Campus - 26.05.2026 - 12:00
8 Startups, 25 Investor:innen, ein Tag Verhandlungen – und im besten Fall ein Vertragsabschluss: So war der HSG-Kurs «Venture Capital Lab» konzipiert. Studierende des HSG-Masters in Banking and Finance (MBF) übernahmen dabei die Rolle von Venture Capitalists (VCs). Diese investieren in junge, nicht börsenkotierte Unternehmen mit entsprechend unsicherem Entwicklungspfad.
Die Startups im Kurs waren keine Fallstudien, sondern reale Jungunternehmen aus dem Förderprogramm «HSG START Accelerator». «Dass es sich um Startups mit validierten Geschäftsmodellen handelt, die bereits im Markt aktiv sind, erhöht die Relevanz für die Studierenden», sagt Stefan Weik, HSG-Professor für Finanzwissenschaften und Kursleiter.
MBF-Student Alexander Kekkas beschreibt den Ansatz des Kurses so: «Wir werden relativ schnell in die Praxis geworfen und müssen Startups bewerten sowie mit ihnen verhandeln. Das ist anspruchsvoll, aber erzeugt einen hohen Lerneffekt.» Der Kurs sei so aufgebaut, dass theoretische Inhalte direkt angewendet werden können.
Im einwöchigen Blockkurs kombinierten sich Inputs von Weik mit Praxisperspektiven zweier VCs: Sara Theinert von UVC Partners sowie Nico Schönberger von 10x Founders. Sie erläuterten, wie Investoren Startups evaluieren und Verhandlungen strukturieren.
Nach zwei Einführungstagen – unter anderem zu Bewertungsmethoden, Investmentkriterien, Investment Memos und Verhandlungstechniken – folgten am dritten Tag die Pitches der acht Startups. Nach jeweils 15 Minuten Präsentation übernahmen die Studierenden in ihrer VC-Rolle: Sie stellten kritische Fragen und analysierten die Geschäftsmodelle.
«Die Fragen waren fundiert und zeigten eine gute Vorbereitung. Auffällig war, dass weniger grundlegende Fragen zur technologischen Machbarkeit gestellt wurden – das Verständnis für KI-Anwendungen war insgesamt hoch», sagt Raphael Eder, Gründer des Startups GoNeon, das KI-basierte Infrastrukturplanung (z. B. Verkehr oder Energie) entwickelt.
Weitere teilnehmende Startups waren:
• Aithon Robotics (Drohnen für Inspektionsarbeiten),
• ExoSphere (Früherkennung von Krebs per Blutprobe),
• FireDrone (Drohnen für extreme Einsatzbedingungen),
• Lightlink Instruments AG (Hyperspektralkameras),
• NoxBlanc (individualisierte Schlafsysteme),
• optohive (tragbare Gehirnbildgebung)
• SurfAce Cleantech (Beschichtungstechnologie für nachhaltige Verpackungen)
Im Anschluss arbeiteten die Studierenden in Dreiergruppen und fokussierten sich jeweils auf ein Startup. Der letzte Kurstag war den Verhandlungen gewidmet: Ziel war ein sogenanntes Term Sheet – ein Vorvertrag, der zentrale Eckpunkte einer Beteiligung definiert. «Die Studierenden hatten auch den Auftrag, bewusst teilweise unvorteilhafte Bedingungen vorzuschlagen. Der Lerneffekt soll auf beiden Seiten entstehen», so Weik. Nicht in allen Fällen kam es zu einer Einigung.
Das Interesse an Arbeit im Venture Capital-Bereich hat unter HSG-Studierenden laut Weik zugenommen. «VC-Investitionen sind langfristig ausgerichtet und ermöglichen gezielte Wirkung, etwa im Bereich nachhaltiger Geschäftsmodelle.» Gleichzeitig sei der Bereich stark durch individuelle Verhandlungen geprägt: «Standardisierte Verträge sind selten und individuell ausgehandelte Klauseln können schnell zu komplexen Finanzierungssituationen führen. Erfolgreich ist, wer diese Komplexität beherrschen und strategisch verhandeln kann.»
Auch sei der europäische VC-Markt auf einem Wachtumspfad. Doch natürlich gingen VCs hohe Risiken ein, die Ausfallsrate von Investments sei hoch, der Druck oft auch. Insgesamt habe sich Venture Capital aber zu einer ernstzunehmenden Alternative zum klassischen Investmentbanking entwickelt.
Weitere Beiträge aus der gleichen Kategorie
Das könnte Sie auch interessieren
Entdecken Sie unsere Themenschwerpunkte
