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Hintergrund - 15.12.2023 - 09:00 

WTO empfängt HSG-Studierende in Genf

Unter der Leitung von HSG-Professor Simon Evenett präsentierten fünfzehn Studierende der Welthandelsorganisation Ideen, wie der internationale Handel zu weltweit friedlicher Kooperation beitragen kann.

Am 5. Dezember 2023 diskutierten Studierende der Universität St.Gallen (HSG) mit Fachleuten der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf, wie der Handel zwischenstaatliche Konflikte und innerstaatliche soziale Unruhen, Gewalt und Bürgerkriege beeinflussen und im besten Falle sogar beenden kann. Gastgeber war die Abteilung für Beitrittsfragen (Accessions Division) der WTO in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Wissens- und Informationsmanagement (Division for Knowledge and Information Management). 

Der Philosoph Montesquieu schrieb im 18. Jahrhundert, dass es Handel überall dort gäbe, wo die Wege der Menschen begehbar seien. Die natürliche Wirkung des Handels sei Frieden. Diesem Prinzip hat sich auch das WTO-Programm verschrieben mit der Devise: «Handel für den Frieden». 

Handel für den Frieden

Stabilität und wirtschaftlicher Wohlstand auch fragiler und konfliktbelasteter Länder ist das Ziel des WTO-Programms. Die WTO fördert daher politisches Engagement und Partnerschaften, Öffentlichkeitsarbeit und öffentlichen Dialog, Forschung, Ausbildung und den Aufbau von Kapazitäten. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit analysierten die Studierenden den Zusammenhang zwischen Handel und Frieden und zeigten anhand konkreter Beispiele, wie Handel Stabilität fördern kann und dies auch bereits tut.

Neben Mustapha Sadni Jallab, Leiter der WTO-Abteilung für Wissens- und Informationsmanagement, und Patrick Low, dem ehemaligen Chefökonomen der WTO, nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Weltgesundheitsorganisation teil, darunter Lise Prum, Brock Burton, Alexandre Marchand, Muhanna Al Lawati, Harouna Traore. André Brotto und Fernando Martin von der St.Galler Stiftung Wohlstand durch Handel unterstützten die HSG-Studierenden mit Tutorien vor den WTO-Präsentationen. 

Mustapha Sadni Jallab sagte, dass die Zusammenarbeit mit den Studierenden es ihm ermöglichte, deren Ansichten darüber kennenzulernen, wie der Handel das globale Wohlergehen und den Frieden fördern kann. Er schätzt die Art und Weise, wie Studierende und Akademiker:innen im Allgemeinen an komplizierte Themen herangehen und dabei einen anderen, evidenzbasierten Ansatz verfolgen. «Studierende und Akademiker:innen bringen neue und frische Perspektiven in Themen ein, die uns helfen können, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten», sagte er.

Handel und Konflikt

Die Präsentationen der Studierenden beruhten auf Arbeiten, die im Rahmen eines erstmals von der HSG angebotenen Kurses von Prof. Simon Evenett verfasst worden waren. Ziel des Kurses war es, den Studierenden die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Handel, Frieden und Konflikten aufzuzeigen. «Der Zusammenhang zwischen Handel und Frieden wird durch die Geopolitik um eine zusätzliche Komplexitätsebene erweitert. Der Kurs wurde entwickelt, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, die vielen Faktoren, die Handel und Konflikte beeinflussen, im Kontext einer Fallstudie ihrer Wahl zu untersuchen.

Studentin Ieva Laila Kalnina gab unter anderem einen detaillierten Überblick über die Handelsbeziehungen Georgiens vor und nach der russischen Invasion in Georgien im Jahr 2008. Sie argumentierte, dass Georgiens Abhängigkeit von Russland und der Versuch, seine Handelspartner zu diversifizieren, zu Russlands Entscheidung für die Invasion beigetragen haben könnten.

Mit Blick auf Handel und Frieden in Südafrika zeigte die Studentin Saori Grignoli, dass Handelssanktionen einen positiven Einfluss auf das Ende der Apartheid hatten und dass die Daten belegen, dass sowohl Importe als auch Exporte nach dem Ende der Apartheid in den 1990er Jahren gestiegen sind. Sie sagte: «Durch meine Teilnahme an diesem internationalen Handelsprojekt habe ich erkannt, welch grossen Einfluss der Handel auf die Förderung einer friedlicheren Welt haben kann.»

Der frühere WTO-Chefökonom Patrick Low, der den Studierenden wertvolles Feedback gab, sagte: «Die Beziehung zwischen Handel und Frieden ist komplex, wie die verschiedenen von den Fallstudien der Studierenden zeigen. Diese Art von Forschung ist unerlässlich, um die Zusammenhänge zwischen Handel und Frieden besser zu verstehen, was letztendlich zu handelspolitischen Entscheidungen führen kann.»

Student Christoffer Platou Bjørnsen, der früher für eine Entwicklungsfinanzierungsinstitution arbeitetet und sich auf Investitionen in Subsahara-Afrika konzentrierte, untersuchte ostafrikanische Länder und die Auswirkungen von Handelsabkommen auf Tansania und Uganda. Er stellte fest, dass regionale Handelsabkommen und Integration eine Rolle bei der Deeskalation von Konflikten und der Förderung des Friedens in Ostafrika spielen. «Normalerweise schreiben Studierende eine Hausarbeit als Prüfungsleistung. Im Kurs von Professor Evenett wussten wir, dass wir die Gelegenheit haben würden, unsere Ergebnisse vor der WTO zu präsentieren. Das hat Spass gemacht und unserer Arbeit auch mehr Bedeutung gegeben.» 

Auch die Generaldirektorin der WTO begrüsste die Studierenden

Zur Überraschung der Teilnehmenden gesellte sich die stellvertretende Generaldirektorin Johanna Hill zur Gruppe und sprach über die Bedeutung der Vision des Programms «Handel für den Frieden» und die Forschung der HSG-Studierenden: «Nach dem salvadorianischen Bürgerkrieg wurden die Abkommen der Uruguay-Runde zu einem wesentlichen Bestandteil des Wiederaufbauplans von El Salvador nach dem Konflikt und der wirtschaftlichen Integration Zentralamerikas. Dies ist ein anekdotischer Beweis, der auf meinen eigenen Erfahrungen beruht, aber die Politik muss sich auf die Forschung stützen, zu der Sie mit Ihrer Arbeit beitragen.»

Bild: Arbeitsgruppe in Genf

 

Haftungsausschluss: Die Präsentationen und Fallstudien, die von Studierenden der Universität St. Gallen entwickelt wurden, sind weder mit der Mitgliedschaft in der WTO verbunden noch spiegeln sie die Rechte oder Pflichten der WTO-Mitglieder wider. Die von den Studierenden der Universität St. Gallen in diesem Kurs und den damit verbundenen Veranstaltungen zitierten und geäusserten Forschungspapiere, Positionen und Meinungen sind ausschließlich ihre eigenen und spiegeln nicht die offiziellen Positionen der WTO-Mitarbeiter, ihrer Mitglieder oder des WTO-Sekretariats wider.

 

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