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Campus - 24.11.2022 - 14:17

Eröffnung des Center for Financial Services Innovation

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Finanzbranche? Welche Innovationen prägen Bankenwelt und Finanzmarktrecht? Wie verändern digitale Plattformen unsere Art, mit Geld umzugehen und die Arbeit von Finanzinstituten generell? Das neue Forschungsinstitut Center for Financial Services Innovation (FSI-HSG) geht Fragen wie diesen auf den Grund. Ermöglicht wird es durch die strategische Partnerschaft mit der Credit Suisse.

Am Dienstag, 22. November 2022 wurde das neue Center for Financial Services Innovation (FSI-HSG) im SQUARE der Universität St.Gallen eröffnet. Anlässlich der Feierlichkeiten unterstrich HSG-Rektor Prof. Dr. Bernhard Ehrenzeller die finanzielle Bedeutung der Kooperation. Dabei hob er aber auch hervor: «Wir eröffnen heute kein Forschungscenter der Credit Suisse an der HSG, sondern ein HSG Center for Financial Services Innovation. Das war auch das gemeinsame Verständnis zwischen HSG und Credit Suisse bei der Lancierung der strategischen Partnerschaft und gilt auch für alle künftigen Partner.»

Die Credit Suisse ist die Gründungspartnerin des FSI-HSG und macht mit einer initialen Förderung den Start des Centers sowie den Aufbau mehrerer Professuren möglich. Prof. Dr. Axel P. Lehmann, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group AG, stellte auf die nationale Bedeutung der Neugründung ab: «Es ist mir ein Anliegen, dass die Credit Suisse einen Beitrag leistet zur weiteren Stärkung des Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Schweiz.» Ergänzend sagte André Helfenstein, CEO Credit Suisse (Schweiz) AG: «Durch die Partnerschaft mit der HSG wollen wir einen Beitrag zur Stärkung des Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Schweiz leisten. Als Finanzdienstleister setzen wir uns intensiv mit Themen wie Digitalisierung, Innovation und Unternehmertum auseinander. Mit dem «HSG Center for Financial Services Innovation» kann die Wissenschaft wertvolle Impulse zu für uns relevanten Themen liefern, während wir als strategischer Partner einen direkten Bezug zur Praxis sicherstellen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit der HSG. Gut ausgebildete junge Menschen sind zentral für die Schweiz und die Credit Suisse.» 

Vier neue Fachgebiete erweitern die Finanzplatz-Forschung an der HSG

Geleitet wird das neue Institut von Dr. Tobias Trütsch. Seine Forschungsinteressen liegen in der Zahlungsverkehrs- und Geldwirtschaft mit besonderem Schwerpunkt auf innovativen Zahlungsprodukten und individuellem Zahlungsverhalten. Vier neu berufene Professor:innen stellten während der Eröffnung ihre Fachgebiete vor, drei weitere Professuren werden folgen: 

  • Prof. Andrea Barbon, Ph.D., Assistenzprofessor für Financial Technology
  • Prof. Dr. Nina Reiser, Assoziierte Professorin für Finanzmarktrecht
  • Prof. Dr. Julian Kölbel, Assistenzprofessor für Sustainable Finance
  • Prof. Tim Meyer, Ph.D., Assistenzprofessor für Digitale Ökosysteme und Plattformökonomien

«Smart Contracts-Handelsplätze werden die traditionellen Börsen bald ablösen»

Prof. Andrea Barbon, Ph.D., Assistenzprofessor für Financial Technology, beschäftigt sich mit Crowdsourcing in der Finanzwelt. «In meiner Forschungsagenda rund um Fintech konzentriere ich mich insbesondere auf Big Data, um auf Basis von grossen Datenmengen die Risiken für Disruption zu identifizieren – aber auch deren Chancen», sagte Barbon zu Beginn der Vorstellungsrunde. «Zusammen mit HSG-Professor Angelo Ranaldo erforsche ich die Marktqualität dezentraler Börsen. Dabei vergleichen wir Blockchain-Daten mit traditionellen, zentralisierten Börsen für Kryptowährungen. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die neuen, auf Smart Contracts basierenden Handelsplätze die traditionellen Börsen bald ablösen könnten, da sie niedrigere Transaktionskosten und höhere Sicherheit bieten.» In einem weiteren laufenden Forschungsprojekt haben Andrea Barbon und Angelo Ranaldo 1000 Fälle von Preisanstiegen auf NFT-Märkten identifiziert, in welchen der Preis innerhalb weniger Stunden um mehr als 100% anstieg. In etwa der Hälfte der Fälle entpuppten sich diese als Blasen und platzten, während sich in den übrigen Fällen die Preise stabilisierten oder weiter anstiegen. «Mithilfe von Daten auf Transaktionsebene ermitteln wir eine Gruppe erfahrener Anleger, die systematisch von diesen Ereignissen profitieren können», erläuterte Andrea Barbon den Forschungsansatz. «Wir stellen fest, dass die aktive Präsenz erfahrener Anleger während eines Ereignisses die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es sich nicht um eine Blase handelt. Dies stimmt mit der Behavioral-Finance-Literatur überein, die davon ausgeht, dass Blasen durch die Beteiligung weniger erfahrener Akteure entstehen.»

Entwicklung des Finanzmarktrechts in der Schweiz

Prof. Dr. Nina Reiser LL.M., Assoziierte Professorin für Finanzmarktrecht am FSI-HSG geht in ihrer Forschung insbesondere drei Fragen nach: Welche Auswirkungen hat der Einsatz neuer Technologien wie etwa Künstlicher Intelligenz auf das Finanzmarktrecht? Welche Risiken gehen von Decentralized-Finance-Anwendungen aus und wie sind diese rechtlich anzugehen? Und wie ist das Verhältnis von Aktien-, Börsen- und Aufsichtsrecht, namentlich bei Fragen rund um die Corporate Governance von Banken? «Wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Fragen gewinne ich, indem ich Grundlagenforschung mit praktischen Erkenntnissen aus meiner mehrjährigen Tätigkeit bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA kombiniere», erklärte die Forscherin während der Eröffnungsfeier.

Wie sich nachhaltige Investitionen und ESG-Ratings auf die Realwirtschaft auswirken

«Jeder Dollar, der nachhaltig investiert wird, soll die Welt künftig wirklich besser machen», erklärte HSG-Assistenzprofessor Julian Kölbel das Ziel seines «Investor Impact Lab» am FSI-HSG. Der Wissenschaftler hat für sein Projekt zum Thema «Nachhaltiges Investieren» einen SNSF Starting Grant eingeworben. Er will eine wissenschaftliche Grundlage dafür schaffen, dass nachhaltige Investitionen ihr grosses Versprechen tatsächlich einlösen können. Das Projekt ist in drei Arbeitsbereiche gegliedert, die sich auf die Präferenzen nachhaltiger Investoren, ESG-Ratings und -Messungen sowie die Auswirkungen auf die Realwirtschaft konzentrieren. Julian Kölbel freut sich über die «Traumkombination» Grant und Professur am FSI-HSG: «Der Starting Grant des SNSF gibt mir Anschub bei meiner Arbeit als Assistenzprofessor. Ich habe viele Ideen, was es im Bereich Sustainable Finance zu untersuchen gilt. Dank des Grants kann ich am neuen Center nun ein Team aufbauen, um diese Ideen umzusetzen», sagt Julian Kölbel.

Neue Geschäftsmodelle dank digitaler Transformation

Prof. Dr. Tim Meyer, Assistenzprofessor am FSI-HSG, brachte seine Forschungsschwerpunkte während des Anlasses im SQUARE wie folgt auf den Punkt: «Der Finanzsektor befindet sich gerade in einem zunehmenden Prozess der digitalen Transformation, in dem neue digitale Produkte und Vertriebswege eine immer wichtigere Rolle spielen. In meiner Forschung untersuche ich, wie etablierte Unternehmen erfolgreich auf solche digitalen Transformationsprozesse reagieren können, indem sie eigene digitale Ökosysteme aufbauen und digitale Technologien in ihr Geschäftsmodell einbetten.» Der fachübergreifende Charakter des neuen Center biete ihm ideale Forschungsbedingungen. Neben betriebswirtschaftlichen Aspekten seien für seine Forschung auch finanztechnologische und rechtliche Fragen relevant, zu welchen er sich direkt mit seinen Kolleg:innen am FSI-HSG austauschen könne.

Technologie und Vertrauen: Essenziell für den Finanzplatz Schweiz

Welche Wirkung Innovationen in der Finanz- und Bankenbranche entfalten, diskutierten zum Abschluss der Eröffnungsfeier André Helfenstein, CEO Credit Suisse (Schweiz) AG, Dr. Mathias Imbach, CEO Sygnum Bank AG,  Dr. Christian Schmid, CEO St.Galler Kantonalbank AG und Dr. Stephan Zwahlen, CEO Maerki Baumann & Co. AG. Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. Tereza Tykvová, Professorin für Private Markets an der Universität St.Gallen. Trotz unterschiedlicher Einschätzungen etwa zum Stand der Technologisierung im Bankensektor und zu den Geschäftsmodellen zeigte sich in der Gesprächsrunde deutlich, dass die Nähe und Verbundenheit zu den Kunden als Konstante bestehen bleibt. Mit «Zukunft hat Herkunft», umriss Mathias Imbach den Umstand, dass Vertrauen eine ebenso wichtige Rolle spielen werde wie Technologie. Das sei eine gute Perspektive für den Finanzplatz Schweiz.

Weitere Informationen zur strategischen Partnerschaft zwischen Credit Suisse und HSG

Bilder: Universität St.Gallen (HSG) / Hannes Thalmann

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