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Forschung - 03.04.2020 - 00:00

10. Kundenbarometer erneuerbare Energien

55% der Schweizerinnen und Schweizer denken, dass die Energiewende zu langsam voranschreitet. Vier von fünf Befragten begrüssen das Engagement der Klimajugend. Eine knappe Mehrheit von 54% der Bevölkerung würde ein Verbot von Ölheizungen unterstützen. Und 71% der Befragten sprechen sich dafür aus, durch öffentliche Investitionen den Ausbau der Solarenergie zu beschleunigen. Zu diesen Ergebnissen kommt das 10. Kundenbarometer erneuerbare Energien der Universität St.Gallen in Zusammenarbeit mit Raiffeisen Schweiz und Energie Schweiz.

3. April 2020. 55% der Schweizerinnen und Schweizer denken, dass die Energiewende zu langsam voranschreitet. Allerdings besteht ein «Rösti-Graben»: Während nur 3% der Westschweizer Befragten der Meinung sind, dass es bei der Energiewende zu schnell gehe, steigt dieser Anteil in der Deutschschweiz auf 16%.

Die Durchführung des Kundenbarometers über mehrere Jahre erlaubt es, Veränderungen über die Zeit zu erkennen. So ist das Vertrauen in die Möglichkeit eines Verzichts auf fossile Energien in den letzten Jahren stark gestiegen: Waren im Jahr 2015 nur 47% der Befragten zuversichtlich, dass wir eines Tages ohne fossile Energie auskommen können, ist dieser Wert 2020 auf 67% gestiegen.

Starke Unterstützung für die Gletscher-Initiative

Fände die Abstimmung über die Gletscher-Initiative heute statt, würden 67% der Befragten die Initiative annehmen oder eher annehmen. Die stärkste Unterstützung kommt von den jungen Befragten (78% der unter 30-Jährigen), während die Zustimmung bei den 30- bis 44-Jährigen mit 56% tiefer ist. Eine mögliche zweite Volksinitiative, deren Mehrheitsfähigkeit in der Umfrage analysiert wurde, betrifft die Finanzierung der Energiewende. Sie schlägt vor, den Ausbau der Solarenergie durch einen einmaligen Investitionsbeitrag der Schweizerischen Nationalbank zu beschleunigen, welche im Jahr 2019 einen Jahresgewinn von 49 Mrd. Franken ausgewiesen hatte. Das Ergebnis zeigt mit 71% ja oder eher ja eine ähnlich hohe Unterstützung für diese hypothetische Initiative wie für die Gletscher-Initiative.

E-Mobilität: Grosses Interesse, aber Wissenslücken bleiben bestehen

Die Verbreitung von Elektromobilität gewinnt an Dynamik. Von den Befragten, die sich für den Kauf eines Autos in den nächsten fünf Jahren interessieren, würden 51% ein reines Elektroauto als erste oder zweite Präferenz wählen. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen können sich noch nicht im gleichen Ausmass für Elektroautos begeistern wie Männer. Während das Interesse an der Elektromobilität zunimmt, bestehen nach wie vor Wissenslücken: Im Unterscheid zu verschiedenen Ökobilanz-Analysen denken nur 60% der Befragten, dass Elektroautos einen wesentlichen Beitrag zur Verminderung von CO2-Emissionen leisten.

Ölheizung: Zeit des Abschieds?

Die Schweiz hat den höchsten Anteil Ölheizungen in ganz Europa. Eine knappe Mehrheit der Befragten findet, dass sich dies ändern sollte: 54% würden ein Verbot von Ölheizungen befürworten oder eher befürworten. Dabei wäre nur für 2% der Hausbesitzer eine Ölheizung die erste Wahl für den Ersatz ihrer Heizungsanlage. Es ist jedoch zu bedenken, dass die tatsächliche Entscheidung von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Wenn eine defekte Ölheizung schnell ersetzt oder repariert werden muss, bleibt es oft beim Status Quo. Und auch die Empfehlung eines Installateurs spielt eine wichtige Rolle.

Vom Interesse zum Handeln: Kann ein «Klimabonus» auf Hypotheken helfen?

Ein begrenztes Budget wird von Hausbesitzern oft als Hürde für Investitionen in erneuerbare Energien genannt. Damit dem Interesse an erneuerbaren Energien auch Taten folgen, könnte ein "Klimabonus" auf Hypotheken hilfreich sein: Eine zweckgebundene Erhöhung der Hypothek für die Umsetzung klimafreundlicher Massnahmen würde 28% der renovationswilligen Hauseigentümer dazu veranlassen, ihre Absicht zu verwirklichen und in eine PV-Anlage zu investieren.

 

 

 

10. Kundenbarometer erneuerbare Energien: Knappe Mehrheit für Ölheizungsverbot

 

 

 

10. Kundenbarometer erneuerbare Energien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kundenbarometer erneuerbare Energien des Instituts für Wirtschaft und Ökologie der HSG untersuchte zum 10. Mal die Präferenzen der Schweizer Bevölkerung in Energiefragen.

 

 

 

Klimawandel: starke Gefühle und verbleibende Wissenslücken

Der Klimawandel löst starke Gefühle aus. 53% der Befragten sind traurig, wenn sie an den Klimawandel denken und 37% haben Angst. Diese Emotionen können damit zusammenhängen, dass es für 69% der Befragten sehr wahrscheinlich erscheint, dass ihre Region vom Klimawandel betroffen sein wird. 51% geben an, dass dies heute schon der Fall sei. Allerdings bestehen in Teilen der Bevölkerung weiterhin Wissenslücken. Während 97% der Klimaforscher überzeugt sind, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel stattfindet (American Association for the Advancement of Science, 2014), unterschätzen die Befragten diesen breiten Konsens und denken, dass sich nur 69% der Wissenschaftler einig sind.

#FridaysforFuture: Sympathie für Klimajugend, aber auch Skepsis

Seit eineinhalb Jahren hat die Bewegung Fridays for Future einen hohen Stellenwert in der Klima-Debatte. Die Ergebnisse zeigen, dass 80% der Schweizerinnen und Schweizer es begrüssen, dass sich junge Menschen für Umweltfragen und Klimaschutz interessieren. Auf der anderen Seite gibt es auch eine gewisse Skepsis bezüglich der Wirksamkeit der Streiks: 62% der Befragten glauben, dass durch die Demonstrationen der Umwelt nicht viel geholfen ist.

Klima-Lösungen: Technologische Innovation oder Verhaltensänderung?

Beim Klimaschutz setzen die Befragten grosse Hoffnungen in technologische Innovation. Gemischte Gefühle herrschen in Bezug auf Verhaltensänderungen. Nur 20% halten es für sehr oder eher wahrscheinlich, dass viele Menschen ihren Energieverbrauch freiwillig reduzieren werden, um das Klima zu schützen. Andererseits sehen 67% der Befragten in einem veränderten Konsumverhalten die zweitwichtigste Stellschraube für eine Lösung des Klimaproblems. An erster Stelle steht mit 78% die technologische Innovation.

Luftfahrt: Aufkommender Gegenwind für CO2-intensive Reisen

Der Flugverkehr macht einen bedeutenden Teil des schweizerischen CO2-Fussabdrucks aus (12-18% der Emissionen). Unsere Studie zeigt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung diesen Anteil unterschätzt. 67% der Befragten finden, Fliegen sei zu billig. Dies ist ein starker Anstieg um 10 Prozentpunkte gegenüber 2018. Er spiegelt die öffentliche Diskussion um eine Flugticketabgabe wider.

Die detaillierten Studienergebnisse, illustrierte Infografiken zum Download sowie weitere Informationen finden Sie im Internet unter: https://kuba.iwoe.unisg.ch

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