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Forschung - 17.01.2023 - 13:50

Family Business Index 2023

Die umsatzstärksten Familienunternehmen der Welt konnten ihren Umsatz im letzten Geschäftsjahr im Durchschnitt um 14 Prozent steigern. Dies zeigt der Global Family Business Index, der im Jahr 2023 zum fünften Mal gemeinsam von der Universität St.Gallen und EY herausgegeben wird.

16 Familienunternehmen in der Schweiz gehören zu den Top 500 weltweit

Die grössten Familienunternehmen in der Schweiz legten im Durchschnitt um 15 Prozent zu. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahre ist die Anzahl der Schweizer Vertreter unter den grössten 500 Familienunternehmen der Welt gleich geblieben – 16 in der Schweiz ansässige Familienunternehmen gehören zu den Top 500 weltweit. Dabei schaffen es folgende drei Unternehmen in die Top 100: Auf Platz 16 liegt Roche (2021: 16), auf Platz 45 Kühne + Nagel (2021: 66) und auf Platz 79 liegt Richemont (2021: 101). Sascha Stahl, Leiter Family Business bei EY in der Schweiz, ordnet ein: «Diese starke Positionierung im Ranking zeigt, welche Innovationskraft von Schweizer Familienunternehmen auch auf globalem Niveau ausgeht. Die meisten dieser Firmen haben sich zudem durch ausgesprochen expansive Geschäftsmodelle auch international etabliert.» Mit Blick auf die Pandemie ergänzt Stahl: «Es ist bemerkenswert, wie gut die Familienunternehmen im Allgemeinen durch die Pandemie gekommen sind. Das widerspiegelt sich auch bei der relativ geringen Fluktuation im Ranking.»

Deutschland mit 78 Unternehmen im Ranking des Family Business Index 2023 vertreten

Die grössten Familienunternehmen in Deutschland wuchsen langsamer und legten im Durchschnitt um sechs Prozent zu. Zum Vergleich: Die asiatischen Unternehmen im Ranking steigerten ihren Umsatz gegenüber dem Family Business Index des Jahres 2021 um 21 Prozent, die nordamerikanischen um 12 Prozent. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahre ist die Zahl der deutschen Vertreter unter den grössten 500 Familienunternehmen der Welt um eins auf 78 zurückgegangen – damit kommen aktuell knapp 16 Prozent der umsatzstärksten Familienunternehmen weltweit aus Deutschland.
Nur die USA stellen mit 118 mehr Unternehmen in den Top 500 als Deutschland. Gleichzeitig haben sieben der zehn grössten Familienunternehmen der Welt ihren Sitz in den Vereinigten Staaten – darunter der Einzelhändler Walmart auf Rang eins sowie die Holding Berkshire Hathaway auf Rang zwei. Aus Deutschland haben sich wie schon vor zwei Jahren zwei Unternehmen in den Top Ten platziert: die Heilbronner Schwarz Group, zu der unter anderem Lidl gehört, auf Platz vier sowie der Automobilhersteller BMW auf Platz sechs. Zusammen mit dem Autozulieferer Bosch stellen diese Unternehmen zudem die drei umsatzstärksten Familienunternehmen Europas.

«Familienunternehmen haben eine herausragende Bedeutung für die Weltwirtschaft – sie sind ein Garant für Stabilität und nachhaltiges Wachstum, sie vermeiden Übertreibungen und haben in schwierigen Zeiten einen langen Atem», kommentiert Wolfgang Glauner, Partner bei EY und Leiter der Marktaktivitäten für Familienunternehmen, die Ergebnisse des Rankings. «Bemerkenswert ist, wie gut die Familienunternehmen unterm Strich durch die Pandemie gekommen sind – und dass es relativ wenig Fluktuation im Ranking gab, was ebenfalls auf eine hohe Beständigkeit hinweist.»

Prof. Dr. Thomas Zellweger, Professor am Lehrstuhl für Familienunternehmen der Universität St.Gallen, ergänzt: «Mit nur 7 Prozent Neueintritten in diesem Jahr bleibt der Index stabil. Auffallend ist die wachsende Bedeutung Asiens und die Wirtschaftskraft, die diese Familienunternehmen aufweisen.» Nachdem im Family Business Index im Jahr 2015 nur 61 Unternehmen ihren Sitz in Asien hatten, sind es aktuell 79. Vor allem aber wuchsen diese Unternehmen überdurchschnittlich stark: Ihr Umsatz kletterte im Vergleich zum  Ranking 2021 im Durchschnitt um 21 Prozent.

Während der Anteil der im Index vertretenen Unternehmen aus der industriellen Produktion weltweit bei 29 Prozent liegt, ist der Anteil in Deutschland mit 41 Prozent deutlich höher.

Jedes zweite Familienunternehmen aus Deutschland älter als 100 Jahre

Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele erfolgreiche Familienunternehmen, die bereits seit mehreren Generationen existieren: Im Durchschnitt sind die deutschen Top-500-Familienunternehmen 109 Jahre alt, der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck ist mit 354 Jahren das zweitälteste Unternehmen im Ranking. Nur der japanische Baukonzern Takenaka kann auf eine noch längere Historie zurückblicken und wurde vor 412 Jahren gegründet. Immerhin elf der 500 Unternehmen sind mindestens 200 Jahre alt, im Durchschnitt liegt das Alter der analysierten Unternehmen bei 85 Jahren.

Nur sechs Prozent der CEOs weiblich

Nachholbedarf besteht weltweit beim Thema Vielfalt: Gerade einmal sechs Prozent der Unternehmenschefs sind Frauen, in Europa und Nordamerika liegt der Anteil weiblicher CEOs mit jeweils sieben Prozent geringfügig höher, in Asien mit vier Prozent sogar noch niedriger. Von den 78 deutschen Unternehmen im Ranking werden fünf Prozent – das sind vier Unternehmen – von einer Frau geführt.

Ev Bangemann, Managing Partner Marktes bei EY Deutschland, sieht an dieser Stelle Handlungsbedarf: «Das Top-Management der meisten Familienunternehmen ist nach wie vor eine Männerdomäne. Das ist nicht mehr zeitgemäss, vor allem vor dem Hintergrund des anhaltenden Talentemangels und der immer komplexer werdenden geschäftlichen Herausforderungen, die nur durch Denken aus verschiedenen Perspektiven erfolgreich gemeistert werden können.» Auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden könne die mangelnde Vielfalt an der Unternehmensspitze zum Problem werden, so Bangemann: «Für Unternehmen wird es beim Werben um Fachkräfte immer wichtiger, dass es weibliche Vorbilder in der Führungsetage gibt. Hier drohen viele Familienunternehmen, den Anschluss zu verpassen.»

Über die Studie

Als Familienunternehmen wurden Unternehmen definiert, bei denen die Familie oder eine von der Familie initiierte Stiftung über mehr als 50 Prozent der Anteile und Stimmrechte verfügt. Börsennotierte Unternehmen wurden als Familienunternehmen gewertet, wenn die Familie mindestens 32 Prozent der Anteile und Stimmrechte hält. Daher sind im Index auch Grosskonzerne, an denen Unternehmerfamilien beteiligt sind, berücksichtigt.

Bild: EY

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