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Campus - 24.03.2023 - 16:24 

HSG-Gründerin des Jahres 2023 Melanie Gabriel im Interview

Unternehmerin Melanie Gabriel wurde am diesjährigen START Summit mit ihrem Unternehmen Yokoy zur «HSG-Gründerin des Jahres 2023» gekürt. Im Interview erzählt sie, wie ihr damaliges Studium an der HSG heute zu ihrem Erfolg beiträgt, von Herausforderungen beim Gründen im Fintech-Bereich und dass trotz Zweifel von Aussenstehenden Grosses erreicht werden kann. Interview: Anna Kati Schreiter

Anna Kati Schreiter: Liebe Melanie, du wurdest heute mit deinem Unternehmen Yokoy als HSG-Gründerin des Jahres ausgezeichnet, herzlichen Glückwunsch! Magst du kurz erläutern, was Yokoy macht und woher der Name kommt? 

Melanie Gabriel: Yokoy ist ein Schweizer Fintech-Unternehmen, das eine KI-basierte Ausgabenmanagement-Lösung für mittlere und grössere Unternehmen anbietet. Wir verbinden das Spesenmanagement, die Eingangsrechnung-Prozessierung und die Verwaltung von intelligenten Firmenkarten auf einer Plattform und automatisieren das Ganze mithilfe von künstlicher Intelligenz. Den Namen Yokoy haben wir selber erfunden. Wir wollten einen Namen finden, dem wir Bedeutung geben können, um eine eigene, grosse Brand zu schaffen. 


Du selbst hast im Master Unternehmensführung an der Universität St.Gallen (HSG) studiert. Nun bist du CMO bzw. Marketing-Verantwortliche bei Yokoy, einem Fintech-Unternehmen – wie passt das alles zusammen? 

Während meines Studiums habe ich bereits bei einem B2B-Tech-Unternehmen gearbeitet und dort das Marketing aufgebaut. An der Uni hatte ich die Möglichkeit, die Theorie zur Unternehmensführung zu lernen und diese gleichzeitig in dem Tech-Start-up anzuwenden. Somit war ich mit dem Masterabschluss an der HSG für die Gründung von Yokoy gut gewappnet. 


Inwiefern hat das Studium an der HSG dazu beigetragen, dass du heute karrieretechnisch genau dort stehst, wo du gerade bist? 

An der HSG konnte ich ein Netzwerk aufbauen und ganz viele tolle Menschen kennenlernen, die mir in verschiedensten Situationen gute Sparringspartner waren und immer noch sind. Mittlerweile sind auch viele HSG-ler:innen unter unseren Yokoylini – unsere Mitarbeitenden. 


Hat euch auf dem Weg zum Erfolg einmal jemand geraten, eure Idee nicht mehr zu verfolgen? Wie habt ihr reagiert? 

Ich glaube, jede Person, die etwas Verrücktes und Neues machen und unbewanderte Wege einschlagen möchte, kommt irgendwann einmal an einen Punkt, an dem einem jemand rät, Ideen und Ziele nicht weiterzuverfolgen. Als wir unsere Idee zum ersten mal Investoren vorstellten, um Geld aufzunehmen, wurde uns gesagt, dass das Problem, welches wir mit unserem SaaS Business lösen wollten, schon gelöst und wir zu spät am Markt seien. Wir waren aber überzeugt, dass das Problem noch nicht gelöst ist und wir mit unserer Idee ein globales Marktpotenzial haben. Wir kannten einige CFOs, die Interesse an unserem Produkt hatten und auch bereit waren, Geld dafür zu bezahlen. So hatten wir letztendlich erst die Kunden und konnten dann die Investoren von Yokoy überzeugen. Mittlerweile sind wir mit 500 globalen Kunden auf jedem Kontinent vertreten. 


Welchen Herausforderungen stehen Start-ups im Tech-Bereich gegenüber? 

Das ist je nach Start-up wieder unterschiedlich. Was gerade für High-Tech Startups oft herausfordernd ist, ist den richtigen Produkt-Market-Fit zu finden. Man investiert viel Zeit in die Entwicklung eines Produktes und daher ist es umso wichtiger, dass dieses Produkt auch wirklich ein Marktbedürfnis abdeckt und zahlende Abnehmer findet. 


Yokoy ist nicht das erste Unternehmen, an dessen Gründung du beteiligt warst. 2012 hast du mit zwei Freundinnen die Modeplattform Armoire Au Revoir gegründet. Was ist aus der Online-Tauschbörse geworden und was konntest du aus der damaligen Gründungszeit mitnehmen, was heute zum Erfolg von Yokoy beiträgt? 

Es war eine super Erfahrung und hat uns auf den Geschmack gebracht, erneut etwas noch Grösseres auf die Beine zu stellen. Damals waren Plattformen wie Instagram noch in den Kinderschuhen. Für das Marketing mussten wir deshalb sehr kreativ und innovativ sein, um über 2000 deutsch- und französischsprachige User auf die Plattform zu bekommen. Diese Herausforderung hat uns in vielen Bereichen weitergebracht. 


Euer Unternehmen arbeitet mit künstlicher Intelligenz. Wie siehst du die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt in den kommenden Jahren und welche Massnahmen müssen deiner Meinung nach ergriffen werden, um sicherzustellen, dass die Technologie Arbeitskräfte nicht ersetzt, sondern unterstützt?
 

Unsere KI soll Finanz-Teams unterstützen und diesen einen Mehrwert bieten, indem manuelle Arbeiten abgenommen und automatisiert werden, damit sie die dadurch gewonnene Zeit für jene Dinge verwenden können, die wirklichen Mehrwert generieren. Die Frage der Auswirkungen, gerade wenn es um generative AI geht, ist aber eine unglaublich wichtige und nicht leicht zu beantwortende Frage. Umso wichtiger ist es, dass die Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft als Ganzes sich «an einen Tisch» setzen, und sich proaktiv Gedanken machen, was diese neuen Möglichkeiten für die Zukunft von morgen bedeuten und wie sie im Interesse der Menschheit genutzt werden sollten. 


Yokoy habt ihr zu fünft gegründet, dabei warst du die einzige Frau. Welchen Rat hast du an Frauen, die gründen wollen? 

Es ist der gleiche Tipp, den ich auch Männern geben würde: Als Gründer:in ist man 24/7 am Arbeiten und steckt sein ganzes Herzblut in die Idee. Manchmal sieht man dann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und kann den Blick fürs grosse Ganze verlieren. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man sich die Angewohnheit zulegt, sich aktiv Zeit rauszunehmen, um das bigger picture zu sehen. Dazu gehört es auch, herauszufinden, was einem selbst gut tut, um wieder genug Energie, Kreativität und Ideen für die Arbeit zu haben. Es geht aber auch darum herauszufinden, wo man als Unternehmen hin will: Wo wollen wir in fünf oder zehn Jahren sein? Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, um da Schritt für Schritt hinzugelangen?
 

Anna Kati Schreiter studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität St.Gallen.

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