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Forschung - 27.04.2026 - 12:00 

Windpark «Petra und Paula» kommt in der Region St.Gallen gut an

Eine Studie der Universität St.Gallen hat die Haltung der St.Galler Bevölkerung zu einem hypothetischen Windpark «Petra und Paula» am Stadtrand untersucht. Drei Viertel der Befragten würden dem Projekt zustimmen. Auffällig ist jedoch: Die kleine Minderheit der klar Nein-Sagenden weist deutlich stärkere Emotionen auf als alle anderen Gruppen. Für die Akzeptanz macht es einen Unterschied, woher die Technologie stammt – und wer am Projekt beteiligt ist.
Quelle: Rise

Forschende des Institute of Responsible Innovation, Sustainability and Energy (RISE-HSG) haben in einer repräsentativen Befragung untersucht, wie die St.Galler Bevölkerung zur Windenergie steht. Die Studie ging der Frage nach, welche Faktoren die lokale Akzeptanz eines hypothetischen Windparks in der Region St.Gallen beeinflussen, ob sich ein Windzins positiv auswirken würde und welche Rolle emotionale Dynamiken dabei spielen.

Den Befragten wurde der hypothetische Windpark «Petra und Paula» am Rande der Stadt St.Gallen anhand einer realistischen Fotomontage vorgestellt. Anschliessend wurden sie gefragt, ob sie das Projekt annehmen würden, falls am nächsten Sonntag darüber abgestimmt würde. Im gesamten Untersuchungsgebiet würden drei Viertel der Studienbefragten dem hypothetischen Windpark «Petra und Paula» zustimmen oder eher zustimmen (75,4 %). In der Stadt St.Gallen war die Zustimmung sogar mit 79,7 % leicht überdurchschnittlich.

Die Studienergebnisse wurden heute an einer Medienkonferenz im Festsaal der Ortsbürgergemeinde in St.Gallen vorgestellt. 

«Windenergie wäre aus Sicht der Stadt St.Gallen die ideale Ergänzung im Energiemix, insbesondere im Winter. Ich bedaure, dass polemisch über Windstrom diskutiert wird, und hoffe, die Studie hilft dabei, den Diskurs sachlich und faktenbasiert fortzuführen.»
Peter Jans, Stadtrat St.Gallen
«Die Studie eines fiktiven Windparks Petra und Paula in der Stadt St.Gallen motiviert, das kantonale Energiekonzept voranzutreiben. Auch in der Realität ist die Akzeptanz getragen vom Vertrauen der Bürger, dass Windparks dem Gemeinwohl zugute kommen.»
Susanne Hartmann, Regierungsrätin, Bau- und Umweltdepartement des Kantons St.Gallen
«Die Studie zeigt, dass die öffentliche Diskussion früh starten sowie systematisch geführt werden muss. Erfreulich finde ich den Befund, dass die Ortsbürgergemeinde als Empfängerin für die Mittel, die ein Windpark erwirtschaftet, auf hohe Akzeptanz stösst.»
Katrin Meier, Präsidentin der Ortsbürgergemeinde St.Gallen

Emotionale Asymmetrie – heissblütige Gegner und kühle Befürworterinnen

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmenden auch nach ihren Emotionen beim Anblick des hypothetischen Windparks «Petra und Paula» gefragt. Auf einer Skala von «sehr negativ» bis «sehr positiv» konnten sie angeben, wie sie das Projekt emotional bewerten. Dabei zeigt sich ein starker Zusammenhang zwischen dieser gefühlsmässigen Einschätzung und der Zustimmung zum Windpark: Wer den Windpark klar ablehnt, bringt negative Gefühle zum Ausdruck; wer ihn klar befürwortet, ist auch emotional eher positiv gestimmt. Die eher Unentschlossenen äussern neutrale bis eher positive Emotionen.

In einer zweiten Frage wurden die Befragten gebeten, die Intensität ihrer Gefühle auf einer Temperaturskala von null («unterkühlt») bis 30 Grad Celsius («hitzig») einzuschätzen. Dabei unterschieden sich die entschlossenen Gegner deutlich von allen anderen Gruppen: Sie stuften ihre emotionale Aktivierung um rund drei Grad höher ein.

Studienleiterin Martina Rothenberger kommentiert dieses Ergebnis wie folgt: «Wir beobachten eine asymmetrische emotionale Aktivierung – lediglich 11 % der Befragten würden den Windpark ‘Petra und Paula’ ablehnen. Diese Gruppe bringt jedoch starke Gefühle zum Ausdruck, was ihr oft überproportional viel Aufmerksamkeit beschert.»

«Made in Europe» und nachhaltige Materialien wichtiger als Windzins

Anhand eines Wahlexperiments wurde analysiert, welche Eigenschaften des hypothetischen Windparks dessen gesellschaftliche Akzeptanz beeinflussen. Das zentrale Ergebnis: Den grössten Einfluss hat das Herkunftsland des Windturbinen-Herstellers. Windräder eines dänischen Herstellers machen das Projekt deutlich beliebter, als wenn Technologie eines US-amerikanischen oder chinesischen Herstellers zum Einsatz kommt.

Studienleiter Rolf Wüstenhagen kommentiert dazu: «Der Krieg im Nahen Osten unterstreicht die Bedeutung von einheimischer Energie. Windenergie kann einen wichtigen Beitrag zur Diversifikation unserer Energieversorgung leisten, und stösst in weiten Kreisen der St.Galler Bevölkerung auf Zustimmung.»

Ein zweiter Faktor, der die Akzeptanz des Windprojekts erhöhte, war das Material des Turms. Die meisten Windturbinen haben heute einen Stahlturm, es gibt jedoch auch Betontürme und erste innovative Anbieter, die Türme aus Holz herstellen. Im Vergleich dieser drei Technologien schneidet Beton in der Wahrnehmung der Befragten am schlechtesten ab. Kommt hingegen Stahl oder Holz zum Einsatz, erhöht das die Akzeptanz.

Auch diversifizierte Besitzverhältnisse, etwa eine Kooperation zwischen der Ortsbürgergemeinde, einer Bank und einem Energieversorgungsunternehmen, wirkten sich positiv auf die Akzeptanz aus. Gleiches gilt für einen Windzins, mit dem die Standortgemeinde oder Anwohnerinnen und Anwohner für die Veränderung des Landschaftsbildes kompensiert werden könnten. Der Einfluss dieses Merkmals war jedoch schwächer ausgeprägt als etwa die Herkunft des Technologielieferanten. Was die Verwendung der Mittel aus einem solchen Windzins betrifft, konnten die Befragten zwischen verschiedenen Projekten wählen. Am beliebtesten war die Pflanzung von Bäumen in der Stadt St.Gallen zur Klimaanpassung, gefolgt von Erholungsinfrastruktur im Wald und Förderbeiträgen für den Wildpark «Peter und Paul». Auch kreative Ideen fanden durchaus Anklang, etwa eine Aussichtsplattform auf der Windturbine oder eine Seilbahn zum Wildpark.

Schlussfolgerungen für künftige Windenergie-Projekte

Während die Studie die Präferenzen der Bevölkerung in Bezug auf einen hypothetischen Windpark am Rande der Stadt St.Gallen erhoben hat, lassen sich daraus auch Erkenntnisse für die Entwicklung tatsächlicher Projekte ableiten. Zu erwähnen ist, dass der Kanton St.Gallen in seinem Richtplan bereits 15 Wind-Eignungsgebiete identifiziert hat, darunter auch zwei in der Nähe der Stadt St.Gallen.

  • Die Grundhaltung in der Bevölkerung ist mehrheitlich positiv.
    Eine Mehrheit der Befragten steht der lokalen Nutzung der Windenergie positiv oder eher positiv gegenüber – sowohl in der Stadt als auch in benachbarten Gemeinden. Projektentwickler können darauf aufbauen.
  • Die kleine Gruppe entschiedener Gegner ist emotional besonders stark aktiviert.
    Projektentwickler sollten sich bewusst sein, dass diese Gruppe zwar in der Minderheit ist, aber überdurchschnittlich starke Gefühle empfindet. Das kann ihr in öffentlichen Debatten besonderes Gewicht verleihen.
  • Finanzielle Beteiligung kann die Akzeptanz erhöhen – allerdings nicht bei allen gleich stark.
    Finanzielle Beteiligung, etwa in Form eines Windzinses oder der Möglichkeit für Kleininvestoren, Anteile an einem Windpark zu erwerben, kann die wahrgenommene Verteilungsgerechtigkeit erhöhen und sich dadurch positiv auf die Akzeptanz auswirken. Dies kann die ohnehin vorhandene positive Einstellung von Befürwortern weiter verstärken, verändert jedoch wenig an der Haltung der Gegner.
  • Stärker als finanzielle Anreize wirken glaubwürdige Projektmerkmale.
    Grössere positive Effekte sind durch die Wahl des Technologielieferanten («made in Europe»), die Verwendung nachhaltiger Materialien und den Einbezug regional verankerter Akteure in die Trägerschaft des Windprojekts zu erwarten.


Zudem zeigen die Studienergebnisse, dass emotionale Faktoren zwar eine bedeutende Rolle spielen, es aber ebenso darauf ankommt, die Bevölkerung vom positiven Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Windprojekts zu überzeugen.

Die Studie ist Teil des HSG-Forschungsprojekts «PARTI-DYNACCEPT» («Der Einfluss finanzieller Beteiligung auf die Dynamik gesellschaftlicher Akzeptanz von Windenergie»), das vom Bundesamt für Energie (BFE) im Rahmen der Forschungsprogramme Energie-Wirtschaft-Gesellschaft und Windenergie gefördert und durch den Kanton St.Gallen unterstützt wird. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen und Martina Rothenberger des Institute of Responsible Innovation, Sustainability and Energy (RISE-HSG). Ein internationaler Beirat aus Wissenschaft und Praxis begleitet das Projekt mit seinem Fachwissen.

 

Präsentation der Studienergebnisse

Rolf Wüstenhagen

Prof. Dr.

Co-Director RISE-HSG

Institute of Responsible Innovation, Sustainability and Energy (RISE-HSG)
52-5222
Müller-Friedberg-Strasse 6/8
9000 St. Gallen

Martina Rothenberger

Research Associate & PhD Candidate

Institute for Responsible Innovation, Sustainability and Energy (RISE-HSG)
Office B52-5200
Müller-Friedberg-Strasse 6/8
9000 St. Gallen
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