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Forschung - 27.06.2017 - 00:00

Studie zur Lebensqualität und Lebenszufriedenheit

Die Deutschen schätzen ihre Lebenszufriedenheit weitestgehend positiv ein. Für 49,4 Prozent aller berufstätigen Deutschen entspricht das Leben in den meisten Bereichen ihren Idealvorstellungen. Weitere 33,9 Prozent stimmen dieser Aussage zumindest teilweise zu. Das geht aus einer Untersuchung des Center for Disability and Integration an der Universität St.Gallen hervor.

28. Juni 2017. Anlässlich der Präsentation der Studie sagte Andrea Nahles (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales: «Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie viele Menschen mit ihrem Leben zufrieden sind, das ist ein erfreuliches Ergebnis. Quelle der Lebenszufriedenheit ist für viele Menschen die Arbeit – aber nicht für alle: Jeder Fünfte ist mit seiner Arbeit gar nicht zufrieden. Die Ergebnisse zeigen auch, die positiven Einschätzungen sind kein Selbstläufer. Unternehmen, Arbeitgeber und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sozialpartner und Politik müssen gemeinsam daran arbeiten, die Arbeitswelt von morgen menschlicher zu gestalten.»

Unternehmen können Lebenszufriedenheit aktiv fördern

Unternehmen spielen bei der Förderung der Lebenszufriedenheit eine wichtige Rolle, so die Studie. Dabei sind weniger die beruflichen Anforderungen ausschlaggebend, sondern die beruflichen Ressourcen. Das heisst: Flexible Arbeitszeiten, eine gute Beziehung zum Chef oder die Möglichkeit, selbstbestimmt arbeiten zu können, stärken die Lebenszufriedenheit erheblich. «Betriebe können auch in kompetitiven, von Digitalisierung und technischem Wandel geprägten Umfeldern die Lebenszufriedenheit ihrer Beschäftigten aktiv fördern», so Studienleiter Professor Dr. Stephan Böhm vom Center for Disability and Integration an der Universität St.Gallen. «Hierzu müssen sie deren Autonomie stärken, die Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und -zeit ausbauen und die Führungskräfte sensibilisieren und trainieren.»

Belastungsfaktoren Mobbing und Diskriminierung

Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz sind bedeutende Belastungsfaktoren. So berichten nur 38 Prozent der Beschäftigten, die diskriminiert worden sind, dass ihr Leben ihren Idealvorstellungen entspricht. Bei Teilnehmenden ohne diese Erfahrung sind es dagegen 51,7 Prozent. Einen hohen Stressfaktor stellt auch der Druck dar, durch Technologie deutlich schneller arbeiten zu müssen. Von denjenigen, die diesen Druck empfinden, sagen 53,5 Prozent, dass sie emotional erschöpft sind. Ausserdem gilt: Arbeit und Privatleben müssen voneinander abgegrenzt werden können. Eine ständige arbeitsbezogene Kommunikation in der Freizeit trägt zu Schlafproblemen bei und vermindert damit wesentlich die Lebenszufriedenheit der Berufstätigen.

Ausgleich durch soziales Umfeld

Eine höhere berufliche Stellung und damit ein höheres Einkommen haben laut Studienergebnissen einen positiven Einfluss auf Zufriedenheit und Gesundheit. Während nur 37,9 Prozent der Beschäftigten mit einem Nettoeinkommen von unter 1000 Euro im Monat ihr Leben ideal empfinden, sind es bei den Topverdienern mit mehr als 4000 Euro im Monat 70,2 Prozent.

Der Geld-Faktor ist aber nur ein Eckpfeiler für das Lebensglück. Ein stabiles soziales Umfeld mit Familie, Kindern und Freunden trägt ebenfalls massgeblich zum Erhalt von Gesundheit und Zufriedenheit bei. Der familiäre Anker ist wichtig: Bei geringer Unterstützung sind nur 26,2 Prozent mit ihrem Leben zufrieden, bei hohem Beistand 57,8 Prozent. Gerade Kinder sind keine Belastung, sondern Ausgleich und emotionale Stabilität. Sie führen nicht zu erhöhter emotionaler Erschöpfung oder mehr Stress: 55,2 Prozent aller Teilnehmer mit Kindern gaben an, mit dem Leben zufrieden zu sein, nur 46,9 Prozent der Kinderlosen waren derselben Meinung.

Für die Studie mit dem Titel «Lebensqualität und Lebenszufriedenheit von Berufstätigen in der Bundesrepublik Deutschland» wurden mehr als 8000 deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im April 2017 befragt. Die Untersuchung entstand im Auftrag der BARMER in Kooperation mit BILD am SONNTAG und basiert auf einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK.

Bild: Photocase / Bernd Vonau

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