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Hintergrund - 01.07.2026 - 10:00 

Warum Führungskräfte in unsicheren Zeiten ihrer Intuition misstrauen sollten

Viele Führungskräfte verlassen sich auf ihre Intuition, weil sie damit über Jahre gute Entscheidungen getroffen haben. In Phasen von Unsicherheit kann eine solche Stärke zur Schwachstelle werden. Die Forschung zeigt, dass wir alle aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen auch in völlig neuen Situationen bekannte Muster zu erkennen glauben.
Warum Führungskräfte in unsicheren Zeiten ihrer Intuition misstrauen sollten
Raus aus der Entweder-oder-Falle: Prof. Claudio Feser zeigt, wie Top-Führungskräfte unbewusste Denkmuster sichtbar machen und durchbrechen.

Unsicherheit gehört zum Alltag im Senior Management und noch mehr im Verwaltungsrat: Geopolitische Entwicklungen belasten Lieferketten, technologische Wettbewerber verändern Geschäftsmodelle und interne Widerstände verzögern notwendige Transformationen. Und genau in solchen Situationen müssen Führungskräfte oft weitreichende Entscheidungen treffen.

Wie erfolgreiche Entscheiderinnen und Entscheider bei Unsicherheit vorgehen, zeigt der Ansatz der «Superdeciders», den Professor Claudio Feser im neusten Webinar «HSG Highlights Online» der Executive School der Universität St.Gallen (HSG) vorgestellt hat. 

Was passiert, wenn Führungskräfte unter Unsicherheit entscheiden müssen?

«Stellen Sie sich vor, Sie übernehmen die CEO-Rolle in einem international tätigen Unternehmen», sagt Claudio Feser. Die Situation: Neue Zölle bedrohen die Profitabilität, inflationäre Tendenzen dämpfen die Nachfrage und digitale Konkurrenten greifen Ihren Kernmarkt an. Gleichzeitig haben sie ein Problem in der Geschäftsleitung. Der intern angesehene Betriebsleiter (COO), der mehr als die Hälfte der Kosten verantwortet, scheint die Digitalisierungsprojekte zu verzögern. Welcher Entscheid ist hier richtig: 

a)    Trennen sie sich von ihm, setzen ein klares Signal, haben aber noch keinen Nachfolger? 
b)    Oder behalten Sie ihn, investieren in Coaching und riskieren weiteren Stillstand?

Unter starkem Druck würden wir in einem solchen Dilemma häufig auf evolutionär geprägte Muster zurückgreifen erklärt Claudio Feser: «Weil die Zeit knapp ist und Informationen fehlen, vereinfacht unser Gehirn zu stark.» Häufig blieben jeweils nur zwei gegensätzliche Optionen übrig: handeln oder abwarten, behalten oder entlassen, investieren oder sparen.
Dieses Phänomen wird als «Binary Bias» beschrieben. Im Alltag hilft es zwar, schnelle Entscheidungen zu treffen, bei strategischen Weichenstellungen kann genau das jedoch gefährlich werden, weil wichtige Optionen gar nicht erst erkannt werden. 

Wie hilft der Decision-Navigator bei strategischen Entscheidungen?

Als ehemaliger Senior Partner bei McKinsey kennt Claudio Feser diese Art der Entscheidungsfindung unter Unsicherheit aus der Praxis. Heute lehrt er Innovation und Leadership an der Executive School der Universität St.Gallen (HSG). Gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam hat Claudio Feser das Werkzeug «Decision-Navigator-Canvas» entwickelt. Das Instrument hilft Führungskräften und Management-Teams, schwierige Entscheidungen systematisch zu strukturieren.

Der entscheidende Schritt dabei: Eine Option wird nicht sofort als richtig oder falsch bewertet. Stattdessen werden Annahmen sichtbar gemacht. Bezogen auf das oben genannte Beispiel wären das: 
•    Warum glauben wir, dass eine Entlassung des COO die beste Lösung wäre? 
•    Welche Risiken übersehen wir? 
•    Welche Alternativen haben wir noch nicht geprüft?

So entsteht Distanz zur ersten Reaktion. Aus einem starren Entweder-oder wird ein breiteres Spektrum möglicher Handlungsoptionen. Im Beispiel könnte eine Lösung darin bestehen, den Verantwortungsbereich des COO mit einer starken neuen Digitalrolle zu ergänzen. «Sie könnten sich später immer noch vom COO trennen, das dann aber deutlich besser abgesichert. Bessere Entscheidungen entstehen, wenn Führungskräfte ihre Annahmen sichtbar machen, Alternativen prüfen und Unsicherheit systematisch bearbeiten», bilanziert Claudio Feser.

3 Take-aways für Entscheidungen unter Unsicherheit

1. Durchbrechen Sie das Entweder-oder
Wenn nur zwei Optionen sichtbar sind, ist der Entscheidungsraum meist zu eng. Entwickeln Sie bewusst weitere Handlungsoptionen, die Risiko, Tempo und Stabilität unterschiedlich kombinieren. Tun sie es im Team, das erweitert den Lösungsraum.

2. Behandeln Sie Überzeugungen als Hypothesen
Starke Meinungen sind kein Ersatz für belastbare Entscheidungsgrundlagen. Prüfen Sie Annahmen mit Fakten, Gegenargumenten und unterschiedlichen Perspektiven, bevor Sie weitreichende Massnahmen ergreifen.

3. Schützen Sie Ihre kognitiven Ressourcen
Dauerstress reduziert die Fähigkeit, komplexe Situationen differenziert zu beurteilen. Schlaf, Pausen und Bewegung sind deshalb keine Nebensache, sondern eine Voraussetzung für gute strategische Entscheidungen.

Sehen Sie sich jetzt das Webinar mit Claudio Feser an und erfahren Sie, wie Sie den Decision-Navigator in Ihrem Unternehmen anwenden.

Die Executive School der Universität St.Gallen (HSG) bündelt die Weiterbildung von mehr als 40 Universitätsinstituten und verbindet Spitzenforschung mit konkreter Unternehmenspraxis.
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