Campus - 27.08.2026 - 10:00
Hunderte Veranstaltungen finden jedes Jahr an der HSG statt. Die rund 150 studentischen Vereine organisieren ebenso Apéros, Workshops und soziale Events wie die rund 40 Institute und zahlreiche Forschende. Dabei entsteht Abfall wie etwa überschüssige Lebensmittel, Verpackungen und nicht benötigte Give-aways. «Wir wollen dazu beitragen, die Abfallmenge auf dem Campus zu verringern», sagen die HSG-Studentinnen Marina Butler Cerisola und Melanie Moser. Gemeinsam mit Carolin Einicke, Lejla Mamaj und Michelle Rütsche haben sie darum im Rahmen des Bachelorzertifikats «Integrative Sustainability Management» (SuM-HSG) das Projekt «Zero Waste» lanciert.
Die Analyse der Studentinnen zeigt: Abfall ist an der HSG nicht in erster Linie ein Problem des individuellen Verhaltens. Häufig wird er bereits vorher verursacht. Zum Beispiel, wenn für einen Anlass vorsichtshalber zu viel Essen bestellt wird, unklar ist, wer sich um übrig gebliebene Produkte kümmert oder Vereine ihre Lagerbestände nicht systematisch verwalten. «Oft ist nicht klar, wer für die Reste verantwortlich ist», sagt Moser. Hinzu kommen regelmässige Wechsel in den Vorständen der studentischen Vereine. Dabei gehen Wissen und Verantwortung verloren.
Einen besonderen Fokus legen die Studentinnen auf die StartWoche. Rund 2000 neue HSG-Studierende treffen dabei in wenigen Tagen auf zahlreiche Veranstaltungen, Organisatoren und Partner. Dazu gehört auch, dass die Studierenden Give-aways kostenlos erhalten. An der StartWoche 2026 wird deshalb erstmals ein «Goodie Exchange Table» eingerichtet, an dem nicht benötigte Artikel abgegeben und von anderen Studierenden mitgenommen werden können. Und künftig sollen statt mehrerer Flyer für Veranstaltungen nur noch ein Flyer mit einem QR-Code abgegeben werden.
Während der StartWoche machen rund 2000 neue Studierende, aufgeteilt in Gruppen, erste Erfahrungen mit der HSG und ihrer Campuskultur. «Wir wollen dazu beitragen, dass Studierende von Anfang an verantwortungsbewusst mit Abfall umgehen», sagt Butler Cerisola. Deshalb erhalten die Gruppenleitenden vom Projektteam Informationen zu Recycling und Abfallvermeidung an der HSG und in St.Gallen, die sie während der StartWoche weitergeben. Gerade für internationale Studierende könne das Schweizer Recyclingsystem ungewohnt sein, sagt Moser.
Die Studentinnen wollen jedoch nicht bei Appellen an die Studierenden stehen bleiben. «Wenn wir nur versuchen, das Verhalten der einzelnen Personen zu verändern, greifen wir zu kurz», sagt Butler Cerisola. Ein erster Schritt ist deshalb die systematische Messung des Abfalls während der StartWoche 2026 und auch im laufenden akademischen Jahr 2026/2027. Künftig sollen unter anderem der Kehricht gewogen sowie PET und Aluminium über die Anzahl der Säcke erfasst werden. So entsteht erstmals eine Datenbasis, mit der sich Abfallmengen und spätere Massnahmen vergleichen lassen.
Dafür arbeiten die Studentinnen mit dem HSG-Hausdienst zusammen. «Die Messung der Abfälle ist der erste Schritt», sagt René Schoch, Leiter Immobilien bei der HSG. Auf dieser Grundlage könne später entschieden werden, wo angesetzt werden solle. «Die Zusammenarbeit mit den Studierenden ist für uns wertvoll. Diese können kreative Ansätze erarbeiten und geben uns externen Input.»
Das Ressort Immobilien der HSG hat bereits verschiedene Massnahmen zur Abfallvermeidung und zum Recycling umgesetzt. Dazu gehören Recyclingstationen auf dem Campus sowie die Umstellung von Feucht- auf Trockenseife. Auch das Toilettenpapier auf dem Campus ist nachhaltig, es wird ohne Frischfasern aus Bäumen produziert.
Langfristig wollen die Studentinnen das Projekt ausweiten. Eine angedachte Massnahme ist eine Plattform, über die studentische Vereine übrig gebliebene Lebensmittel und andere Produkte untereinander weitergeben können. Auch die bereits bestehende Möglichkeit, überschüssiges Essen über die Campus-App der HSG-Studentenschaft zu beziehen, soll besser genutzt werden.
Das eigentliche Ziel des Projekts geht über einzelne Massnahmen hinaus: Die Studentinnen wollen ein System schaffen, das auch nach ihrem Studium weiter funktioniert. Die Abfallmessung soll institutionalisiert und das Vorgehen langfristig von der StartWoche auf weitere Veranstaltungen an der HSG ausgeweitet werden. «Unsere Idee ist, dass SuM-Studierende nach uns das Projekt übernehmen und weiterführen», sagt Butler Cerisola.
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