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Forschung - 03.01.2024 - 09:00 

Hoffnungsbarometer 2024: Was den Menschen in der Schweiz Hoffnung macht

Das Hoffnungsbarometer wird seit 2009 jährlich im November für das kommende Jahr in einer Internet-Umfrage in Zusammenarbeit des Mediums 20 Minuten erhoben. HSG-Forscher Dr. Andreas Krafft hat die Ergebnisse zusammengetragen. Fazit: Zufriedenheit und Zuversicht im eigenen Leben sind bei Menschen in der Schweiz relativ stark ausgeprägt. Dies jedoch in klarem Kontrast zur Unzufriedenheit und dem Pessimismus bezüglich gesellschaftlicher Entwicklungen.

Dr. Andreas Krafft, Research Associate for Future Studies am Institut für Systemisches Management und Public Governance der Universität St.Gallen sowie Co-Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung swissfuture fasst die Erkenntnisse des Hoffnungsbarometers 2024 wie folgt zusammen:  

Ergebnisse der Umfrage

  1. Zufriedenheit und Zuversicht im eigenen Leben sind relativ stark ausgeprägt und in klarem Kontrast zur Unzufriedenheit und dem Pessimismus bezüglich gesellschaftlicher Entwicklungen.
  2. Junge Menschen sind unzufriedener, hoffnungsloser, glauben weniger an das Gute, haben ein geringeres Selbstwertgefühl, fühlen sich emotional und sozial weniger wohl und schätzen weniger die Nachhaltigkeit als ältere Personen.
  3. Die Aussichten der Lebensqualität in 20 Jahren sind Jahr für Jahre düsterer geworden. Die Bedrohung eines langfristigen Krisenszenarios hat in den vergangenen Jahren zu- und der Glaube an ein langfristiges Wohlstandsszenario abgenommen.
  4. Trotz allem ist die persönliche Hoffnung über die letzten sechs Jahre auf einem mittel-hohen Niveau nahezu konstant geblieben, insbesondere in der Deutschschweiz.
  5. Die wichtigsten persönlichen Hoffnungen sind gute Gesundheit, eine glückliche Familie, Ehe oder Partnerschaft, Harmonie im Leben, persönliche Selbstbestimmung, gute Beziehungen zu anderen Menschen und eine sinnerfüllende Aufgabe. Geld, Karriere und Sex stehen an letzter Stelle.
  6. Die wichtigsten Quellen von Hoffnung sind gute Erlebnisse in der freien Natur und die Unterstützung von Familie und Freunden, gefolgt von persönlichen Stärken und sozialer Fürsorge. 
  7. Der Glaube an die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen hat markant zugenommen. Gleichzeitig hat der Glaube an eine gute und gerechte Welt abgenommen. Das Selbstwertgefühl ist auf einem hohen Niveau konstant geblieben.
  8. Persönliches Wachstum, Gemeinschaft und Sicherheit sind den Menschen leicht bedeutsamer als Nachhaltigkeit. Religiöser oder spiritueller Glaube ist nur für eine Minderheit von Bedeutung.
  9. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Hoffnung, Lebenssinn, dem Wunsch nach persönlichem Wachstum, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Selbstwert sowie dem Glauben an das Gute und dem Glück im Leben.
  10. Während die körperliche Gesundheit mit dem Alter abnimmt, nehmen die psychische Gesundheit und das emotionale, psychologische und soziale Wohlbefinden mit dem Alter zu. 

Neue wünschenswerte Zukunftsbilder erzeugen

Andreas Krafft leitet drei zentrale Hypothesen ab, die er in der Studie zur Diskussion stellt:

  1. Solange die Sorge vor einer Zukunft voller Krisen und Konflikte eine stärkere Wirkung hat als der Wunsch und die Sehnsucht nach einer nachhaltigen, friedvollen und gerechten Welt, wird dies zu einer zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Polarisierung führen.
  2. Es ist allerdings weniger die Angst vor einer unsicheren Zukunft als vor allem der mangelnde Glaube an eine bessere gesellschaftliche Zukunft, was insbesondere bei jungen Menschen zunehmend Hilfslosigkeit, Perspektivenlosigkeit und Gleichgültigkeit auslöst.
  3. Aus diesem Grund müssen sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Leben neue positive Narrative wünschenswerter Zukunftsbilder erzeugt werden, damit sich Menschen privat, beruflich und gesellschaftlich verstärkt für die gemeinsamen Ziele engagieren.

Über das Hoffnungsbarometer Schweiz 2024

Das Hoffnungsbarometer wird seit 2009 jährlich für das kommende Jahr in einer grossen Internet-Umfrage mit Unterstützung der Tageszeitung 20 Minuten erhoben. Beginnend in der Schweiz wird die Umfrage in Zusammenarbeit mit renommierten Universitäten mittlerweile auch in Australien, Kolumbien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Frankreich, Indien, Israel, Italien, Nigeria, Polen, Portugal, Spanien und Südafrika durchgeführt. In diesem Bericht werden die aktuellen Ergebnisse des Hoffnungsbarometers von November 2023 in der Schweiz vorgestellt. Befragt wurde die Öffentlichkeit über ihre Zukunftserwartungen in verschiedenen Bereichen, über langfristige gesellschaftliche Zukunftsszenarien, über ihre persönlichen Hoffnungen, über die Quellen von Hoffnung sowie über ihre Werte, Welt- und Selbstbilder.

Mehr zum Thema auch im Podcast mit Dr. Andreas Krafft auf spiegel.de

Bild: Adobe Stock / Lux Images

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