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Forschung - 30.08.2021 - 00:00

Corona-Pandemie verändert Essverhalten

Wie ernähren sich Deutsche, Österreicher und Schweizer? Welche Motive steuern unser Essverhalten? Wie hat die Corona-Pandemie unser Ernährungsverhalten verändert? Diese Fragen haben Prof. Dr. Thomas Rudolph, Matthias Eggenschwiler und Nora Kralle vom Forschungszentrum für Handelsmanagement (IRM-HSG) an der Universität St.Gallen untersucht.

 

30. August 2021. Befragt wurden über 3000 Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bereits zum sechsten Mal (nach 2003, 2005, 2008, 2014 und 2019) hat das Forschungszentrum für Handelsmanagement Konsumenten zu ihrem Ess- und Verzehrverhalten befragt. Die Befragung wurde Mitte Juni 2021 durchgeführt, als im DACH-Raum der gesamte Einzelhandel und die Gastronomie wieder geöffnet hatten und bereits über ein Jahr seit dem ersten Lockdown vergangen war.
 

Wie die Untersuchung der HSG-Forschenden zeigt, ist die Ernährung für rund 85% der befragten Konsumenten wichtig. Jedoch ist jeder vierte Schweizer mit seiner Ernährungsweise unzufrieden. Die gestiegene Unzufriedenheit hängt mit dem steigenden Körpergewicht zusammen. Während Corona haben die Schweizerinnen und Schweizer 3,3 Kilogramm zugenommen. Die Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen hat im Vergleich zu 2019 sogar 6,7 Kilogramm zugenommen.

Fehlende Disziplin und drohender Einkommensverlust als Hauptgründe

In allen drei Ländern fehlt den Konsumenten erstens vor allem die Disziplin für eine bessere Ernährung. In der Pandemie mussten Konsumenten beim Essen zweitens verstärkt auf das Geld achten: Mehr als ein Viertel der Befragten (2019 waren es noch 16%) geben an, dass ihnen das nötige Geld für eine gesündere Ernährung fehlt. Während vor der Pandemie 31% Konsumenten die Zeit für eine gesunde Ernährung fehlte, ist dies heute nur noch für knapp ein Viertel ein Hindernis.

Homeoffice verändert Essgewohnheiten

Das Homeoffice und sein rascher Aufstieg hat grosse Auswirkungen auf das Ess- Verzehrverhalten. Zuhause essen Konsumenten häufiger, snacken regelmässiger und kochen häufiger selbst. Da Homeoffice fester Bestandteil vieler Bürojobs bleiben wird, sind diese Auswirkungen als langfristig einzustufen. Die Lebensmittelbranche muss Sortimente und Dienstleistungen überarbeiten. Homeoffice wirkt sich besonders stark auf die Gastronomie aus. Während der Besuch von Restaurants am Abend sich schnell normalisierte, leiden diese am Mittag. Nur noch 15% konsumieren ihr Mittagessen mindestens einmal pro Woche in Restaurants (2019 waren das 32%). Lediglich 11% noch in der Mensa/Kantine (2019 waren das 43%).

Diäten gewinnen wesentlich an Beliebtheit

57% aller Schweizer Konsumenten ernähren sich strikt nach einer oder mehreren Diäten. 2019 waren es noch ca. ein Drittel. Besonders im Trend sind vegetarische und vegane Ernährungsformen. Vegetarier verzichten bei ihrer Ernährung auf alle Lebensmittel, die von toten Tieren stammen, wie Fleisch und Fisch, sowie alle daraus gewonnen Produkte. Veganer meiden sämtliche tierische Produkte, so zum Beispiel auch Honig. 12% aller Konsumenten im DACH-Raum ernähren sich strikt vegetarisch, 5% davon sogar strikt vegan. Bezogen auf die 101.3 Millionen Einwohner in Deutschland, Österreich und der Schweiz, entspricht dies rund 12 Millionen vegetarisch lebenden Personen. Davon ernähren sich 5 Millionen vegan. Die Generation Z verzichtet überproportional häufig auf Fleisch und Fisch: 20% der 16- bis 24-Jährigen ernähren sich vegetarisch, 7% davon vegan. Bei den über 65-Jährigen ernähren sich lediglich 6% vegetarisch und davon 2% vegan.

Regionale Lebensmittel sind gefragt

Deutsche, Österreicher und Schweizer schätzen regionale Lebensmittel wesentlich stärker als vor der Pandemie. In Pandemiezeiten sind regionale Produkte besonders beliebt. Produkte aus der Region werden aufgrund der örtlichen Nähe zum Hersteller über alle Eigenschaften hinweg deutlich besser bewertet als 2014. So ist beispielsweise der Anteil derjenigen Konsumenten, die den Geschmack regionaler Produkte besser wahrnehmen als den Geschmack ausländischer Produkte, in der Schweiz von 50 (2014) auf 73 % angestiegen. In Krisenzeiten hängt diese Rückbesinnung auf lokale und regionale Produkte in erster Linie mit dem Wunsch zusammen, Vertrauen und Sicherheit zurück zu gewinnen.
 

Bild: Adobe Stock / korchemkin

 

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