Leute - 19.08.2026 - 08:30
Im Oktober 2022 überquerten Luca Schmid und Bianca Schellander mit ihrem Bus die Grenze zum Iran. «Im ganzen Land waren kurz davor Proteste ausgebrochen, wir waren nervös», erinnert sich der 32-jährige Schmid. Nach einer Woche kam das St.Galler Paar in der Wüste in einer stillgelegten Karawanserei an. «Wir wollten für eine Nacht bleiben – schlussendlich wurden es zwei Monate», sagt Schmid. Sie lebten dort in einer Gemeinschaft von Kunstschaffenden, die mit ihrer Lebensweise und Kunst den gesellschaftlichen Vorstellungen des Regimes widersprechen und «dadurch eine leise und geduldige Form von Widerstand darstellen», wie Schmid sagt. Mit der Zeit entschieden sich Schmid und Schellander, einen Dokumentarfilm über die Gemeinschaft zu drehen – mit einer einfachen Handkamera und einer kleinen Drohne. «Der Film ist ein Herzensprojekt und der Kontakt zu den Iraner:innen besteht bis heute, auch wenn es oft schwierig ist, sie zu erreichen.»
Am 28. August 2026 startet bei SRF Schmids und Schellanders Dokuserie «Für immer und WG». Auch darin stehen die beiden vor und hinter der Kamera: Die Serie dokumentiert das Leben einer alternativen, zusammengewürfelten WG mit elf Personen in der Stadt St.Gallen. Das Filmerpaar wohnt selbst in dieser WG. «Unterschiedliche Bedürfnisse, persönliche Krisen und die stille Frage, ob diese Lebensform noch die richtige ist, stellen den idyllischen Alltag der Bewohnenden immer wieder auf die Probe», schreibt SRF in einer Medienmitteilung.
Schmid und Schellander filmten die Serie seit Juni 2024. Das St.Galler Fernsehpublikum wird darin das eine oder andere Stadtoriginal wiederfinden. «Der SRF-Auftrag ist eine Bestätigung meiner Arbeit und hat mir auch finanziell Luft verschafft. Zwar konnte ich auch vorher von meiner Arbeit leben, musste aber für die Finanzierung eigener Projekte auch kommerzielle Aufträge annehmen», sagt Schmid. Er arbeitet seit 2019 als selbständiger Filmemacher – parallel dazu studierte er an der HSG, wo er seit 2018 auch Mitarbeiter ist. 2025 erhielt er einen Förderpreis der St.Gallischen Kulturstiftung.
Schmid und Schellander filmten die Serie seit Juni 2024. Das St.Galler Fernsehpublikum wird darin das eine oder andere Stadtoriginal wiederfinden. «Der SRF-Auftrag ist eine Bestätigung meiner Arbeit und hat mir auch finanziell Luft verschafft. Zwar konnte ich auch vorher von meiner Arbeit leben, musste aber für die Finanzierung eigener Projekte auch kommerzielle Aufträge annehmen», sagt Schmid. Er arbeitet seit 2019 als selbständiger Filmemacher – parallel dazu studierte er an der HSG, wo er seit 2018 auch Mitarbeiter ist. 2025 erhielt er einen Förderpreis der St.Gallischen Kulturstiftung.
An der HSG studierte Schmid VWL und besuchte im HSG-Kontextstudium einen Kurs zur Produktion von Dokumentarfilmen. Das HSG-Kontextstudium umfasst 25 Prozent des Studiums und thematisiert Kultur, Soziales und Geschichte. «Das war mein erster Berührungspunkt mit dem Thema. Später machte ich noch einen Storytelling-Kurs im Studium», sagt Schmid. Zudem ermöglichte ihm das HSG-Studium damals, einen Video-Lehrgang beim Ausbildungsradio toxic.fm zu absolvieren. «Das war für meinen weiteren Weg als Filmemacher ziemlich wichtig.»
Vom Studenten wurde Schmid 2018 zum HSG-Mitarbeiter: Im Media Lab unterstützt er bis heute Studierende und Dozierende bei Filmprojekten – etwa, wenn Dozierende innovative Kursinhalte gestalten oder Studierende kurze Filme in Kursen umsetzen. Nach seinem HSG-Bachelor folgte zudem ein CAS an der Hochschule der Künste Bern in Dokumentarfilm.
Immer ist Schmid mit einem offenen Auge für neue Themen unterwegs. «Ich begleite als Filmer gerne Menschen, die eine Leidenschaft haben.» Ende September 2026 bringt er zudem einen Dokumentarfilm über die zwei letzten Sticker des Appenzellerlandes in die regionalen Kinos. «'Das Ende einer Ära – Stickerei im Appenzellerland' begleitet Vater und Sohn in den letzten Monaten vor der Schliessung. In der Werkstatt wird ein Stück Ostschweizer Industriegeschichte greifbar. Was einst die ganze Region prägte, ist heute fast vollständig verschwunden», heisst es im Pressetext.
Auch Schmids Iran-Abenteuer kam nun, über vier Jahre nach den Dreharbeiten, zu einem kleinen Abschluss: «Echo in the Desert» feierte diesen Juni am Fusion Festival bei Berlin vor rund 150 Personen die inoffizielle Vorpremiere. «Für die Vorpremiere haben uns unsere Freund:innen aus dem Iran Briefe geschickt, die wir im Saal vorgelesen haben. Ihre ohnehin schwierige Situation hat sich durch den Krieg nochmals verschärft. Gleichzeitig spüren wir, wie viel es ihnen bedeutet, wenn Menschen ausserhalb des Iran hinschauen, nachfragen und ihre Situation nicht vergessen», so Schmid. Einen offiziellen Kinostart gibt es für den Film noch nicht. Gleichzeitig will Schmid diesen auch nicht digital veröffentlichen, dies aufgrund möglicher Repressalien gegen die Darsteller:innen.
Schmid: «Der Film ist fertig, aber sein Weg zum Publikum bleibt schwierig und offen. Die Verbindung zu den Menschen im Iran besteht weiter – und damit auch die Verantwortung, ihre Geschichten sichtbar zu machen, ohne sie dadurch zusätzlich zu gefährden.»
