Forschung - 04.05.2026 - 14:00
Der Bedarf an digitalen Kompetenzen wächst stetig. Langfristig wird ein Fachkräftemangel erwartet. Dennoch entscheiden sich vergleichsweise wenige Frauen für eine Laufbahn in der Informatik. Wie lässt sich das ändern?
Die HSG-Forscher Dr. Scherwin Bajka und Prof. Dr. Patrick Emmenegger untersuchten diese Frage im Rahmen einer gross angelegten Umfrage unter rund 2500 Jugendlichen der 8. Klasse aus den Kantonen St.Gallen und Luzern. Die Ergebnisse zeigen: Um mehr Mädchen für Informatikberufe zu gewinnen, sollte nicht nur ihre Selbsteinschätzung technischer Fähigkeiten gestärkt werden. Ebenso wichtig ist es, bestehende Berufsbilder kritisch zu hinterfragen und realistischer zu vermitteln.
Die Studie zeigt, dass Mädchen Informatikberufe seltener als Jungen mit sozial-interaktiven Aspekten verbinden. Während Jungen Informatik sowohl als technisch herausfordernd und sozial interaktiv wahrnehmen, sehen Mädchen diese Berufe häufig als rein technisch herausfordernd. Dabei umfasst der Berufsalltag in der Informatik durchaus soziale und interaktive Aspekte, die von Teamarbeit bis hin zu Kundenkontakt reichen. Diese Aspekte werden in der Berufsdarstellung jedoch selten klar hervorgehoben.
Um zu testen, wie sich alternative Darstellungen auswirken, setzten die Forschenden Berufsinformationsvideos ein. Eine Gruppe sah ein klassisches, technisch geprägtes Video, während eine zweite Gruppe eine Variante mit stärker betonten sozialen Aspekten erhielt.
Die Ergebnisse sind eindeutig:
Diese Befunde zeigen: Eine realistischere und sozial ausgewogenere Darstellung von Informatikberufen kann gezielt dazu beitragen, mehr Mädchen für diese Laufbahnen zu gewinnen, ohne Jungen abzuschrecken oder das Berufsbild zu verzerren.
So macht die Studie deutlich, dass Geschlechterunterschiede in der Berufswahl nicht ausschliesslich auf individuellen Präferenzen beruhen. Sie entstehen auch durch Wahrnehmungen und Darstellungen beruflicher Anforderungen und sind veränderbar.
Berufsorientierung im Bereich Informatik sollte die sozialen Aspekte technischer Berufe stärker hervorheben und frühzeitig mit stereotypen Vorstellungen aufräumen. Bereits einfache Massnahmen, etwa kurze Videos oder angepasste Berufsbeschreibungen, können messbare Effekte auf die Berufswahl haben.
Die Studie «How to reduce the IT gender gap in occupational preferences?» von Prof. Dr. Patrick Emmenegger und Dr. Scherwin Bajka steht online zum Download zur Verfügung.
