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Forschung

Wir sind daran interessiert, neue Wege zu entwickeln, um Migration/Mobilität als analytisch-methodische Linse zu nutzen, um zu untersuchen, wie Gesellschaften und globale Verflechtungen funktionieren und sich verändern; wie auch um Migrations- und Mobilitätsforschung miteinander zu verbinden. Unsere aktuelle Forschung und Lehre umfasst die folgenden Forschungsschwerpunkte:

(Im)Mobilität, Grenzen und Ungleichheit

Bereits Ende der 1970er Jahre sprach Edward Said von einem „allgemeinen Zustand der Heimatlosigkeit”, wobei er sich in erster Linie auf Flüchtlings- und Diasporagemeinschaften bezog. Seitdem haben sich Mobilitäts- und Vertreibungsmuster weiter diversifiziert, was einerseits zu neuen Formen der Zugehörigkeit, Vorstellungen von „Heimat”, Lebensformen und Gemeinschaften geführt hat; andererseits aber auch zu differentiell-restriktiveren und rassifizierten Staatsbürgerschafts- und Migrationsregimen. In einer Zeit der Überakkumulation und des beispiellosen Reichtums (im globalen Norden) wird dessen Verteilung selektiver, während Behauptungen über „Verdienstbarkeit“ (Un/Deservingness) von Migrant*Innen als entscheidende ideologisch-politische Instrumente von Moralisierung und Aufrechterhaltung von Ungleichheit wirken. Wir interessieren uns dafür, wie Muster von (Im-)Mobilität, Vertreibung und In-/Exklusion in bestimmte (koloniale und imperiale) Geschichten, nativistische Ideologien und Politiken eingebettet sind, wodurch Mobilität und grenzenüberschreitende Bewegungsfreiheit für manche Menschen zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens gehören, während sie für andere zu Unmöglichkeit bzw. Notwendigkeit werden. 

(Pflege-)Arbeitsmigration und soziale Reproduktion

Die Migrationspolitik im Globalen Norden, welche durch Selektivität, Abschreckung und Abschiebung gekennzeichnet ist, entfaltet sich inmitten von Arbeitskräftemangel, der Krise der sozialen Reproduktion/Pflege wie auch der Ausbeutung rassifizierter und illegalisierter migrantischer Arbeit. Diese Entwicklungen verlaufen parallel zu neuen Initiativen für Regularisierung (z. B. Spanien, Griechenland) sowie neuen Arbeitsmigrationsregimen, „stiller Liberalisierung” von Einwanderung (z. B. in Mittel- und Osteuropa/Südosteuropa) usw. Wir untersuchen diese ambivalenten Dynamiken jenseits epistemischer Gegensätze (z. B. Zwangs-/Arbeitsmigration, demokratische/illiberale Kontexte), um Migration als ein zentrales Element der sozialen Reproduktion und der gesellschaftlichen Zukunft besser zu verstehen, insbesondere in Zeiten, in denen anti-Migration Argumente ein effektives populistisch-politisches Instrument darstellen. Wir entwickeln ethnografische Analysen zu wichtigen gesellschaftlichen Bereichen wie Gesundheitswesen, Bildung, Familienpolitik, Sozialarbeit, Sozialhilfe oder Einbürgerung.

(Im)Mobilität, Bildung und der Körper in Bewegung

Wir interessieren uns dafür, wie Wissen über Migration und Mobilität durch Zusammenarbeit und gemeinsame Wissensproduktion mit Bildungspraktiker*Innen und Studierenden in verschiedene Bildungsbereiche übertragen werden kann (Schulen, Lehrer*Innenausbildung, Wirtschaftsuniversitäten, Kunst-/Tanzausbildung usw.). Der Fokus auf den Körper in Bewegung ermöglicht eine materiell-affektive Integration von Migrations- und Mobilitätsforschung und bietet den Rahmen für eine Vielzahl von Forschungsthemen (z. B. gender/queer Dimensionen von relationaler Bewegung; Racial Profiling in Verkehrsinfrastrukturen; Biopolitik der Migration/Mobilität; Körperbilder und -praktiken in der Pflegearbeit). Dieser Fokus rückt auch angewandte Aspekte und Kooperationen (Krankenhäuser, Unternehmen, Künstler*innen usw.) sowie multimodale Outputs (neue didaktische Formate, Ausstellungen, Performances usw.) in den Vordergrund.

Methodische Zugänge

Wir verwenden Ethnographische Feldforschung, qualitative Forschungsmethoden, Vergleich, bewegungsbasierte und multimodale Methoden sowie Methoden der historischen und angewandten Anthropologie. Darüber hinaus stellen kollaborative Methoden Wissen sicher, dass auch für Praktiker*Innen nutzbar ist (z. B. Pädagog*Innen, Sozialarbeiter*Innen, politische Entscheidungsträger*Innen, NGOs, Künstler*Innen).

Regionaler Fokus

Wir konzentrieren uns auf Europa (CEE/SEE, Schweiz, Österreich) als dynamische Konfiguration ungleicher Regionen und globaler Verflechtungen (insbesondere mit dem globalen Osten/Süden) und als epistemologischen Ort (selbst-)kritischer Wissensproduktion.

Jelena Tosic

Prof. Dr.

Titularprofessorin /Ständige Dozentin für Migrationsstudien

SHSS-HSG
Büro 51-6038
Unterer Graben 21
9000 St. Gallen
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