
Fabian Staub ist ein MLaw (2018) und MIL (2016) Alumnus. Er ist Mitbegründer & CEO der Legal-Tech Firma CASUS. CASUS hat das HSG Spin-Off Label erhalten und entwickelt KI-Tools für Jurist:innen in kleinen und mittelgrossen Kanzleien und Rechtsabteilungen in Europa.
Im Interview mit Monika Ritter spricht Fabian Staub darüber, wieso er selbst keine Laufbahn in einem klassischen Jus-Beruf gewählt hat und dennoch mit grosser Leidenschaft jeden Tag mit Juristinnen und Juristen arbeitet.
Weitere Informationen zu seiner Person und seiner beruflichen Laufbahn: (17) Fabian Staub | LinkedIn
Ich war nie der geborene oder besonders begeisterte Jurist. Mir hat das Studium an der HSG sehr gefallen, aber nicht unbedingt wegen des Rechts an sich. Hätte im Studium irgendwann etwas nicht geklappt, hätte ich wahrscheinlich ohne grosses Zögern eine andere Richtung eingeschlagen.
Heute bin ich Mitgründer und CEO von CASUS, einem Legal-Tech-Unternehmen, das juristische Arbeit mit künstlicher Intelligenz schneller, sicherer und einfacher macht. Auch wenn ich selbst kein klassischer Jurist geworden bin, arbeite ich jeden Tag eng mit Jurist:innen zusammen und profitiere sehr davon, das Fach zu verstehen.
Ich habe früh gemerkt, dass mich das „Anwenden von Spielregeln“ weniger reizt als die Frage, wie man Dinge vielleicht besser machen kann. Das hat mich letztlich in die Gründung geführt.
Jurist:innen sind naturgemäss skeptisch. Dass ich ihre Sprache spreche, ihre Denkweise kenne und einschätzen kann, was für sie rote Linien sind, schafft Vertrauen. Insofern bin ich sehr froh, Jus studiert zu haben – und ganz besonders, dass ich das an der HSG getan habe.
Ja, sehr sogar. Ich habe meinen Bachelor an einer anderen Universität gemacht – dort war das Studium deutlich theoretischer. Ich erinnere mich, dass ich während drei Jahren kaum einmal im Unterricht gesprochen habe. An der HSG war das völlig anders: Da zählt dein Beitrag, da arbeitest du im Team, da wird diskutiert und ausprobiert. Das war für mich ein grosser Unterschied – und viel näher an der Realität.

Diese Kultur, selbst etwas beizutragen und Verantwortung zu übernehmen, hat mich stark geprägt. Rückblickend war das sicher einer der Gründe, weshalb ich später den Schritt ins Unternehmertum gewagt habe.
Ich hatte an der HSG wirklich eine grossartige Zeit. Im Studium selbst spielte Legal Tech damals noch kaum eine Rolle, aber die Offenheit für neue Ideen und das unternehmerische Denken an der HSG waren für mich entscheidend. Ohne diesen Spirit wäre CASUS vielleicht nie entstanden.

Ein Moment, den ich definitiv einrahmen würde, war der, als wir mit CASUS zum ersten Mal gesehen haben, dass unsere Technologie wirklich funktioniert. Nicht nur technisch, sondern im echten juristischen Alltag. Als die ersten Nutzer:innen damit gearbeitet haben und uns rückgemeldet wurde, dass es ihnen wirklich hilft, war das ein fantastisches Gefühl.
Plötzlich war da dieses Bewusstsein: Das, was wir uns ausgedacht haben, bringt anderen echten Mehrwert. Das war für mich ein Schlüsselmoment.
Wenn ich an die HSG zurückdenke, gibt es aber auch viele schöne Momente, insbesondere die Diskussionen über die ganz grossen Zusammenhänge in Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Energie, dieses intellektuelle Miteinander, das war etwas, das ich bis heute mit der HSG verbinde.
Jus ist ein spannendes Fundament. Man lernt strukturiert zu denken, präzise zu argumentieren und Verantwortung zu übernehmen. Aber richtig spannend wird es dann, wenn wir diese Fähigkeiten auch ausserhalb des klassischen juristischen Rahmens einsetzen.
Bleibt neugierig und offen für Themen, die nicht zwingend im Lehrplan stehen. Sprecht mit Leuten ausserhalb eures Fachs, interessiert euch für Technologie, Wirtschaft oder Psychologie – alles, was euch hilft, Zusammenhänge zu verstehen.
Und ganz wichtig: Habt keine Angst, Wege einzuschlagen, die anders aussehen. Viele meiner spannendsten Erfahrungen haben genau dort angefangen, wo ich keine fertige Antwort hatte.
Mit CASUS möchten wir juristische Arbeit über die Schweiz hinaus grundlegend vereinfachen. Unser Ziel ist, künstliche Intelligenz tief in die Prozesse juristischer Arbeit zu integrieren.
Dabei darf es nie um den nächsten Hype gehen, sondern um echte Entlastung im Alltag. Wir entwickeln und betreiben unsere gesamte Technologie ausschliesslich in der Schweiz. Das bleibt auch in Zukunft ein zentraler Teil unserer Identität.
Mich fasziniert nach wie vor das Zusammenspiel von Recht, Technologie und Unternehmertum. Ich möchte weiterhin an dieser Schnittstelle wirken und dazu beitragen, dass Jurist:innen mit moderner Technologie nicht überfordert, sondern gestärkt werden.
Bei der Recherche nach inspirierenden Karriereverläufen für unsere Alumni-Portrait-Reihe bin ich auf Fabian Staubs Profil gestossen – und habe gesehen, dass er sogar ein doppelter Alumnus der Law School ist: MLaw (2018) und MIL (2016).
Monika Ritter
St. Gallen / Zürich 2025