close

Campus - 28.10.2026 - 09:00 

HSG-Studierende unterstützen Unternehmerinnen und Schülerinnen in Tansania

Vier HSG-Studierende haben im Sommer 2026 zwei Projekte in Tansania umgesetzt. Nach vier Wochen vor Ort ziehen sie Bilanz: 20 Unternehmerinnen erhielten gezielte Unterstützung für ihre Geschäfte, 1'000 Schülerinnen wiederverwendbare Menstruationsprodukte.
Die vier HSG-Studierenden Henri Pinar, Nicolas Greiner, Cinzia Bertea und Viola Suter (von links nach rechts) haben in Tansania ein Hilfsprojekt umgesetzt.

Im Juli und Anfang August 2026 arbeiteten die HSG-Studierenden Cinzia Bertea, Nicolas Greiner, Viola Suter und Henri Pinar gemeinsam mit der lokalen Organisation Clear Vision for Change (CIVISCE) in Kigoma in Tansania. Die Stadt liegt am Tanganjikasee in der ostafrikanischen Great-Lakes-Region, in unmittelbarer Nähe zu Burundi und der Demokratischen Republik Kongo. Grenzüberschreitender Handel und Fluchtbewegungen prägen die Region, die zu den wirtschaftlich schwächsten Tansanias zählt. Laut Schätzungen leben dort rund zwei Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Die Idee zu WAVE – Women in Africa Venturing Education – entstand Ende 2025. Cinzia Bertea und Nicolas Greiner hatten sich bei einem Freiwilligeneinsatz in der Mongolei kennengelernt und beschlossen, diesmal ein Projekt selbst zu entwickeln: von der Partnersuche und Finanzierung bis zur Umsetzung. Mit Viola Suter und Henri Pinar wuchs das Team auf vier HSG-Studierende. Für die beiden Programme sammelten sie rund 6'700 Franken. «Wir führten dafür knapp 100 Gespräche, viele davon innerhalb des HSG-Netzwerks», schreiben die Studierenden in ihrem inzwischen veröffentlichten Abschlussbericht. Die Reise- und Aufenthaltskosten finanzierten sie selbst.

Zwei Programme für Frauen und Mädchen

WAVE sollte Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen erreichen. «She Builds» richtet sich an Erwachsene, die bereits ein kleines Unternehmen führen und dieses weiterentwickeln möchten. «Pad Power» unterstützt Schülerinnen, für die fehlende Menstruationsprodukte den Schulbesuch erschweren können. Gemeinsam mit CIVISCE entwickelte das Team zwei Programme, die auf vorhandenen lokalen Strukturen aufbauen und konkrete Bedürfnisse adressieren.

She Builds: Lösungen, die vor Ort funktionieren

Bei «She Builds» begleiteten die Studierenden 20 Unternehmerinnen aus dem Fischhandel, der Seifenherstellung, der Geflügelzucht und der Herstellung bestickter Bettwäsche. Zunächst verbrachten sie eine Woche in deren Betrieben, um Abläufe und Engpässe kennenzulernen. Anschliessend folgte ein fünftägiger Workshop zu Preisgestaltung, Buchführung, Kostenrechnung, Beschaffung und Kundenmanagement, bei dem die Frauen mit ihren eigenen Geschäftszahlen und einem eigens entwickelten Arbeitsbuch arbeiteten.

Welche Materialien sinnvoll waren, entschied das WAVE-Team erst nach diesen Einblicken. Wie wichtig dabei die lokalen Bedingungen waren, zeigte sich beim Fischhandel: Für die Verkäuferinnen zählen Eis und dessen Transport zu den grössten laufenden Kosten. Jede Frau mit einem eigenen Gefriergerät auszustatten, wäre jedoch wenig praktikabel gewesen – unter anderem, weil nicht alle zu Hause über eine verlässliche Stromversorgung verfügen.

Stattdessen wurden drei Gefriergeräte an einem zentralen, von Sicherheitspersonal bewachten Standort mit Stromanschluss in der Nähe des Marktes aufgestellt. Die Frauen können sie gemeinschaftlich gegen einen monatlichen Beitrag nutzen, der die Betriebskosten deckt und unter ihren bisherigen Ausgaben für Eis und Kühlung liegt. Acht Fischverkäuferinnen erhielten zudem isolierte Kühlboxen. Auch in den anderen drei Geschäftsbereichen wurden gezielt Maschinen und Materialien angeschafft.

Pad Power: Menstruationsgesundheit und Schulbesuch

Mit «Pad Power» wandte sich das Team an eine jüngere Zielgruppe. In Tansania berichten rund 17 Prozent der Schülerinnen, aus Gründen im Zusammenhang mit ihrer Menstruation Unterricht zu verpassen. WAVE wollte eine der damit verbundenen Hürden verringern: den fehlenden Zugang zu geeigneten Menstruationsprodukten.

An vier Sekundarschulen in Kigoma verteilten die Studierenden gemeinsam mit CIVISCE 1'000 Packungen wiederverwendbarer Menstruationsbinden sowie Unterwäsche. Bei sachgemässer Pflege können die Produkte bis zu 18 Monate genutzt werden. Begleitend fanden Aufklärungsveranstaltungen zu Menstruationsgesundheit, Hygiene und der Verwendung der Produkte statt. Zusätzlich hinterliess das WAVE-Team Notfallbestände an den Schulen. Ob sich dadurch langfristig Fehlzeiten reduzieren lassen, soll die weitere Nachbetreuung zeigen.

Wie es nach dem Aufenthalt weitergeht

Auch nach der Abreise des HSG-Teams bleibt CIVISCE vor Ort für die Betreuung der Unternehmerinnen, die Nutzung und Wartung der neu angeschafften Geräte sowie die Begleitung der Schulen verantwortlich. Vereinbarungen legen Zuständigkeiten und die gemeinschaftliche Nutzung der grösseren Anschaffungen fest. In den kommenden Monaten soll überprüft werden, ob sich betriebliche Abläufe und Kosten tatsächlich verbessern und wie die Menstruationsprodukte genutzt werden.

«Wir sind derzeit zudem im Austausch mit verschiedenen Organisationen, die die Projekte übernehmen könnten», so das WAVE-Team. Ob künftig ein neues studentisches Team der HSG, eine etablierte Organisation oder CIVISCE zusätzliche Projektdurchläufe trägt, ist derzeit noch offen.

north