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Forschung - 14.07.2026 - 15:00 

Umweltleistung: Warum dieselbe CEO-Persönlichkeit sie steigert oder bremst

Neue Forschung zeigt: Ein und dasselbe CEO-Persönlichkeitsmerkmal kann ein Unternehmen umweltfreundlicher oder ökologisch weniger engagiert agieren lassen. Die besten Umweltleistungen erzielen Firmen mit weiblichen CEOs, die nicht zu Narzissmus neigen. Die Ursache sind unterschiedliche gesellschaftliche Bewertungen von Frauen und Männern in Spitzenpositionen.

Ein und dasselbe CEO-Persönlichkeitsmerkmal kann ein Unternehmen umweltfreundlicher oder ökologisch weniger engagiert agieren lassen. Entscheidend ist, ob eine Frau oder ein Mann an der Spitze steht: Ein CEO wird für seine Nachhaltigkeitsaktivitäten in den Medien gefeiert – und engagiert sich noch stärker für die Umweltleistung seines Unternehmens. Eine CEO wird für die Nachhaltigkeits-Performance gelobt – und zieht sich zurück. Warum agieren die Führungskräfte so unterschiedlich? 

Visionär, selbstbewusst und durchsetzungsstark: Solche Eigenschaften werden Spitzenmanagerinnen und -managern häufig zugeschrieben. Bisweilen gehen sie Hand in Hand mit narzisstischen Eigenschaften wie Selbstherrlichkeit, Arroganz, Kühnheit, Dynamik und Empfänglichkeit für Lob. Doch dieselben Persönlichkeitsmerkmale werden nicht bei allen gleich bewertet. Weshalb dies so ist, untersuchten Forscherinnen aus St.Gallen, Tel Aviv und Houston in einer aktuellen Studie.

Ob narzisstische Persönlichkeitszüge die ökologische Performance eines Unternehmens fördern oder bremsen, hängt auch vom Geschlecht der Führungskraft und von der medialen Aufmerksamkeit ab. Die Ergebnisse der Analyse liefern neue Erkenntnisse für die Debatte über Diversität, nachhaltige Unternehmensführung und erfolgreiches Leadership.

Nachhaltigkeit als Bühne für Führungsperformance

Für die im «Journal of Management Studies» veröffentlichte Studie aus insgesamt sechs Untersuchungen kamen unterschiedliche Methoden zum Einsatz . Das Team analysierte rund 8'800 Beobachtungen von 1'392 börsenkotierten Unternehmen mit 1'778 CEOs über einen Zeitraum von 15 Jahren (2001–2015) hinweg. Die zwei HSG-Forscherinnen Jamie Gloor und Judith Walls arbeiteten zusammen mit Giannina Faktor (jetzt an der New Environmental School, Tel Aviv) und Sana Chiu von der University of Houston, USA. Ergänzt wurden die Analysen durch ein Experiment mit über 500 Führungskräften, Daten aus der Praxis sowie einem kontrollierten Experiment. 

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie narzisstische Persönlichkeitszüge von CEOs mit deren Geschlecht zusammenwirken. Und welchen Einfluss dies auf die ökologische Unternehmensperformance hat.

Die Forschenden zeigen: Erhalten Unternehmen für ihre Nachhaltigkeitsleistungen positive mediale Aufmerksamkeit, reagieren narzisstische männliche und weibliche CEOs unterschiedlich. Während männliche CEOs ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten unter diesen Bedingungen eher ausbauen, zeigt sich bei weiblichen CEOs mit vergleichbaren Persönlichkeitsmerkmalen der gegenteilige Effekt.

Warum beeinflusst nicht nur die Persönlichkeit die Führung?

Die Ursache liegt nicht in unterschiedlichen Führungsqualitäten oder -stilen. Vielmehr zeigt die Studie, dass gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterstereotype die Wahrnehmung von Führung prägen. Frauen in Spitzenpositionen erhalten für vergleichbare Leistungen häufig weniger Anerkennung oder werden kritischer beurteilt als Männer. Gerade Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitszügen reagieren besonders sensibel auf öffentliche Anerkennung. Häufig mit Folgen für strategische Entscheidungen.

«Für diese hochkarätigen Führungskräfte zeigen unsere Ergebnisse eindeutig, dass es nicht nur darauf ankommt, was man tut, sondern auch darauf, wer man ist – und zwar im Hinblick auf konkrete und entscheidende Unternehmensergebnisse wie beispielsweise ökologische Nachhaltigkeit», sagt Judith Walls, Professorin für Nachhaltigkeitsmanagement an der Universität St.Gallen. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass Führung nicht losgelöst vom sozialen Umfeld verstanden werden kann. Dieselbe Leistung wird je nach Geschlecht unterschiedlich wahrgenommen», ergänzt Jamie Gloor, Assistenzprofessorin des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität St.Gallen.

Wie schaffen Unternehmen faire Rahmenbedingungen für die Anerkennung von Umweltleistungen?

Die Ergebnisse sind für Unternehmen relevant, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen verbessern wollen. Da diese je nach Geschlecht und Narzissmus der CEOs variieren, sollten beide Faktoren bei Besetzungen berücksichtigt werden. Das heisst ausdrücklich nicht, narzisstische Männer zu bevorzugen – auch wenn sie bei positiver medialer Aufmerksamkeit stärkere Nachhaltigkeitsleistungen zeigen. Vielmehr erzielten weniger narzisstische Frauen die besten Ergebnisse: ein zusätzliches Argument, gezielt Frauen zu berufen, die sich womöglich authentischer für Nachhaltigkeit engagieren – jenseits der sonst meist rein finanziellen Begründung.
Auch Verwaltungsräte können ansetzen: etwa indem sie Nachhaltigkeit als Chance auf Prestige darstellen, verbunden mit passenden Anreizen und Kontrolle. Oder indem sie einen gemeinschaftlichen Fokus betonen, was die Nachhaltigkeitsleistungen narzisstischer CEOs beiderlei Geschlechts erhöhen könnte. Anstatt auf Aufmerksamkeit zu setzen. Denn diese befeuert eher den Narzissmus. 
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

•    Positive mediale Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeitsleistungen motiviert narzisstische männliche CEOs, das ökologische Engagement ihrer Unternehmen weiter auszubauen.
•    Bei narzisstischen weiblichen CEOs zeigt sich unter denselben Bedingungen der gegenteilige Effekt.
•    Unternehmen, die von weniger narzisstischen weiblichen CEOs geführt werden, erzielen die besten Nachhaltigkeitsleistungen.
•    Ursache sind unterschiedliche gesellschaftliche Erwartungen und Bewertungen von Frauen und Männern in Spitzenpositionen.
•    Persönlichkeit und Geschlecht wirken nicht unabhängig voneinander, sondern beeinflussen gemeinsam strategische Unternehmensentscheidungen.

Die Studie liefert damit einen neuen Blick auf die Umweltleistungen von Unternehmen. Sie zeigt, dass verantwortungsvolle Führung nicht allein von den Eigenschaften einer CEO oder eines CEOs abhängt, sondern ebenso von den gesellschaftlichen Erwartungen und Reaktionen, die ihr Handeln begleiten.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer Nachhaltigkeit fördern will, sollte nicht nur die richtigen Führungspersönlichkeiten auswählen und narzisstische Tendenzen kritisch prüfen. Sondern auch ein Umfeld schaffen, in dem das Engagement von Führungskräften geschlechtsunabhängig gleichermassen anerkannt wird.

Die Studie von Jamie Gloor, Judith Walls, Giannina Faktor und Sana Chiu erschien im Juni 2026 unter dem Titel «Chasing – Or Escaping – The Limelight of Sustainability Media Attention? Narcissism's Opposing Effects for Women and Men CEOs on Environmental Performance» im «Journal of Management Studies», eine renommierte Managementzeitschrift, die von der Financial Times als eine der führenden Publikationen ausgezeichnet und in Rankings von Business Schools berücksichtigt wird.
 

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