close

Hintergrund - 15.02.2023 - 11:30 

Philanthropisches Wirken effektiver gestalten

Welche Rolle kann die Philanthropie in unserer Gesellschaft spielen? Wo ist ihr Engagement bei brennenden Problemen wie dem Klimawandel einzuordnen? Und welche Ansätze braucht es, damit ihr Handeln die bestmögliche Wirkung entfaltet? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Kompetenzzentrum Philanthropie an der HSG.

Philanthropie trägt in vielen Bereichen massgeblich dazu bei, Leid zu lindern und ärmeren, sozial benachteiligten Menschen Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Auf der ganzen Welt sind Stiftungen, Nonprofit-Organisationen, nachhaltig orientiertes Investment und viele weitere Akteure engagiert, um an der Lösung globaler Probleme mitzuwirken. «Armut, Hunger und Klimawandel gehören zu den grössten Herausforderungen unserer Zeit. Gerade beim Klimawandel aber sehen wir, dass ein systemisches Problem nach übergreifenden Lösungsansätzen verlangt», betont Dr. Andreas Böhm, der das Center for Philathropy (CfP-HSG) leitet.

Klimawandel beschäftigt den Philanthropiesektor stark

Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen war auch zentrales Thema einer Fachtagung, die das CfP-HSG gemeinsam mit Professor Dr. Markus Frölich vom Center for Evaluation and Development (C4ED) Mitte Februar organisiert hat. Unter dem Titel «Wirkungsvoll philanthropisch investieren» diskutierten die Tagungsteilnehmenden in Workshops, was es braucht, um Aktivitäten mehrerer Organisationen und Sektoren zu koordinieren und durch eine enge Kooperation eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Anschliessend berichteten Reto Thönen (DEZA), Christian Krämer (KfW Entwicklungsbank), Dr. Maximilian Martin (Banque Lombard Odier), Dr. Lukas von Orelli (SwissFoundations) und Dirk Reinhard (Munich Re Foundation) von den Erfahrungen im Zusammenhang mit ihren Engagements im Bereich Klimawandel. Alle fünf betonten, dass das brennende Thema einen sehr grossen Stellenwert in ihren Organisationen hat. Der Klimawandel sei mit den meisten anderen Herausforderungen wie beispielsweise Hunger, Armut oder mangelnder Bildung eng verknüpft. 

Auf Augenhöhe mit den Partnerländern

Die Panelteilnehmenden gingen auch auf die Rolle von Stiftungen im Kontext des Klimawandels ein. Im Gegensatz zu Unternehmen sei ihr Vorteil, keinen Gewinn erwirtschaften zu müssen. Stiftungen seien am Gemeinwohl orientierte zivilgesellschaftliche Akteure, die gleichzeitig stabilisierend und antizipierend auftreten könnten, um Anstösse für Veränderungen zu geben. Sie verfügten über die Fähigkeit, schnell zu agieren und könnten im Gegensatz zur öffentlichen Hand Risiken eingehen, um nach effektiven Lösungen zu suchen. Durchaus selbstkritisch konstatierte das Panel, dass diese Freiheit öfter genutzt werden könnte.

Kein guter Ratgeber sei Zwang, lautete die Antwort auf die Frage, wie die Zusammenarbeit mit den Partnern in den jeweiligen Ländern intensiviert werden kann. Für das Gelingen der Projekte sei es von zentraler Bedeutung, auf Augenhöhe zu kommunizieren und die lokalen Anliegen und Bedürfnisse einzubeziehen. Nur unter diesen Voraussetzungen sei eine nachhaltige Entwicklung möglich. Verbesserungspotential orteten alle fünf Diskussionsteilnehmenden in der Zusammenarbeit ihrer Organisation mit anderen philanthropisch tätigen Akteuren.

Die Wirkung des Engagements messen

Im ersten Teil der Tagung ging es um die Bedeutung und Notwendigkeit, die Wirkung philanthropischer und öffentlicher Aktivitäten zu messen, um die Nachhaltigkeit der Engagements zu optimieren. Es sei zu bedauern, wenn wertvolle finanzielle Mittel durch Projekte verschwendet würden, ohne eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, erklärte Dr. Uwe Rudolf Eschner-Schoenfeld vom Center for Evaluation and Development. HSG-Professor Michael Lechner und Professor Jochen Kluve (Humboldt Universität Berlin und KfW Entwicklungsbank) stellten Methoden und Instrumente der Wirkungsmessung vor. Beide hoben die Bedeutung systematischer, forschungsbasierter Ansätze hervor, um Kausalzusammenhänge festzustellen.

Andreas Böhm und Markus Frölich zeigten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Fachtagung. Die 70 Teilnehmenden aus Deutschland und der Schweiz seien zum Teil von weither an die Universität St.Gallen angereist, erklärte Andreas Böhm. Auch Vertreter:innen grosser Institutionen wie zum Beispiel der Ikea Foundation oder der Deutschen Bank Stiftung hätten teilgenommen. Laut dem Leiter des Kompetenzzentrums Philanthropie wird angestrebt, die Fachtagung jährlich zu wiederholen. «Unser Ziel ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu intensivieren und den Teilnehmerkreis zu erweitern.»

Aus dem Kreis der Anwesenden kam die Anregung, an einer nächsten Veranstaltung auch den Brückenschlag zu Unternehmungen anzustreben. Gerade weil der Klimawandel das Engagement aller Sektoren brauche, sei der Dialog mit Wirtschaft und Politik von grosser Bedeutung.

Claudia Schmid

Bild: Adobe Stock / pogonici

Entdecken Sie unsere Themenschwerpunkte

north