungen können Sie hier einsehen und lesen. 

Anna Kati Schreiter hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität St.Gallen studiert.

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