Forschung - 10.06.2026 - 08:30
Laut einer kürzlich veröffentlichen Studie der Boston Consulting Group hat Hongkong die Schweiz als grössten Hub für grenzüberschreitende Vermögensverwaltung abgelöst. Grund sind Kapitalzuflüsse aus dem chinesischen Festland. Dennoch bleibt die Schweiz ein führender Standort für Vermögensverwaltung mit entsprechender Bedeutung für die Volkswirtschaft. Eine Schlüsselrolle nehmen Single Family Offices (SFO) ein, also Organisationen mit dem Zweck, das private Vermögen der Eigentümerfamilie zu verwalten. Neben der Herkunft der entsprechenden Familien sind politische Stabilität und Rechtssicherheit die wichtigsten Gründe für deren Präsenz in der Schweiz. Diese gilt es beizubehalten, will sich die Schweiz künftig im Standortwettbewerb gegen Mitbewerber wie Mailand, Dubai, Singapur oder Hongkong behaupten. Daneben ist auch ein resilienter Bankensektor von Bedeutung.
Im Zuge der erfolgreichen Entwicklung an den Kapitalmärkten haben die von SFO verwalteten Vermögen deutlich zugenommen. Wurden gemäss der Vorgängerstudie im Jahr 2023 noch rund 600 Milliarden von SFO in der Schweiz verwaltet, waren es 2025 bereits rund 785 Milliarden Schweizer Franken. Professor Markus Schmid, Autor der Studie «The Swiss Single Family Office Landscape», erklärt dies wie folgt: «Dieser Anstieg um etwa 30 Prozent ist neben einer leicht höheren Schätzung der Anzahl Single Family Offices in der Schweiz vor allem auf die positiven Kapitalmarktrenditen der vergangenen zwei Jahre zurückzuführen.»
Die Vermögensallokation teilt sich bei SFO im Schnitt etwa hälftig in traditionelle und alternative Anlagen. Im ersten Fall sind es Aktien und Beteiligungen (28 Prozent) sowie festverzinsliche Wertpapiere (11 Prozent) – beides überwiegend in entwickelten Märkten – sowie Bargeld (11 Prozent). Breiter diversifiziert sind die Alternativen Anlagen mit Private Equity (21 Prozent), Private Debt, Infrastruktur und Immobilien (12 Prozent) sowie u.a. Hedge funds, Edelmetalle, Rohstoffe oder Kunst und Antiquitäten. Die grössten Veränderungen von 2023 zu 2025 sind eine Reduktion von Wagniskapital um rund 6 Prozent während börsennotierte Aktien aus Industrieländern um 5 Prozent zunahmen. Eine erwartbare Entwicklung, angesichts des Börsenumfelds der letzten zwei Jahre und eine, die sich gemäss der Studie 2026 weiter akzentuieren dürfte. Dabei zeigt sich ein «Home Bias»: 33 Prozent der SFO-Anlagen entfallen auf die Schweiz. Das ist der grösste Anteil neben Nordamerika (ebenfalls 33 Prozent). Westeuropa folgt mit 23 Prozent, während auf Asia-Pacific (ohne China) nur noch 6 Prozent entfallen. «Die strategischen Anlageprioritäten der Schweizer SFO zeugen von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Vorsicht und Wachstum», so Markus Schmid. «Im Fokus steht die Kapitalerhaltung durch ein akzeptables Risiko-Rendite-Profil.»

Das von SFO verwaltete Vermögen liegt zwischen weniger als 250 Millionen Franken und über 10 Milliarden Franken. Der Median liegt bei rund einer Milliarde Franken. Die meisten SFO umfassen ein oder mehrere Familienunternehmen, wobei Immobilien (34 Prozent), Gastgewerbe und Gastronomie (16 Prozent) sowie Konsum- und Luxusgüter (16 Prozent) zu den wichtigsten Sektoren zählen. So sind rund die Hälfte der Assets under Management (ca. 450 Millionen Franken) in diesen Familienunternehmen gebunden. Die Studie geht von Schätzungen aus, wonach die von allen Schweizer Single Family Offices kontrollierten Firmen weltweit über 650'000 Personen beschäftigen. Allerdings sind es wenige überdurchschnittlich grosse Familienunternehmen, die für den Grossteil davon verantwortlich sind. Bei über 50 Prozent der Familienunternehmen von SFO sind es 10 oder weniger Mitarbeitende in der Schweiz und weniger als 200 im Ausland. Im Schnitt beträgt das Verhältnis von Arbeitsstellen im Inland (233) zu solchen im Ausland (2713) knapp 1:12.
Hätte das Stimmvolk im November 2025 die Erbschaftssteuer angenommen, hätte dies wohl heftige Schockwellen in der Branche ausgelöst. So gaben 48 Prozent der befragten SFO an, dass deren Eigentümerfamilie Szenarien für einen Umzug bei einem «Ja» evaluiert habe. 15 Prozent davon hatten bereits konkrete Pläne entwickelt. Andere 5 Prozent der SFO hatten den Umzug in Antizipation des Urnengangs bereits vollzogen. Darüber hinaus wurden Vermögensstrukturen optimiert und Nachfolgezeitpläne definiert. Geprüft wurden auch Schenkungen zu Lebzeiten, vorgezogene Unternehmensübergaben oder die Etablierung von Stiftungen und Trusts. SFO haben sich also proaktiv positioniert, um im Bedarfsfall auf politische Entscheide reagieren zu können. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass die Erbschaftssteuer zu einem spürbaren Abfluss von Vermögen aus der Schweiz geführt hätte.
Nach 2024 wurde die Studie zum zweiten Mal durchgeführt. Die Forschenden haben die Antworten von 82 Familiy Offices ausgewertet, was rund 27 Prozent der 300 geschätzten Family Offices in der Schweiz entspricht. Die Studie von Professor Markus Schmid und Dominik Redemann vom Schweizerisches Institut für Banken und Finanzen SBF-HSG an der Universität St.Gallen ist in enger Kooperation mit UBS Global Wealth Management und der Swiss Single Family Office Association (SFOA) entstanden.
Studie «The Swiss Single Family Office Landscape» zum Download
Bild: Zug Tourismus, Martin Bissig
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