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Campus - 04.11.2026 - 09:30 

HSG-Startup Qontext entwickelt ein Gedächtnis für KI-Agenten

KI-Agenten können komplexe Aufgaben übernehmen. Doch dafür müssen sie auf das richtige Wissen zugreifen können. Das Startup Qontext von HSG-Absolvent Lorenz Hieber entwickelt eine Plattform, die Unternehmenswissen bündelt und für KI-Anwendungen zugänglich macht. Das Startup hat ein rasantes erstes Jahr hinter sich – inklusive erstem Investment und einem gewachsenen Team.
Das Team des Startups Qontext mit HSG-Absolvent Lorenz Hieber (ganz links).

«Für unser Startup gehört KI seit Beginn zum Kern unserer Arbeit. Wenn wir aber ein wichtiges Problem lösen wollen, arbeiten wir oft zuerst analog», sagt Lorenz Hieber. Sein Startup Qontext entwickelt eine Plattform, über die KI-Agenten auf Unternehmenswissen zugreifen können; eine Art digitales Gedächtnis, das bestehendes Wissen aufbereitet, verknüpft und laufend erweitert.  

Dieses Gedächtnis, oder eben der Kontext, sei entscheidend für die Qualität der Arbeit, die KI-Agenten leisten, sagt Hieber. Auch Qontext selbst wird mithilfe von KI-Agenten programmiert. Die Grundlage dafür erarbeitet das 13-köpfige Team, zu dem mehrheitlich IT-Entwickler gehören. «Am Anfang stehen immer die Probleme unserer Kunden, unsere Ideen und detaillierte Anweisungen.» Diese setzen die KI-Agenten dann in Code um. «Wir schreiben selbst keine Zeile Programmcode, testen und evaluieren aber alles ausführlich», sagt Hieber. 

Erstes Investment nach wenigen Monaten und zurück an der HSG 

Qontext hat ein rasantes Jahr hinter sich: Ende 2025 gründeten HSG-Absolvent Hieber und sein Studienfreund Nikita Kowalski das Unternehmen. Einige Monate später erhielten sie ihr erstes Investment von über 2 Mio. Franken von HV Capital aus München und Zero Prime Ventures aus San Francisco sowie von mehreren Gründern von hoch bewerteten KI-Startups. Damit bauten die beiden Gründer in Berlin ihr Team auf. Mittlerweile setzen mehrere Unternehmen im Alltag bereits auf Qontext, viele davon sind im KI-, Automatisierungs- und Softwarebereich tätig.  

Mitte Oktober 2026 kehrte Hieber an die HSG zurück und erzählte in einer Entrepreneurship-Vorlesung von HSG-Professor Thomas Zellweger den Studierenden von seinen Erfahrungen. «Ich erinnere mich noch sehr gut daran, was mir den Start als Unternehmer schwer gemacht hat und wie sehr es mir geholfen hat, ehrliche Rückmeldungen von Gründern zu hören, die schon ein paar Schritte weiter waren», sagt Hieber, der die Vorlesung einst selbst als Student besucht hat. Am HSG-Studium habe er besonders das Umfeld ambitionierter Studierender und Forschender geschätzt. Zudem habe er an der HSG in Praxisprojekten wertvolle Erfahrungen in der Teamarbeit gesammelt. 

«Das Unternehmenswissen macht den Unterschied» 

Qontext ist in einem spannenden Moment in den Markt eingetreten: KI-Agenten, die autonom komplexe Arbeiten ausführen können, gelten als nächster Schritt in der KI-Anwendung für Unternehmen. Ihr Einsatz wirft allerdings Fragen auf: Wie stellen Unternehmen sicher, dass die Agenten auf relevantes Wissen zugreifen, interne Vorgaben berücksichtigen und keine unzulässigen Aktionen ausführen? 

Hier setzt Qontext an. Die Plattform soll Unternehmenswissen strukturieren und KI-Agenten zugänglich machen. Dazu gehören beispielsweise Inhalte aus Verträgen, Produktdokumentationen, dem Kundenservice oder Meetings. Unternehmen können ihre bestehenden Werkzeuge – darunter gängige Sprachmodelle und KI-Anwendungen – mit der Datenbank verbinden und festlegen, wie das Wissen strukturiert wird. 

Die Datenbank soll sich regelmässig mit den angebundenen Quellen abgleichen, neue Informationen aufnehmen und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Wissensbereichen herstellen. Zudem können Unternehmen festlegen, auf welche Wissensbereiche einzelne KI-Agenten überhaupt zugreifen dürfen.  

Für Hieber liegt im Wissen und dessen Strukturierung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. «Alle nutzen die gleichen KI-Tools – aber das Wissen, mit dem die KI arbeiten kann, macht den Unterschied.» 

Votum für den Tech-Standort Europa 

Hieber macht sich auf Linkedin auch immer wieder stark für Europa als Standort für Technologie. «Wir müssen unsere technologische Souveränität unbedingt stärken.» Gerade bei der Entwicklung von LLMs könne Europa nur teilweise mithalten. Und auch in Sachen Rechenleistung hinke der Kontinent hinterher. Qontext hostet seine Daten und die Infrastruktur in Europa.  

Nun will das Startup weiter wachsen – doch das letzte Jahr hat Hieber auch gezeigt, dass er und das Team vor allem flexibel sein müssen. «Natürlich haben wir eine Vision für die nächsten Jahre, aber konkret planen wir nur etwa zwei bis drei Monate voraus.» Der Umbruch im Bereich KI sei einfach zu rasant und kaum vorhersehbar. 

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