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Campus - 28.05.2026 - 09:00 

St.Gallen Model UN: «Studierende lernen hier, neue Perspektiven zu verstehen»

In einer Zeit, in der internationale Zusammenarbeit zunehmend unter Druck steht, üben Studierende an der HSG den diplomatischen Ernstfall: Beim St.Gallen Model United Nations simulieren sie globale Konflikte, vertreten Staatenpositionen und verhandeln Lösungen nach den Regeln internationaler Gremien.
Die internationale SGMUN-Konferenz 2025 im St.Galler Kantonsratssaal.

«Stell dir vor, du musst die Position von Russland oder Iran vertreten. Das erfordert Vorbereitung und die Fähigkeit, sich in völlig andere Perspektiven hineinzudenken», sagt HSG-Studentin Kajsa Wenger, Präsidentin von St.Gallen Model United Nations (SGMUN). Der studentische Verein – einer von rund 150 an der HSG - organisiert Formate, in denen Studierende Diplomatie, Verhandlungstaktik und internationale Beziehungen praktisch trainieren. Kern sind wöchentliche Debatten nach UN-Vorbild, bei denen Teilnehmende die Positionen einzelner Staaten übernehmen – etwa im Sicherheitsrat. Aber auch Gremien wie BRICS, UNHCR oder NATO werden simuliert.

Den simulierten Komitees entsprechend, ist nach mehreren Wochen das Ziel dieser Debatten die Verabschiedung einer gemeinsamen Resolution. Im Frühjahrssemester 2026 behandelten die Teilnehmenden unter anderem Themen der Sicherheitspolitik, wie «Starvation as a weapon»-Kriegsverbrechen oder hybride Kriegsführung. «Wir orientieren uns an realen Fällen», sagt Wenger.

Verein schafft internationales Netzwerk

Ein Höhepunkt ist die jährliche internationale Konferenz von SGMUN im Herbst: 2025 kamen 130 Studierende aus 13 Ländern für vier Tage nach St.Gallen und debattierten Themen reichend von der sicheren Entsorgung nuklearen Abfalls bis hin zur Verbesserung globaler maritimer Sicherheit. 12 Studierende des Vereins arbeiten nur für die Organisation dieser Konferenz, der Verein als Ganzes hat rund 100 HSG-Studierende als Mitglieder.

Gleichzeitig reist das St.Galler Team selbst an etwa sieben Konferenzen pro Jahr, etwa nach München, Kopenhagen oder Heidelberg. «So entsteht ein internationales Netzwerk», sagt Wenger. «Zudem ist die MUN-Communitywie eine grosse Familie – man lernt so überall neue Freunde kennen.»

Viele Mitglieder des Vereins studieren International Affairs an der HSG, doch der Verein ist fachlich offen. «Unterschiedliche Perspektiven bereichern die Diskussionen», sagt Marketingchefin Denise Kemter. Mit Formaten wie der eintägigen «SGMiniMUN» richtet sich der Verein gezielt an alle HSG-Studierenden. Dieses findet am 23. Mai statt und bringt Interessierte in eine eintägige Simulation. 

Das Hauptziel des Vereins ist es, sachliche und faire Debatten zu fördern – auch bei kontroversen Themen. Gearbeitet wird nach festen Regeln internationaler Gremien. «Das trainiert, Kritik präzise zu formulieren und auszuhalten», sagt Wenger. Gleichzeitig stärkt die Teilnahme konkrete Fähigkeiten: «Ich kann heute auf Englisch vor einem grossen Publikum präsentieren – vor meiner Mitgliedschaft bei St.Gallen MUN wäre das für mich schwierig gewesen», sagt Kemter. Ähnliche Erfahrungen würden viele Mitglieder machen.

In der Vorbereitung der Debatten – ob an der HSG oder an einer MUN-Konferenz an einer anderen Universität – ermuntert St.Gallen MUN seine Mitglieder, KI möglichst sparsam zu nutzen. «Es geht darum, eine Art zu Denken zu trainieren, sich einem Thema mehrere Stunden zu widmen und auch eigene Schlüsse zu ziehen – wer zu früh KI einsetzt, unterbricht diesen Prozess», sagt Wenger. Auch die Vorgabe, während der Debatten keine KI zu nutzen, führe zu einer starken Präsenz der Teilnehmenden. 

Karriere im Verein vorbereiten

Viele Mitglieder streben Karrieren in internationalen Organisationen an. So arbeitet beispielsweise Samuel Cobbi, der St.Gallen MUN an der HSG gründetet, heute beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) als Konsul in Italien. Für den Karriereeinstieg bietet St.Gallen MUN Einblicke und Networking, etwa durch Besuche bei Botschaften oder Workshops mit Gästen wie Philipp Rösler oder EU-Kommissar Magnus Brunner.

«Mit unseren Veranstaltungen wollen wir den Studierenden auch zeigen, dass multinationale Organisationen funktionieren und wichtig sind für den Fortschritt der Welt», sagt Wenger. Das sei gerade in einer Zeit, in der internationales Recht und Organisationen unter Beschuss seien, wichtig. «Wir sind politisch neutral, stehen aber ein für multinationale Debatten und die Einhaltung internationaler Regelwerke», so Wenger. 
 

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