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Campus - 05.11.2026 - 09:00 

HSG-Startup fortyfour filtert CO₂ aus der Luft

Das Startup fortyfour von HSG-Absolvent Henry Müller entnimmt der Luft CO₂. Das Gas fördert das Wachstum von Gemüse. Nun hat fortyfour seine erste Anlage beim Schweizer Grossproduzenten Meier Gemüse in Betrieb genommen. Fortyfour wurde von der HSG intensiv gefördert.
Pedro Reina und Henry Müller (von links) vom Startup Fortyfour. Im Container ist die erste Anlage des Startups, die CO2 aus der Umgebungsluft filtert.

Das Climate-Tech-Startup fortyfour von HSG-Absolvent Henry Müller hat bei der Schweizer Gemüseproduzentin Meier Gemüse in der Nähe von Brugg (AG) seine erste Direct-Air-Capture-Anlage in Betrieb genommen. Seit September 2026 produziert die Anlage vor Ort CO₂ direkt aus der Luft und leitet es ins Gewächshaus, wo es das Wachstum des Gemüses fördert. Es ist die erste Anlage von fortyfour, die bei einem kommerziellen Produzenten läuft. 

CO₂ vor Ort statt aus Erdgas

Die Anlage ersetzt damit CO₂, das üblicherweise aus Erdgas hergestellt und per Lastwagen angeliefert wird. «Produzenten brauchen jeden einzelnen Tag CO₂, haben aber kaum Einfluss darauf, woher es kommt. Das wollen wir ändern – mit einer Anlage, die es direkt neben dem Gewächshaus herstellt, direkt aus der Natur. Wir sind Meier Gemüse sehr dankbar für das Vertrauen in unsere erste Anlage», sagt Dr. Henry Müller, CEO und Mitgründer von fortyfour. 

Fortyfour nahm an Startup-Förderprogramm der HSG teil

Müller hat an der HSG doktoriert. Mit fortyfour gehörte er zu den ersten Teilnehmern des Entrepreneurial Champions Programme (ECP) von HSG Entrepreneurship. Dieses fördert technologiegetriebene Startups von HSG-Angehörigen während eines Jahres mit insgesamt 100'000 Franken sowie Coaching, Beratung und Netzwerkzugang. «Ich bin dankbar, dass ich mich dadurch ganz dem Startup widmen konnte», sagt Müller. 

«Als forschungslastiges Startup ist fortyfour auf Förderung angewiesen, weil der Weg zur Kommerzialisierung noch weit ist. Ich konnte während des ECP noch ein Vielfaches mehr an Mitteln einwerben, was ohne die Förderung eine grössere Kraftanstrengung gewesen wäre.»

Auch sonst konnte Müller profitieren, wie er erzählt: «Die Technologie muss zwar entwickelt werden, aber ein Startup lebt in den ersten Jahren vor allem von der Vision, der Geldbeschaffung und der Kundennähe für die Marktvalidierung. Genau das lernt man an der HSG, und genau das hat uns bis zur ersten Anlage beim Gemüseproduzenten gebracht.»

Fortyfour-Anwendung zum Patent angemeldet

Müller gründete das Startup mit Sitz in St.Gallen 2025 gemeinsam mit Pedro Reina, Absolvent der Hochschule Luzern. Seither arbeiteten die beiden intensiv an der Entwicklung der Technologie und des Unternehmens. Unterstützt wird das junge Unternehmen zudem vom Bundesamt für Energie.

Die Anlagen von fortyfour entnehmen das CO₂ der Luft rund um das Gewächshaus. Im Inneren bindet ein spezielles flüssiges Lösungsmittel das CO₂ aus der Luft. Wird das Lösungsmittel sanft erwärmt, gibt es das CO₂ wieder ab, das anschliessend in die bestehenden CO₂-Leitungen des Gewächshauses strömt. Da dies bei niedrigen Temperaturen funktioniert, kann die Anlage vollständig mit Strom betrieben werden – oder alternativ mit Abwärme, die vor Ort bereits vorhanden ist. Weil sie mit einer Flüssigkeit arbeitet, ist die Anlage sehr kompakt und benötigt im Vergleich zu anderen, früher erprobten Direct-Air-Capture-Ansätzen nur wenige Quadratmeter. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet. 

«Für die meisten Produzenten ist CO₂ ein zugeliefertes Gut, auf das sie kaum Einfluss haben», erklärt Müller. Der Grossteil dieses CO₂ fällt als Nebenprodukt in Düngemittelwerken an, die mit Erdgas betrieben werden: Dort wird es abgeschieden, verflüssigt und per Lastwagen zum Produzenten gebracht. Drosseln diese Werke ihre Produktion oder stehen sie still, können Lieferungen kurzfristig ausfallen – Ersatz ist schwer zu finden und teuer. Hinzu kommt, dass die Preise für fossiles CO₂ wegen höherer Besteuerung stetig steigen, während grosse Detailhändler zusätzlich auf eine Dekarbonisierung drängen. 

Nach diesem ersten Einsatz sucht fortyfour weitere Pilotpartner unter Betreibern von Gewächshäusern und Indoor-Farmen, um die Technologie unter verschiedenen Klimabedingungen, Kulturen und Gegebenheiten zu testen.

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