close

Leute - 01.08.2026 - 08:00 

Berufung: Kai Gehring

Prof. Dr. Kai Gehring ist seit 1. August 2026 Assoziierter Professor für Ökonomie an der Universität St.Gallen (HSG).
Berufung: Kai Gehring

Kai Gehring studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Volkswirtschaftslehre, Marketing und Finanzen an der Universität Mannheim (2005–2011) und promovierte anschliessend in Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Heidelberg und Göttingen, ausgezeichnet mit summa cum laude. Parallel dazu lehrte er von 2013 bis 2015 an der Hochschule Kaiserslautern. Von 2015 bis 2021 war er an der Universität Zürich, erst als Postdoktorand und anschliessend als SNF-Ambizione-Stipendiat. Von September 2021 bis zu seinem Wechsel nach St.Gallen war er Associate Professor für Politische Ökonomie und nachhaltige Entwicklung an der Universität Bern und der Wyss Academy for Nature tätig. Zudem ist er Affiliated Research Professor am CESifo.

Forschung zu Ressourcenkonflikten, Identität und internationaler Entwicklung

Kai Gehring forscht an der Schnittstelle von politischer Ökonomie, Entwicklungsökonomie und Verhaltensökonomie. Er verbindet ökonomische Theorie mit Erkenntnissen aus Geschichte, Politikwissenschaft und Psychologie. Dabei nutzt er oft auch alternative Datenquellen wie Satelliten- und Textdaten und treibt den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Forschungsprozess voran.

Ein erster Schwerpunkt gilt Konflikten um knappe Ressourcen. Am Beispiel einer marktbasierten Versicherungslösung in Kenia zeigt er, dass automatische Auszahlungen bei Dürre gewaltsame Konflikte deutlich verringern, ohne dass es dafür schwieriger institutioneller Reformen bedarf. In Peru arbeitet er erstmals mit Feld- und Umfrageexperimenten unmittelbar mit Kleinbergleuten, die Gold mit einfachen Mitteln abbauen, und untersucht Bedingungen für eine Umstellung auf sauberere Produktionsverfahren.

Ein zweiter Schwerpunkt gilt der Frage, wie Gruppenidentitäten und Narrative Präferenzen und Handlungen prägen. Historische Teilungen, Kriege und Fremdherrschaft prägen politische Einstellungen bis heute; umgekehrt können äussere Bedrohungen gemeinsame Identitäten stärken, wie sich nach der russischen Invasion der Ukraine 2014 in der Europäischen Union zeigte. Zugleich entwickelt er Verfahren, um Narrative in grossen Textmengen messbar zu machen, und trägt damit zur Weiterentwicklung zweier junger Forschungsfelder bei: Economics of Identity und Narrative Economics.

Ein dritter Schwerpunkt untersucht, wie internationale Organisationen und Entwicklungsfinanzierung wirken. Dabei geht es sowohl um finanzielle Fragen wie die Kreditwürdigkeit von Staaten, deren Bewertung durch Ratingagenturen und den Zugang zu Kapitalmärkten als auch um die Wirkung einzelner Entwicklungsprojekte vor Ort und die geopolitischen Interessen hinter ihrer Vergabe.

Praktische Anwendung theoretischer Konzepte in der Lehre

Kai Gehrings Lehrphilosophie verbindet anspruchsvolle akademische Inhalte mit einem interaktiven, studierendenzentrierten Lernansatz. Dieses Zusammenspiel ermöglicht es den Studierenden, ein tiefes Verständnis der Fachinhalte zu entwickeln sowie zentrale Kompetenzen wie kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeit auszubilden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung theoretischer Konzepte, etwa in den Bereichen statistische Analyse, Softwarekenntnisse und Forschungsmethodik.

north