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1963: Einweihung der Neubauten auf dem Rosenberg – jetzt mit Kürzel «HSG»

Die Hochschule, die sich bereits zum 1. Oktober 1962 von «Handels-Hochschule St.Gallen» in «Hochschule St.Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften» umbenannt hat (die Geburtsstunde des Kürzels «HSG»), begann bereits frühzeitig mit den Vorbereitungen der Eröffnungsfeierlichkeiten im Juni 1963. An insgesamt drei Tagen wurde die Eröffnung gefeiert. Dafür stand ein nicht nur für damalige Verhältnisse ordentliches Budget von 200'000 Franken zur Verfügung. Wegen der vielen geladenen Gäste und der begrenzten Kapazitäten der Festsäle musste die Feier auf drei Tage gestreckt werden.

Die Hochschulanlage kurz nach dem Bezug 1963

Der 27. Juni 1963 war der «Tag der wissenschaftlichen Gespräche». Er begann mit dem akademischen Festakt in der Aula. In mehreren Reden würdigten Rektor und Vertreter von Preisgericht, Regierung, Stadt, Schweizerischer und Europäischer Hochschulrektorenkonferenz den Neubau. Gross war die Zahl der Gäste anderer Hochschulen des In- und Auslands, die ihre Glückwunschadressen überreichten. Der Nachmittag stand im Zeichen vieler wissenschaftlicher Kolloquien, und abends fand ein Festkonzert in der Tonhalle mit Beethovens 9. Sinfonie statt.

Feierlicher Einzug von Vertretern in- und ausländischer Hochschulen in die Aula am 27. Juni 1963

Am 28. Juni 1963, dem eigentlichem Hochschultag, fand die feierliche Schlüsselübergabe in der Tonhalle statt. Zur musikalischen Einrahmung hatte Vladimir Vogel eigens eine Komposition beigetragen. Im Laufe der Ansprachen von Regierungsrat Dr. Simon Frick, Stadtammann Dr. Emil Anderegg und Rektor Jöhr fand die Schlüsselübergabe statt. Weitere Festredner waren Bundesrat Dr. Hans Peter Tschudi und der Studentenschaftspräsident Urs B. Wyss. Rektor Walter Adolf Jöhr übergab fünf Ehrenpromotionen. Nachmittags zog ein stattlicher Festzug unter anderem mit den auswärtigen Hochschulvertretern in feierlichem Ornat, den Vertretern von Kanton und Stadt und den Bauleuten durch die Stadt. Abends veranstalteten die Studierenden einen Fackelzug.

Der Samstag, 29. Juni 1963, der dritte Tag der Eröffnungsfeierlichkeiten, war auch der Tag der Rektoratsübergabe von Rektor Jöhr an Prorektor Otto Konstantin Kaufmann in der Tonhalle. Nach dem mittäglichen Bankett besichtigten die Gäste in den Nachmittagsstunden die Hochschulanlagen. Abends fand der traditionelle Hochschulball im Schützengarten, organisiert durch die Studentenschaft, statt. Auch die Bevölkerung kam nicht zu kurz: Für sie organisierte die Hochschule am folgenden Sonntag Führungen durch die Neubauten.

Die Hochschulbauten lassen sich dem Architekturstil des Brutalismus zuordnen, der in den 1960er Jahren seine Blütezeit erlebte. Charakteristisch für den Stil sind einerseits der Sichtbeton, andererseits die reinen geometrischen Baukörper. Den Hochschulbau kennzeichnen zudem die Fassadenelemente in gestrichenem Eisen und die Bezugnahme auf die vorgefundene landschaftliche und städtebauliche Umgebung. Sichtbar ist der Konstruktionsgedanke.

Treppe zum Hauptgebäude 1964

Den Architekten ging es um einen würdigen und gewollt klassischen, aber nicht pathetischen Charakter der Anlagen. Von aussen sollten die Bauten eine einheitliche, würdig geordnete Erscheinung bieten, die auch aus der Ferne erkennbar ist. Architekt Walter M. Förderer vertrat die Ansicht, dass Architektur den Anspruch auf den Rang einer Kunst habe. Entsprechend liessen sich die Architekten vom Konzept der Rolle des Künstlerischen und der Kunst in der Architektur leiten.

Die einzelnen Gebäude sind fast wie auf einem Schachbrett arrangiert: Institutsgebäude, Aula, Technologietrakt, Mensa und Turnhalle scheinen aus dem Hang zu wachsen. Ihr Zentrum und ihren Höhepunkt erreichen sie in der «Tête» des Hauptgebäudes. Dieser fensterlose Betonkubus, der ursprünglich die Bibliothek enthielt, verdichtet sich zu einem Ort der Konzentration und des Lernens.

Architektonische Formensprache an der Treppe des Hauptgebäudes

Die bis zu sechs Meter breite und weit auskragende Treppe des Hauptgebäudes, die zur ehemaligen Bibliothek führt, bildet eine zentrale architektonische Skulptur. Für die Konstruktion wurden eigens an einem Plexiglasmodell Tests zum Spannungs- und Deformationsverlauf durchgeführt. Architekt Förderer kam die Idee zu dieser Treppe, die er mit grosser Beharrlichkeit durchsetzte, erst nachträglich. Der Wettbewerbsentwurf sah noch eine runde «Trommel»-Treppe vor.

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