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Forschung - 14.09.2026 - 10:00 

Schweizer Industrie hält überraschend stark am Standort Schweiz fest

Nach zwei schwierigen Jahren zeigt die Schweizer Industrie erste Zeichen der Erholung. Trotz geopolitischer Unsicherheit, US-Zöllen und hohem Kostendruck bewerten Unternehmen den Standort Schweiz positiver. Gleichzeitig verliert die Industrie bei der Innovation an Tempo. Das zeigt der «Swiss Manufacturing Survey 2026» der Universität St.Gallen.
Schweizer Industrie hält überraschend stark am Standort Schweiz fest

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick: 

  • Standort Schweiz gewinnt: Alle 15 untersuchten Standortfaktoren wurden besser bewertet als im Vorjahr. «Made in Switzerland» erreicht einen neuen Höchstwert. 
  • Profitabilität steigt, Margen polarisieren sich: Die Spitzengruppe mit Margen von über 20 Prozent wächst deutlich, gleichzeitig nimmt auch der Anteil der Unternehmen mit tiefen Margen zu. 
  • Innovationstempo sinkt: Der Umsatzanteil neuer Produkte und Dienstleistungen, ein wichtiger Innovationsindikator, fiel von 22 Prozent im Jahr 2023 auf 17 Prozent im Jahr 2025. 
  • Geopolitischer Druck nimmt zu: 42 Prozent der Unternehmen berichten von starken Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen auf ihre Produktion, zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 
  • US-Zölle belasten: Bei 27 Prozent der Unternehmen haben sich die US-Zölle durch rückläufige Verkaufszahlen in den USA und bei 34 Prozent durch Störungen in den Lieferketten bemerkbar gemacht. Gleichzeitig bleibt China ein zentraler Teil der Produktionsnetzwerke Schweizer Unternehmen – trotz geopolitischer Risiken. 
  • Grossunternehmen sind internationaler aufgestellt: Für sie sind die Nachbarländer inzwischen wichtiger als die Schweiz. Sowohl als Absatz- als auch als Beschaffungsmärkte. KMU bleiben stärker auf den Heimmarkt fokussiert.

Schweizer Industrie erholt sich vorsichtig 

Die Schweizer Industrie erholt sich vorsichtig, trotz starkem Franken, verhaltener Nachfrage und neuer US-Zölle. 35 Prozent der Unternehmen bauten ihre Fertigungskapazitäten in der Schweiz aus, gegenüber 20 Prozent, die sie reduzierten. Operativ verbesserten sich Schweizer Industrieunternehmen auf breiter Front, am deutlichsten bei der Digitalisierung. Bei den Margen polarisiert sich das Bild: Die Spitzengruppe mit über 20 Prozent hat sich mehr als verdoppelt, zugleich melden mehr Unternehmen tiefe Margen von 0-4 Prozent.

«Die Schweiz ist und bleibt eine Industrienation. Die Produktion ist eine Grundlage für den Schweizer Wohlstand und überzeugt durch Qualität, Leistung und Innovationsstärke. Diese strategische Erfolgsposition gilt es zu verteidigen.»
Prof. Dr. Thomas Friedli, Direktor des Institute for Production and Supply Chain Management, Universität St.Gallen

Innovationsdynamik lässt nach 

Wie die Studie zeigt, bleibt die Schweizer Industrie innovativ, doch erste Hinweise zeigen, dass das Innovationstempo sinkt. Der Umsatzanteil neuer Produkte und Dienstleistungen ging von rund 22 Prozent im Jahr 2023 über 19 Prozent im Jahr 2024 auf 17 Prozent im Jahr 2025 zurück. Gleichzeitig berichten die Unternehmen über Fortschritte bei Digitalisierung, operativer Effizienz und Flexibilität. In einer höheren Profitabilität schlagen sich diese Verbesserungen bislang jedoch kaum nieder. 

Bei den Technologien für die Betriebsplanung sind Enterprise-Resource-Planning-Systeme (kurz ERP) und Cloud Computing am weitesten verbreitet. Generative KI erreicht in vielen Unternehmen mittlere Reifegrade, während Agentic AI noch am Anfang steht. Grossunternehmen sehen dabei häufiger einen konkreten Beitrag der Digitalisierung zur Wettbewerbsfähigkeit: 72 Prozent schreiben ihr mindestens einen mittleren Beitrag zu, bei den KMU ist es gut die Hälfte. 

Standort Schweiz gewinnt an Bedeutung 

Trotz des Kostendrucks bewerten die Unternehmen den Produktionsstandort Schweiz positiver als im Vorjahr. Alle 15 untersuchten Standortfaktoren legten zu, besonders deutlich bei Grossunternehmen. «Made in Switzerland» erreicht mit 4,1 von 5 Punkten einen neuen Höchstwert. Dahinter folgen der Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften und die Kundennähe. Lohnkosten und Wechselkursrisiken bleiben die grössten strukturellen Herausforderungen. 

Auch bei den Produktionskapazitäten zeigt sich eine gewisse Standorttreue: 35 Prozent der Unternehmen bauten ihre Kapazitäten 2025 in der Schweiz aus, 20 Prozent reduzierten sie. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Unternehmen eine moderate Ausweitung.

«Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen auch unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen am Standort Schweiz festhalten. Gleichzeitig gewinnen Stabilität und Verlässlichkeit für die Industrie an Bedeutung.»
Prof. Dr. Thomas Friedli, Direktor des Institute for Production and Supply Chain Management, Universität St.Gallen

Geopolitik prägt die Produktion 

Der geopolitische Druck auf die Schweizer Industrie nimmt zu. 42 Prozent der Unternehmen berichten von starken Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen auf ihre Produktion, zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die Unternehmen reagieren vor allem mit Kostenweitergabe, stärkerer Kostenkontrolle und einem systematischeren Risikomanagement in den Lieferketten. Nachhaltig strukturelle Massnahmen, wie eine Verlagerung von Produktionskapazitäten aus der Schweiz, werden dagegen nur selten erwogen. 

Auch die US-Zölle belasten die Erwartungen: 27 Prozent der Unternehmen berichten von rückläufigen Verkäufen in den USA. Zudem gaben 34 Prozent an, dass die US-Zölle negative Auswirkungen auf Ihre globale Lieferkette haben. 

Grossunternehmen sind internationaler aufgestellt 

Grossunternehmen und KMU unterscheiden sich deutlich in ihrer internationalen Ausrichtung. Rund 15 Prozent der Schweizer KMU produzieren auch im Ausland, bei den Grossunternehmen sind es 70 Prozent. Für Grossunternehmen sind die Nachbarländer inzwischen sowohl als Absatz- als auch als Beschaffungsmärkte wichtiger als die Schweiz. KMU bleiben dagegen stärker auf den Schweizer Heimmarkt fokussiert. 

Ein weiterer Befund der Studie: China bleibt ein wichtiger Produktionsstandort. Mit 80 Produktionsstandorten liegt das Land ausserhalb Europas hinter den USA mit 99 und vor Indien mit 52 Standorten. Die Unternehmen schätzen ihre Abhängigkeit von stabilen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit China überwiegend als moderat bis hoch ein. Chinesische Standorte bleiben damit ein zentraler Bestandteil vieler Produktionsnetzwerke Schweizer Unternehmen. Die damit verbundenen Risiken werden jedoch als vergleichsweise begrenzt eingeschätzt. 

Fazit: Der Swiss Manufacturing Survey 2026 zeichnet das Bild einer widerstandsfähigen Schweizer Industrie. Die Unternehmen halten am Standort Schweiz fest und bewerten dessen Stärken positiver als im Vorjahr. Gleichzeitig erhöhen geopolitische Unsicherheiten, Kostendruck und die nachlassende Innovationsdynamik den Handlungsbedarf. Entscheidend wird sein, die Standortstärke auch künftig in Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu übersetzen. 
 

Der «Swiss Manufacturing Survey» unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Friedli, Simon Gmeiner und Simon Gese des Instituts für Produktions- und Supply Chain Management (PSCM-HSG) wurde 2026 zum zehnten Mal an der Universität St.Gallen durchgeführt. An der Erhebung vom 8. April bis 30. Juni 2026 nahmen 404 Personen aus 388 Schweizer Unternehmen teil. 78 Prozent der teilnehmenden Unternehmen, die Angaben zur Ihrer Unternehmensgrösse gemacht haben, sind KMU mit bis zu 249 Mitarbeitenden. 

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