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Campus - 23.01.2023 - 11:10

Startup von HSG-Absolventin fördert Kreislaufwirtschaft

Das Startup Loopia hat eine App entwickelt, die dazu beitragen soll, dass Produkte länger genutzt werden. Co-Gründerin und HSG-Absolventin Cristiana Grossenbacher spricht von einer «Mission», die das junge Unternehmen antreibe.

Rund 10'000 Objekte besitzt ein durchschnittlicher Haushalt in Europa, in den USA sind es laut einer Studie des Anthropologen Anthony Graesch rund drei Mal so viele. Das führe unter anderem dazu, so sagt Graesch in einem SRF-Interview, dass «Berge von Dingen» in Garagen oder Kellern vergessen gehen, kaputtgehen und nie repariert werden oder veralten. Das Schweizer Startup Loopia hat im Frühling 2022 eine App lanciert, die im Umgang mit diesem Überfluss helfen soll: Nutzende können ihre Besitztümer auf der App erfassen. Diese vernetzt die Güter dann mit Verkaufs- oder Sharingplattformen, Garantieleistungen oder Reparaturanleitungen. 

«Auch wir haben gemerkt, dass wir zwar in einem Überfluss von Besitztümern leben, aber niemand von uns wirklich Zeit dafür hat, Dinge zu verkaufen, wegzugeben oder zu reparieren», sagt Cristiana Grossenbacher, eine von vier Loopia-Mitgründer:innen und HSG-Absolventin. «Unser Anspruch ist, dass Menschen mit der App an einem einzigen Ort ihre Produkte sinnvoll verwalten können – mit dem Resultat, dass diese Produkte deutlich länger genutzt werden.» 

So will das Startup laut seiner Webseite dazu beitragen, die «Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft» zu transformieren – das 2020 gegründete Unternehmen schreibt von einer «Mission». Diese betont auch Grossenbacher: «Natürlich wollen wir ein rentables Unternehmen sein, aber wichtig ist uns, dass wir keine neuen Produkte verkaufen - sondern Dienstleistungen rund um Produkte, die bereits jemandem gehören, anbieten.» 

App macht Umweltfolgen bewusst

Bislang konzentriert sich Loopia vor allem auf Elektrogeräte, «denn deren Produktion und Entsorgung beansprucht viele natürliche Ressourcen», sagt Grossenbacher. Die Produktdatenbank der App umfasst heute über eine Million Gegenstände und wird laufend erweitert, auch Sportgeräte oder Spielzeug können dort automatisiert erfasst werden. 

Ist ein Produkt noch nicht in der Datenbank, können Nutzende dieses manuell erfassen. Unterlagen wie Kaufbelege und Garantiescheine kann man ebenfalls abspeichern. «Denkbar ist auch, dass die App zukünftig die Nutzenden daran erinnert, dass eine Garantie bald abläuft – oder regelmässig nachfragt, ob sie ein gewisses Produkt noch brauchen», sagt Grossenbacher. Das seien aber erst Ideen im Entwicklungsstadium. 

Aktuell zeigt die App bereits Reparaturdienste in der Nähe der Nutzenden an oder verlinkt Reparaturanleitungen. Nach und nach soll die App die Nutzenden mit Verkaufs-, Verleih- oder Spendenplattformen verknüpfen und Recyclingmöglichkeiten aufzeigen. Zudem sehen Nutzende auf einen Blick, was ihre Produktekollektion wert ist und welchen CO2-Fussabdruck dieses verursacht. «Wir konsumieren oft unbewusst. Wer den Preis eines Produktes und dessen Einfluss auf die Umwelt kennt, wird eher dazu motiviert, dieses zu verkaufen oder zu reparieren, statt neue Produkte anzuschaffen», sagt Grossenbacher. 

HSG vernetzt Gründerinnen und Gründer

Für die Nutzenden ist die App kostenlos, profitabel sollen das Startup Partnerschaften mit Handel- und Serviceunternehmen machen. So arbeitet Loopia mit der Schweizer Mietplattform Sharely, mit dem Schweizer Elektronikhändler Steg, dem Upcycling-Startup Revendo – das gebrauchte Elektronikgeräte weiterverkauft – oder der Basler Versicherung zusammen, weitere sollen folgen. 

Bei Loopia als jungem Startup mit neun Mitarbeitenden ist viel in Bewegung: Für 2023 ist eine neue Finanzierungsrunde geplant, Hauptunterstützer ist bislang der Pionierfonds der Migros. Und im Januar soll die App auch für Android-Geräte erhältlich sein. «Wir wollten die Entwicklungsarbeit, die viel auch aus Ausprobieren bestand, auf eine Plattform konzentrieren», sagt Grossenbacher dazu.

Mut zu unternehmerischen Experimenten sei ihr auch an der HSG vermittelt worden, sagt Grossenbacher. «In meinem Studium war die Option, ein Startup zu gründen, sehr präsent», sagt die 29-Jährige, die einen Master in Business Innovation absolviert hat.

Zudem sei die HSG ein guter Ort, um sich mit anderen potentiellen Gründer:innen zu vernetzen. So hätten auch Bekannte aus ihrer Studienzeit eigene Unternehmen gegründet oder würden aktuell bei Startups arbeiten. «Dieses Netzwerk ist hilfreich, um sich zu geschäftlichen Herausforderungen auszutauschen, die für Startups oft ähnlich sind.»

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