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Forschung - 27.08.2026 - 11:00 

Menschen in einer Partnerschaft sind nicht überall gleich zufrieden

Partnerschaft und Lebenszufriedenheit hängen zusammen – aber nicht überall gleich stark. Eine Studie mit Daten von mehr als 382'000 Menschen zeigt: In Regionen mit besonders vielen Paaren sind Menschen in Beziehungen zufriedener. Bei Singles zeigen sich dagegen kaum regionale Unterschiede. Das deutet darauf hin, dass soziale Normen und Erwartungen das persönliche Wohlbefinden beeinflussen.

Menschen in einer Partnerschaft sind im Durchschnitt zufriedener als Singles. Doch gilt dieser Unterschied überall gleichermassen? Dieser Frage ist ein internationales Forschungsteam nachgegangen. Die Forschenden untersuchten, ob der Unterschied in der Lebenszufriedenheit zwischen Singles und Menschen in einer Partnerschaft mit dem Wohnort zusammenhängt.  

An der Studie beteiligt waren Forschende der Universität St.Gallen, der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der University of Cambridge unter Leitung von Dr. Tita Gonzalez Avilés vom Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Bildung und Lernen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Die Ergebnisse sind in der hochrangigen Fachzeitschrift «Psychological Science» erschienen. 

Umfangreiche Datengrundlage ermöglicht Blick auf regionale Unterschiede 

Die Forschenden werteten Daten von mehr als 382‘000 Menschen aus 379 Regionen Grossbritanniens aus. Die Daten stammen aus dem sogenannten «Big Personality Test», einer gross angelegten Online-Studie der University of Cambridge in Zusammenarbeit mit der BBC. Die Forschenden verglichen die Lebenszufriedenheit von Singles und Menschen in einer Partnerschaft und setzten diese Unterschiede mit dem Anteil verpartnerter Personen in den jeweiligen Regionen in Beziehung. Als Menschen in einer Partnerschaft galten in der Studie alle Teilnehmenden, die angaben, sich zum Zeitpunkt der Befragung in einer romantischen Beziehung zu befinden – unabhängig von ihrem Familienstand.  

Das Ergebnis: Menschen in einer Partnerschaft berichteten unabhängig von ihrem Wohnort von einer höheren Lebenszufriedenheit als Singles. Gleichzeitig fiel dieser Unterschied in Regionen mit einem hohen Anteil verpartnerter Menschen deutlich grösser aus als in Regionen mit weniger Paaren. Ausschlaggebend war dabei die Lebenszufriedenheit der Menschen in einer Partnerschaft: Sie war in Regionen mit vielen Paaren höher, während sich bei Singles kaum regionale Unterschiede zeigten.

Prof. Dr. Tobias Ebert

Soziales Umfeld hat Einfluss auf die Lebenszufriedenheit 

Die Studie liefert damit einen neuen Blick auf den Zusammenhang zwischen Partnerschaft und Wohlbefinden. Bisherige Forschung hat vor allem gezeigt, dass sich Singles und Menschen in einer Partnerschaft in ihrer Lebenszufriedenheit unterscheiden. Als mögliche Erklärungen standen dabei vor allem individuelle Faktoren im Mittelpunkt. Die neue Untersuchung zeigt nun, dass auch das gesellschaftliche Umfeld eine Rolle spielt.

Die Forschenden vermuten, dass regionale Beziehungsnormen dabei von Bedeutung sind. Wo Partnerschaften besonders verbreitet sind, könnten sie stärker als gesellschaftlicher Normalfall wahrgenommen werden. Menschen in Beziehungen könnten dadurch mehr soziale Bestätigung erfahren. 

«Menschen leben nicht losgelöst von ihrem Umfeld. Regionale Normen und soziale Erwartungen können beeinflussen, wie Menschen ihre eigene Lebenssituation wahrnehmen und bewerten», erläutert Studienleiterin und Erstautorin Tita Gonzalez Avilés vom Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Bildung und Lernen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

«Die Ergebnisse eröffnen eine neue Perspektive darauf, wie eng individuelles Wohlbefinden und gesellschaftliche Rahmenbedingungen miteinander verbunden sind.»
Prof. Dr. Tobias Ebert, Senior Author, Institute of Behavioral Science and Technology (IBT-HSG)

Ergebnisse halten umfangreichen Tests stand 

Um alternative Erklärungen auszuschliessen, berücksichtigte das Forschungsteam zahlreiche Faktoren wie Alter, Einkommen, Bildung, Gesundheit und Persönlichkeitsmerkmale. Zudem überprüften die Forschenden ihre Ergebnisse mit verschiedenen statistischen Verfahren und konnten sie auch auf kleinerer räumlicher Ebene in 218 Londoner Stadtteilen replizieren. 

Die Studie eröffnet neue Perspektiven für die Forschung zu Partnerschaft und Wohlbefinden. Nach Ansicht der Forschenden sollte künftig genauer untersucht werden, welche sozialen Erfahrungen, gesellschaftlichen Normen und institutionellen Rahmenbedingungen den regionalen Unterschieden zugrunde liegen. Überrascht hat die Forschenden, wie stark der Einfluss des sozialen Umfelds ins Gewicht fällt. Schliesslich könnte man erwarten, dass die Vorteile einer Partnerschaft universell sind, weil enge Beziehungen zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen zählen. «Um Menschen besser zu verstehen, müssten wir auch die sozialen Kontexte betrachten, in denen sie leben», fasst Prof. Dr. Tobias Ebert von der Universität St.Gallen zusammen.

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