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Braucht es die Informatik noch?

Braucht es die Informatik noch?

Provokative Stimmen sagen, dass man heute nicht mehr programmieren können muss. Einige schliessen daraus, dass es auch keine Software Engineers mehr braucht. Schliesslich könne generative künstliche Intelligenz (wie bspw. Claude Code, Google Gemini, oder ChatGPT) diese Aufgaben für uns erledigen. In Wirklichkeit braucht die Welt zu Zeiten von KI hingegen umso mehr top ausgebildete Fachkräfte in Informatik.

Generative KI führt in der Programmierung dazu, dass einige mühsame Aufgaben automatisiert werden können. Die Vergangenheit lehrt uns, dass dies zu einem höheren Bedarf an Expertise führt. Beispielsweise ist Python eine populäre Programmiersprache, unter anderem weil sie viele darunterliegende Details für uns übernimmt. Dies hat nicht dazu geführt, dass weniger Leute Software bauen, sondern genau zum Gegenteil. Mehr und grössere Software wird gebaut, höhere Komplexität entsteht, ... und die Anforderungen an die Menschen stiegen. Nicht bezüglich Implementierungsfragen auf Bit-Level, sondern in Bezug auf Problemanalyse, Software-Design und das Handhaben von Komplexität.

Durch generative KI wird dieses Muster nun nochmals verstärkt. "Vibe coding" (also das KI-unterstützte Erstellen von Code, ohne wirklich zu verstehen, was passiert) holt Laien in die Programmierung. Mehr Code kann generiert werden, als Menschen sinnvollerweise analysieren und verstehen können. Neue Anwendungsgebiete von KI entstehen (bspw. in Medizin, autonomes Fahren, oder in Rechtswissenschaft). Mehr Code. Mehr Komplexität. Kürzere Entwicklungszeit. Insgesamt: Ein exponentielles Wachstum an Code und Komplexität rollt auf uns zu.

Wenn in diesem Kontext etwas verlässlich funktionieren muss, dann braucht es Expertise. Nicht darin, Bits und Bytes zu definieren, sondern bspw. darin, die Gestaltungsgrundsätze für Grossprojekte zu definieren, Coder (ob menschlich oder künstlich) zu koordinieren, sicherzustellen, dass Neues in Bestehendes integriert werden kann, sich echte Gedanken zu Problemen zu machen und diese dann in Lösungen umzuwandeln.

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