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Meinungen - 08.07.2026 - 10:00 

Versicherungsregulierung: Mehr Regeln, aber nicht mehr Wirkung

Mehr Vorgaben, mehr Berichte, mehr IT-Aufwand: Seit 2014 hat sich die Versicherungsregulierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz massiv weiterentwickelt. Eine HSG-Studie zeigt nun, warum vor allem kleinere Anbieter an Grenzen stossen – und weshalb die Schweiz im Vergleich dennoch gut abschneidet.

Die Versicherungsregulierung in der DACH-Region hat in den vergangenen Jahren stark an Umfang, technischer Detailtiefe und thematischer Breite gewonnen. Neue Anforderungen zu Solvenz, Governance, Datenschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung haben den Aufsichtsrahmen tiefgreifend verändert. 

Anforderungen und Nutzen

Die aktuelle Studie «Wirksamkeit und Effizienz der Versicherungsregulierung in der deutschsprachigen Assekuranz» von Prof. Dr. Martin Eling von der Universität St.Gallen und Davide Oertle zeigt: Die Herausforderungen für die Zukunft liegen weniger in den Regulierungszielen als in der praktischen Umsetzung. Das gilt vor allem dort, wo formale Anforderungen wachsen, ohne dass ihr zusätzlicher Nutzen aus Sicht der Unternehmen in gleicher Weise erkennbar ist. Folgende Feststellungen sind im Rahmen der Analyse hervorzuheben:

  • Belastung steigt: Die Studie bestätigt die Hypothese, dass Umfang und Komplexität der Regulierung seit 2014 in allen drei Ländern weiter zugenommen haben. Besonders stark wahrgenommen wird die Belastung in den Bereichen Governance, Risikomanagement, Solvenz und Datenschutz.
  • KMU besonders betroffen: Das Proportionalitätsprinzip greift in der Praxis nur begrenzt. Vor allem kleinere und mittlere Versicherer berichten von überdurchschnittlich hohen fixen Lasten bei Dokumentation, Reporting und IT; die Studie spricht hier von einem systematischen Proportionalitäts-Gap.
  • Österreich mit höchster Belastungswahrnehmung: Im Ländervergleich weist Österreich die höchste Belastungswahrnehmung auf, gefolgt von der Schweiz. Deutschland wird tendenziell weniger belastet wahrgenommen, zeigt aber laut Studie ebenfalls deutliche Defizite bei Transparenz, Konsultation und Rückspiegelung.
  • Schweiz im Vorteil: Die Schweiz schneidet im DACH-Vergleich beim regulatorischen Design besser ab. Der Swiss Solvency Test wird von den Befragten als prinzipienorientiert, risikobasiert und konzeptionell tragfähig beurteilt; Kritik richtet sich hier eher auf den Vollzug, der den prinzipienbasierten Ansatz im Alltag teilweise überlagert.

Empfehlungen für die Versicherungspraxis

Die Studie richtet sich an Aufsichtsbehörden, Versicherungsunternehmen und den Gesetzgeber mit dem Ziel, einen faktenbasierten und konstruktiven Dialog zu fördern, der Regulierung wirksamer und effizienter macht. In diesem Sinne werden drei Empfehlungen formuliert:

  1. Stärkung der risikobasierten Ausgestaltung des Vollzugs mit abgestufter Prüf- und Nachweistiefe.
     
  2. Frühzeitige und systematische Einbindung der Marktteilnehmenden sowie Rückmeldungen im Konsultationsprozess.
     
  3. Kontinuierliches Monitoring von Kosten, Prozessen und Wirkungen.


«Unsere Ergebnisse sprechen nicht für weniger Regulierung, sondern für bessere Regulierung: risikobasiert, proportional und im Vollzug weniger formalistisch», sagt Martin Eling, Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St.Gallen. «Gerade die Schweiz hat hier eine gute Ausgangslage  sie muss ihre Stärken jetzt konsequent in der Praxis sichtbar machen.»

Methodik der Studie

Die Studie untersucht die Wirksamkeit und Effizienz der Versicherungsregulierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 2014. Sie verbindet einen strukturierten Bewertungsrahmen zu Wirksamkeit, Proportionalität, Transparenz, Vollzug und ex-post-Lernen mit einer breit angelegten Branchenbefragung und einem systematischen Ländervergleich.

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