Unternehmerisches Denken und Handeln gehört zur DNA der Universität St.Gallen (HSG). Der neue HSG Entrepreneurship Monitor 2025 dokumentiert dies erstmals systematisch: Zwischen 2014 und 2024 sind im Umfeld der HSG 845 Start-ups entstanden, viele davon mit einer klaren Nachhaltigkeitsmission. Die Gründer:innen sind dabei in unterschiedlichen Branchen aktiv, wie Gesundheit, Energie, Mobilität, Finanzen oder Lebensmittel.
Ein eindrucksvolles Beispiel für zirkuläres Unternehmertum ist UpGrain, ein Spin-off aus Appenzell. Das von HSG-Absolvent:innen mitgegründete Unternehmen gewinnt aus Nebenprodukten der Bierbrauerei nährstoffreiche Proteine – und macht damit aus einem bislang ungenutzten Reststoff eine wertvolle Ressource. Co-Gründer Vincent Vida bringt den Ansatz auf den Punkt: «Wir sehen Abfall nicht als Problem, sondern als Ressource». 2025 wurde das Start-up mit dem «Swiss Sustainability Impact Award» ausgezeichnet und gewann den Startfeld Diamant Preis der St.Galler Kantonalbank. Das Unternehmen beliefert inzwischen unter anderem die Schweizer Armee mit seinen Produkten.
Die HSG hat ihr Unterstützungsnetz für Gründer:innen zuletzt gezielt ausgebaut: HSG Entrepreneurship bringt den Universitätsangehörigen die Facetten des Unternehmertums nahe und fördert technologieorientierte und wissensintensive Gründungs- und Innovationsprojekte. Mit dem Best-Founders-Programm und dem HSG START Accelerator stehen zwei zentrale Programme bereit, welche durch die Förderlinien Entrepreneurial Talents und Entrepreneurial Champions die Startup-Talente von der ersten Idee bis zum Markteintritt begleiten. Wie stark Nachhaltigkeit dabei mitgedacht wird, zeigen die ersten beiden Entrepreneurial Champions, die im Herbst 2025 im Rahmen des Best Founders Programme mit je CHF 100'000 gefördert wurden:
Henry Müller, Ph.D.-Kandidat an der HSG, entwickelt mit fortyfour vollelektrische Direct-Air-Capture-Anlagen, die CO₂ direkt vor Ort binden und für landwirtschaftliche sowie industrielle Anwendungen nutzbar machen – eine kosteneffiziente, saubere Alternative zu fossilen CO₂-Quellen und damit ein direkter Beitrag zum Klimaschutz.
Carmel Imhof gründete mit ZoneIn eine digitale Gesundheitsplattform, die Menschen mit ADHS mit zertifizierten Fachpersonen vernetzt. Der Nachhaltigkeitsbezug liegt hier auf der sozialen Dimension: ZoneIn verbessert den Zugang zu spezialisierter Versorgung in einem bislang unterversorgten Bereich und soll künftig in der gesamten deutschsprachigen Region verfügbar sein.
Entrepreneurship-Professor und HSG-Prorektor Dietmar Grichnik ordnet dies programmatisch ein: Die HSG verstehe «nachhaltige Geschäftsmodelle als integralen Bestandteil von Innovation» – unternehmerischer Erfolg solle nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich relevant sein.
Nachhaltiges Unternehmertum wird an der HSG auch systematisch beforscht und gelehrt. Das Global Center for Entrepreneurship and Innovation (GCEI-HSG) untersucht beispielsweise, wie nachhaltige Innovation und verantwortungsvolles Wachstum entstehen, und verbindet damit Forschung mit der praktischen Gründungsförderung. In der Lehre werden Kurse zu «Social Entrepreneurship and Innovation» sowie «Geschäftsmodellinnovation für ökologische Nachhaltigkeit» angeboten. Studierende lernen darin gezielt, wie sich unternehmerische Werkzeuge einsetzen lassen, um tragfähige Geschäftsmodelle für ökologische und soziale Herausforderungen zu entwickeln.
Dieses Verständnis von Unternehmertum als Hebel für globale Herausforderungen reicht über die Schweiz hinaus. Als Leading House für die lateinamerikanische Region unterstützt das Institut für Management in Lateinamerika Start-ups gezielt bei der Expansion nach Brasilien, Kolumbien oder Mexiko – häufig mit Blick auf lokale ökologische und soziale Fragestellungen. Auch das START Fellowship, ein studentisch organisiertes Incubator- und Accelerator-Programm, brachte junge Gründer:innen aus Lateinamerika und Afrika für vier Monate nach St.Gallen und begleitete sie mit Workshops, Mentoring und Finanzierung. Auch hier zeigt sich, wie die HSG unternehmerisches Wissen gezielt dort einsetzt, wo es zu nachhaltiger Entwicklung beitragen kann.
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