Campus - 17.06.2026 - 09:32
Jules Rutishauser war frustriert: Er recherchierte als HSG-Student und als Praktikant in Anwaltskanzleien, Beratungen und Gerichten Rechtstexte – und sagt: «Die juristische Recherche ist oft ineffizient und zeitaufwändig. Man muss dabei auf unterschiedliche und teils veraltete Webseiten und Datenbanken zugreifen.»
Tatsächlich arbeiten Jurist:innen täglich mit einer Vielzahl von Dokumenten gleichzeitig: externe Quellen wie Gerichtsentscheide, Fachliteratur und amtliche Publikationen auf der einen Seite, interne Unterlagen wie vergangene Fälle und Mandantenakten auf der anderen.
Rutishauser begann darum Ende 2024, eine KI-gestützte Suchmaschine für Gerichtsentscheide und juristische Quellen aufzubauen. Diese griff zu Beginn automatisiert auf rund 700'000 Gerichtsentscheide zu. Mit im Team seines Startups Lexplorer sind bis heute sein Bruder Yves – Data Scientist und KI-Experte – sowie sein Freund Noah Chavannes, ebenfalls Experte im Bereich künstliche Intelligenz. Schnell entwickelte sich die Plattform zu einer Recherchelösung für öffentlich zugängliche Inhalte: Bundesrecht, kantonale Entscheide, Gesetze, Amtliche Publikationen.
Den nächsten entscheidenden Schritt brachte die Zusammenarbeit mit HSG-Rechtsprofessor Peter Hongler und seinem Institut für Law and Economics (ILE-HSG): Durch die exklusive Integration der ILE-Fachzeitschrift «Forum für Steuerrecht» wurde Lexplorer zu einem spezialisierten Anbieter in der Steuerrechtsbranche.
«Ich kannte Peter Hongler aus meinem HSG-Studiengang Law and Economics und habe ihm meine Idee vorgestellt. Er war sehr offen dafür. Der Zusammenarbeit mit dem ILE-HSG haben wir viel zu verdanken», sagt Rutishauser.
Die Grosskanzlei Lenz&Staehelin sponserte zudem den kostenlosen Zugriff aller HSG-Studierenden auf Lexplorer. So ist das Startup an der HSG heute gut verankert.
Seither hat sich Lexplorer zu einer Rundum-Arbeitsplattform für Juristinnen und Juristen weiterentwickelt. Neben der externen Recherche können Kunden heute auch eigene Dokumente – interne Fallakten, Mandantenunterlagen, Vorlagen – in die Plattform einspeisen und per KI durchsuchen. «Datensicherheit steht bei uns an oberster Stelle – gerade in der Zusammenarbeit mit Anwältinnen und Anwälten ist das die erste Frage, die kommt», sagt Rutishauser. «Wir halten darum die höchsten Standards ein: bei der Verarbeitung, der Speicherung, der Datenresidenz – und selbstverständlich wird die KI nicht mit Kundendaten trainiert.» Mittlerweile nutzen rund 2000 Personen Lexplorer, darunter mehrere Schweizer Grosskanzleien.
Aus den Erfahrungen im Startup kristallisierte sich dabei eine allgemeine Unsicherheit in der Branche heraus: Was gilt wann als sicherer KI-Einsatz für Juristinnen und Juristen? Aus diesem Dilemma entstand auch die Masterarbeit, die Jules Rutishauser derzeit an der HSG in seinem Studiengang Law and Economics verfasst. «Mein Ziel ist eine praxisnahe Vorlage, wie Anwältinnen und Anwälte KI rechtssicher einsetzen können», sagt er.
Doch wie geht Lexplorer mit Ungenauigkeiten um, die KIs produzieren? «Jede Aussage der KI wird direkt einer Quelle zugeordnet und belegt», erklärt Rutishauser. «Zur Vermeidung von Halluzinationen werden die einzelnen Aussagen gegengeprüft und verifiziert – und mit einem Score ausgezeichnet, sodass der Nutzer sofort erkennt, wenn ein Halluzinationsrisiko besteht.» Gerade in einem Berufsfeld, das auf Präzision angewiesen ist, sei das ein zentrales Anliegen.
Mit dem rasanten Fortschritt der KI-Technologie geht Lexplorer bewusst mit: Über MCP- und API-Konnektoren können Kunden ihre juristischen Daten direkt in anderen KI-Modellen nutzen – und könne so auch in ihren gewohnten Tools arbeiten. Dabei ist es Lexplorer ein zentrales Anliegen, nicht nur Grosskanzleien den Zugang zu modernster KI zu ermöglichen: «Auch kleinere Kanzleien, die weder die Ressourcen noch das Know-how für eigene KI-Lösungen haben, sollen davon profitieren», sagt Rutishauser. – weshalb Lexplorer auch Beratung in diesem Bereich anbietet.
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