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Campus - 03.10.2022 - 00:00

Startup «Deskbird» bietet Lösung für eine Arbeitswelt im Umbruch

Wegen der Coronapandemie musste sich das St.Galler Startup deskbird neu ausrichten. Seither ist deskbird rasant gewachsen und bietet eine Software an, mit der Firmen die Büro- und Home Office-Tage ihrer Mitarbeitenden planen können. Deskbird will nun im umkämpften Markt des Arbeitsplatzmanagements zum unverzichtbaren Angebot werden.

3. Oktober 2022. Die Coronapandemie war für viele Unternehmen verheerend – für das St.Galler Startup deskbird hingegen waren ihre gesellschaftlichen und technologischen Umbrüche ein «Glücksfall», wie der Co-Gründer und HSG-Absolvent Ivan Cossu sagt: Er und sein Mitgründer Jonas Hess hatten Ende 2019 eigentlich eine App für die Buchung von Co-Working-Spaces lanciert. «Dann kam der erste Lockdown und es wurde schwierig, unser Angebot mit Nutzenden zu testen», sagt Cossu. Die Kunden, mit denen Cossu und Hess damals bereits arbeiteten, fragten im Verlauf von 2020 dann aber nach einer Lösung für das Management der Bürobelegungen. Die hybride Arbeit im Home Office und im Büro war für viele Unternehmen auch organisatorisch eine neue Herausforderung.

Im April 2021 lancierte deskbird darum basierend auf ihrer ursprünglichen App eine Software fürs Arbeitsplatzmanagement: Mitarbeitende können damit Schreibtische, Arbeitsräume oder andere Ressourcen im Büro buchen – und sie sehen, wer vom Team wann vor Ort ist. «Die Neuausrichtung unseres Startups hat Mut gebraucht, aber wir waren und sind überzeugt davon, dass sich die Arbeitswelt für immer verändert hat», sagt deskbird-CEO Cossu. Das zeigt beispielsweise auch die Längsschnittstudie «New Work & Culture» von Heike Bruch, HSG-Professorin für Leadership: Mobiles und flexibles Arbeiten ist demnach gerade bei der jüngeren Generation entscheidend für die Arbeitgeberattraktivität.

«Wir wollen unverzichtbar werden»

In den eineinhalb Jahren seit dem Markteintritt ist deskbird stark gewachsen. Die App kommt mittlerweile in mehr als 20 Ländern zum Einsatz, über 50'000 Personen nutzen die Software regelmässig. Kunden sind beispielsweise der Automobilzulieferer Schaeffler, die Grossbrauerei Heineken oder der Industriekonzern Georg Fischer. Die Kunden dürfte neben der Mitarbeiterzufriedenheit auch das Potential an Kosteneinsparungen interessieren, das in der klugen Planung von Büroflächen liegt. Laut deskbird kostet die Infrastruktur für einen Büroarbeitsplatz jährlich durchschnittlich 8’000 Franken.

Heute arbeiten europaweit rund 50 Mitarbeitende für das Startup, bis Ende 2023 sollen es über 100 sein. Möglich macht diese Expansion unter anderem eine Finanzierungsrunde, in der deskbird im August 2022 fünf Millionen US-Dollar einsammelte. «Wir haben europaweit rund 20 Konkurrenten, gleichzeitig ist die Nachfrage der Unternehmen gross», sagt Cossu. «Unser Ziel ist es, in diesem hochkompetitiven Umfeld die unverzichtbare Softwarelösung für modernes Arbeitsplatzmanagement zu werden.»

Studium an der HSG stärkte Gründerdrang

Der St.Galler Cossu traf seinen Mitgründer Jonas Hess bei einem früheren Arbeitgeber. Hess ist Elektroingenieur und Informationstechnologe, Cossu hat an der HSG einen Master in Economics absolviert. «Ich hatte schon immer einen unternehmerischen Drang. Mein Studium an der HSG, wo ich mich mit vielen Startup-Gründerinnen und -Gründern austauschen konnte, hat diesen zusätzlich verstärkt», sagt Cossu.

deskbird lebt seine Überzeugung für hybrides Arbeiten vor: Das Team arbeitet remote-first, gleichzeitig hat das Startup in St.Gallen, München, Belgrad, Sofia und Bukarest auch physische Büros vor Ort. «Wir haben Mitarbeitende in der Schweiz, Deutschland, Portugal, Serbien oder Rumänien. Vom Arbeitsort her gesehen ist bei uns alles möglich», sagt Cossu, dessen Team im Schnitt um die 30 Jahre alt ist. Gleichzeitig nimmt deskbird den Aufbau eines Teamgeistes sehr ernst: Mittlerweile hat das Startup einen «Culture Manager» angestellt, eingeführt wurde unter anderem ein regelmässiger «Virtual Breakfast». Auch gebe es ein Budget dafür, wenn Mitarbeitende ihre Kolleg: innen in anderen Ländern für Arbeitsprojekte treffen möchten.

Die europaweit arbeitenden Mitarbeitenden kommen ausserdem zweimal jährlich zu einem Anlass zusammen, zuletzt bei einem viertägigen Summit auf Malta. «Das sind jeweils Highlights für alle im Team», sagt Cossu. Er ist überzeugt: «Klug geplant und eingesetzt kann hybrides Arbeiten die agile Zusammenarbeit und Kultur in Unternehmen stärken – obwohl die Mitarbeitenden häufiger im Home Office arbeiten.»

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