Forschung - 11.03.2025 - 14:45
In der Schweiz ist der Wohnungssektor für rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich. Ein zügiger Umstieg auf erneuerbare Energien in diesem Bereich ist daher entscheidend für die Erreichung der CO2-Reduktionsziele des Landes. Doch während Hauseigentümer:innen selbst entscheiden können, ob sie in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren wollen, müssen Personen in Mietverhältnissen diese Entscheidungen in der Regel ihren Vermieter:innen überlassen. Da in der Schweiz 60 Prozent der Bevölkerung in Mietwohnungen leben, bedeutet dies, dass eine Mehrheit der Menschen von der direkten Entscheidung über Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Wohnbereich ausgeschlossen sind.
Forschende des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der HSG (IWÖ-HSG) wollten herausfinden, ob und inwiefern auch Mieter:innen gewillt wären, sich an der Energiewende zu beteiligen. Dafür haben sie eine repräsentative Befragung unter über tausend in Miete lebenden Personen in der Schweiz durchgeführt. In einem Experiment stellten sie Mieterinnen und Mietern verschiedene Wohnungen zur Auswahl und ermittelten die Zahlungsbereitschaft für Massnahmen im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien.
Die Studie zeigt, dass die meisten Mieter:innen Wohnungen bevorzugen, die über eine gute Wärmedämmung verfügen. Bezüglich der Heizungssysteme sind bei Mieter:innen Wärmepumpen deutlich beliebter als Öl und Gas. Die Präsenz von Solarmodulen auf dem Dach des Gebäudes erhöht gemäss der Studie ausserdem die Wahrscheinlichkeit, dass Mietinteressierte eine Wohnung wählen. Zudem fanden die Forschenden heraus, dass knapp 56 Prozent der Befragten bereit wären, in eine Solaranlage auf dem Dach der eigenen Mietwohnung zu investieren, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Am höchsten war dabei die Investitionsbereitschaft, wie erwartet, bei einkommensstarken Personen.
Diese Ergebnisse zeigen gemäss den Forschenden, dass bei der Mieterschaft ein großes ungenutztes Potenzial für die Energiewende schlummert. Politiker und Immobilienbesitzer sollten daher Maßnahmen ergreifen, um dieses zu nutzen. Denkbar seien etwa Beteiligungsmodelle für Solaranlagen oder gesetzliche Regelungen, die den Ersatz fossiler Heizungen in Mietgebäuden beschleunigen. Mit solchen Massnahmen könnte der Umstieg auf erneuerbare Energien im Wohnungssektor erheblich beschleunigt werden.
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