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Boden neu denken – Wie das Circular Lab an der Zukunft nachhaltiger Flächennutzung arbeitet

Phase 1: Warum Zirkularität ein Schlüsselthema der Boden- und Flächenplanung ist

Zirkularität bedeutet im Bodenkontext mehr als nur geschlossene Materialströme: Sie beschreibt einen verantwortungsvollen Umgang mit einer Ressource, die sich nur sehr langsam erneuert und zugleich die Grundlage für Ernährung, Biodiversität, Klimaresilienz und Lebensqualität bildet. Im Circular Lab wurde deshalb eine zirkularitätsorientierte Arbeitsgrundlage entwickelt, die zeigt, wie Kreislaufprinzipien auf Böden übertragen werden können (vgl. Abbildung).

Zirkularitätsorientierte Arbeitsgrundlage für die Boden- und Flächenplanung
«Zirkularitätsorientierte Arbeitsgrundlage für die Boden- und Flächenplanung», eigene Darstellung in Anlehnung an die Flächenverbrauchshierarchie der EU-Bodenstrategie sowie an die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft

Die Darstellung zeigt, dass zirkuläres Handeln im Umgang mit Boden bereits bei der vorsorglichen Planung beginnt.

  • Verlangsamung des Flächenverbrauchs – also möglichst wenig neues Land verbrauchen und neue Böden versiegeln.
  • Eingrenzung des Verbrauchs auf bereits belastete oder genutzte Flächen – bevor wertvolle, gesunde Böden beansprucht werden.
  • Regeneration der Bodenökosysteme – natürliche Prozesse werden unterstützt, sodass Bodenleistungen sich erholen und langfristig stabilisieren.
  • Wiederverwendung von Flächen – Nutzung bereits beanspruchter Flächen für dieselben oder andere Zwecke.

Diese Logik entspricht den bekannten «R-Strategien» der Kreislaufwirtschaft (Refuse, Reduce, Reuse, Repair, Regenerate). Sie macht sichtbar: Böden können in Kreisläufen gedacht und gepflegt werden – aber nur, wenn ihr Zustand und ihre Funktionen verstanden werden.

Genau hier setzt die Boden- und Flächenplanung im Circular Lab an.

 

Phase 2: Entwicklung eines integrierten Bodenbewertungstools

Es entsteht ein integriertes Bodenbewertungstool, das die bislang vorherrschende ökonomische Perspektive erweitert und ökologische, ökonomische und soziale Bewertungskriterien gleichermassen berücksichtigt, zusammenführt und sichtbar macht. Es unterstützt Gemeinden, Planungsstellen und Entscheidungsträger dabei,

  • Nutzungskonflikte zu erkennen,
  • Prioritäten im Sinne der Zirkularität zu setzen,
  • Bodenfunktionen zu erhalten oder wiederherzustellen
  • und politische Entscheidungen faktenbasiert zu treffen.
Ausschnitte aus dem Bodenbewertungstool
«Ausschnitte aus dem Bodenbewertungstool»

Phase 3: Der interdisziplinäre und grenzüberschreitende Expertenworkshop vom 22. Oktober 2025 zum Bodenbewertungstool

Um das Bewertungstool zu validieren und weiterentwickeln trafen sich 23 Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Raumplanung, Landschaftsarchitektur, Bodenschutz und weiteren Bereichen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsarbeit aus drei Ländern (CH, AT, FL) zu einem ganztägigen Austausch.

Am Vormittag wurden die Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales vertieft sowie Bewertungskriterien, Gewichtungen, Messbarkeit und Idealzustände verschiedener Flächenkategorien diskutiert.

Am Nachmittag wurde die Theorie verlassen und ein Experiment gewagt: Eine systemische Aufstellung machte die Dynamiken zwischen Boden, Gesellschaft und Bewertung spürbar und regte zum Nachdenken an.

Im Folgenden einige zentrale Erkenntnisse:

  • Gesunde Böden sind ein unterschätztes Kraftwerk.
    Sie speichern Wasser, filtern Schadstoffe, regulieren das Klima, halten unser Ökosystem stabil – und bilden die Grundlage unserer Ernährung. Ein Bodenbewertungstool muss diese «unsichtbaren Dienste» sichtbar und vergleichbar machen.
  • Bodenwerte müssen standorttypisch bewertet werden.
    Böden sind vielfältig und standortabhängig. Ihr Wert muss im Kontext ihres Ökosystems verstanden werden. Ein Boden gilt dann als hochwertig, wenn er jene ökologischen Leistungen erbringt, die für seinen Naturraum typisch und sinnvoll sind.
  • Ökologie wirkt direkt auf unser Leben – und auf unsere Kosten.
    Hitzeinseln, Wasserknappheit, schlechte Luftqualität oder Naturgefahren sind nicht nur ökologische Themen, sondern auch gesundheitliche und wirtschaftliche. Ein Boden, der Wasser speichert oder kühlt, schützt die Bevölkerung und spart Kosten. Diese Zusammenhänge müssen sichtbar werden.
  • Soziales wird oft vergessen – dabei ist es zentral.
    Flächen beeinflussen Erholung, Lebensqualität, Teilhabe und Ernährungssicherheit. Deshalb braucht die soziale Dimension klarere Kriterien und eine stärkere Einbindung sozialwissenschaftlicher Perspektiven.
  • Viele Flächen sind mehr als wir denken.
    Waldränder, Uferzonen oder Brachen gelten oft als «Restflächen» – dabei sind sie Hotspots der Biodiversität oder wichtige Vernetzungsräume. Das Bewertungstool sollte diese Vielfalt abbilden.
  • Gute Entscheidungen brauchen gute Daten.
    Für eine faire Bodenbewertung sind solide, belastbare Grunddaten entscheidend – nicht nur grobe, abgeleitete Gesamtwerte. Nur auf einer verlässlichen Datengrundlage lassen sich Bodenfunktionen realistisch einschätzen und vergleichen.
  • Ein Bewertungstool muss einfach genug für die Praxis sein – und differenziert genug, um der Realität gerecht zu werden.
    Die Kunst liegt im Ausbalancieren: genug Tiefe, um Bodenleistungen fair abzubilden, aber nicht so komplex, dass das Tool unbrauchbar wird. Hier ist der Entwicklungsprozess besonders wichtig – und genau deshalb braucht es Workshops wie diesen.

 

Download der vollständigen Workshop-Dokumentation

Die ausführliche Dokumentation aller Ergebnisse sowie das Executive Summary stehen hier zum Download bereit:

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