
Unser Capstone-Projekt wurde mit dem Verband Swissesco, der eine Interessenvertretung von Unternehmen, die Energiespar-Contracting (ESC) anbieten ist durchgeführt. Zu dem Zeitpunkt des Beginnes unserer Zusammenarbeit mangelte es dem Verband an einem konkreten „Proof-of-concept“ für ihr Modell des Energiespar-Contractings. Es wurden zwar zur Förderung des Verbandes, der eine Art von energieeffizienten Sanierungsmaßnahmen, die mithilfe eines Leasing-ähnliches Modells unterstützt, Gelder vom Schweizer Bundesministerium für Energie (BfE) zugesagt, diese wurden aber aufgrund eines mangelnden Erfolges, bzw. einer geringen Anzahl von Bauprojekten, die Energiespar-Contracting verwenden, sukzessive gekürzt und betrug zu dem Zeitpunkt unserer Zusammenarbeit nur noch 20% der ursprünglichen Fördergelder, die zum Ende des Jahres 2025 vollständig auslaufen sollten.
Uns wurde schon zum Beginn der Zusammenarbeit mit Swissesco klar, wie wichtig dieses Projekt für den Verband war. Vonseiten des Geschäftsführers wurden wir während einer unserer wöchentlichen Sitzungen als „die letzte Patrone im Magazin“ des Verbandes bezeichnet. Diese Ausgangssituation führte zu einer hohen Motivation, auch durch die Unterstützung unseres Teaching Assistants, der ein umfangreiches Hintergrundwissen auf dem Gebiet des Energiespar-Contracting hatte.
Ziel des Projektes war, zunächst ein systematischer Kriterienkatalog zur Bewertung der ESC-Eignung von Gebäuden und Anlagen zu entwickeln. Darauf basierend galt es, transparente und nachvollziehbare Einsatzkriterien zu definieren, anhand derer potenzielle Projekte strukturiert vorqualifiziert werden können. Darauf aufbauend soll eine Befragung von Kunden erfolgen, um zentrale Bedürfnisse, Entscheidungslogiken sowie spezifische Pain Points im Zusammenhang mit Energiespar -Contracting zu identifizieren. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten anschließend gemeinsam mit Swissesco-Vertriebsmitarbeitenden konsolidiert und praxisnah gespiegelt, um sowohl Markt- als auch Vertriebsperspektive zu integrieren. Abschließendes Ziel war es auf dieser Basis ein Decision Tree zur strukturierten Kundenansprache entwickelt, der den Vertriebsprozess unterstützt und eine gezieltere Qualifizierung von Projekten ermöglicht.
Ein weiteres Ziel unserer Zusammenarbeit war ein klares „Proof-of-Concept“ mit dem wir dem Bundesministerium für Energie eindeutig aufzeigen konnten, dass das Geschäftsmodell des Energiespar-Contracting weiteres Potential hat und dem Bundesministerium für Energie als wichtigstem Geldgeber, aufzuzeigen, warum Energiespar-Contracting weiterhin gefördert werden sollte und eine hilfreiche sowie sinnvolle Massnahme zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele der Schweiz ist.
Da der Hauptbestandteil unseres Projektes aus Interviews mit Kunden und potenziellen Kunden bestand, war es mitunter kompliziert genügend Personen und Unternehmen zu finden, um eine repräsentative Anzahl von Interviews zu erreichen. Durch die Unterstützung des Geschäftsführers von Swissesco sowie unseres Professors und des Teaching Assistants konnten wir aber eine ausreichende Anzahl von Interviews erreichen. Eine weitere Herausforderung war die Sprachbarriere, da viele Projekte im französischsprachigen Teil der Schweiz (Romandie) realisiert wurden. Da keiner unserer Gruppenmitglieder flüssiges Französisch beherrschte, haben wir uns dazu entschlossen mit französischsprachigen Studenten aus Lausanne zusammenzuarbeiten, die diese Interviews für uns durchführten.
Dank des Erfolges dieses Projektes hat EnergieSchweiz, als Tochterunternehmen des BfE, erneut Vertrauen in das Geschäftsmodell des Energiespar-Contractings (ESC) gefasst. Auf Basis der erzielten Ergebnisse wurde die Bereitschaft entwickelt, künftig wieder enger und vertieft mit dem Verband Swissesco zusammenzuarbeiten und weitere Fördergelder zu Verfügung zu stellen. Zudem wurde für das Jahr 2026 die Durchführung von zwei weiteren Projekten, die auf Basis unserer Interviews entstanden, in Aussicht gestellt. Wäre es nicht zu dieser Zusage von Fördergelder gekommen, wäre der Verband zum Ende des Jahres 2025 (zu diesem Zeitpunkt nur einen Monat entfernt) ohne Zahlungsmittel gewesen.
Auch langjährige Mitglieder des Vorstandes von Swissesco, die sich seit rund zehn Jahren mit diesem Geschäftsmodell befassen, konnten durch die fundierte Analyse, die kreativen Lösungsansätze sowie insbesondere durch unsere Präsentation im Zuge des Swissesco-Workshop im BfE in Bern neue Perspektiven auf das ESC-Geschäftsmodell gewinnen. Die Ergebnisse führten zu der Überzeugung, dass das Geschäftsmodell künftig mit einem neuen, modularen Ansatz am Markt positioniert werden sollte.
In der Folge beschloss der Swissesco-Vorstand, das Geschäftsmodell ESC in fünf klar strukturierte Module weiterzuentwickeln: Projektplanung, Durchführung, Performance-Garantie mit Services, Services ohne Garantie sowie Finanzierung. Diese modulare Weiterentwicklung soll im Jahr 2026 im Rahmen eines weiterführenden Projektes konkretisiert werden. Der Verband äusserte zudem nach der Zusammenarbeit mit unserer Gruppe grosses Interesse an einer erneute Zusammenarbeit mit der HSG.
Für uns als Gruppe waren besonders die Zusammenarbeit mit den erfahrenen Entscheidungsträgern aus der Schweizer Energiebranche einprägsam. Dadurch konnten wir viele Einblicke in die Funktionsweise von Verbänden und grösseren Unternehmen erhalten. Zudem waren die Präsentationen vor den senioren Mitgliedern des Verbandes, des Vorstandes und relevanten Beamten des Bundesministeriums sehr einprägsam und führten zu einem höheren Selbstvertrauen für nachfolgende Präsentationen.
Für uns war es zentral im Zuge des Projektes regulären Kontakt zu unserem Projektpartner, Professor und Teaching Assistant zu halten. Dadurch konnten Fehler schnell aufgedeckt werden und das „Arbeiten in die falsche Richtung“ vorgebeugt werden. Auch innerhalb der Gruppe war es uns wichtig, ein Klima zu schaffen, das offene Kommunikation fördert und das jedes Gruppenmitglied sich klar zu jeglicher Thematik bezüglich des Projektes äussern kann. Das würden wir auch jeder kommenden Capstone-Gruppe empfehlen.
Es ist zudem selbstverständlich, nicht mit der umfangreichen Erfahrung eines Unternehmensberaters ein Capstone-Projekt zu beginnen. Das ist aber allen Partnern bewusst, deswegen sollte man sich nicht zu schade dafür sein, unklare Anweisungen oder Aufgabenstellungen zu hinterfragen.
Ausserdem haben wir während des Projektes stark von der Erfahrung unserer Projektpartner profitiert, wenn es manchmal doch hackt oder sich gewisse Dinge nicht in die erhoffte Richtung entwickeln, kann es auch hilfreich sein auf die langjährige Erfahrung von senioren Projektpartnern zurückzugreifen.