Arnold Rothenberger prägt als Radiopionier die Einführung des Rundfunks in der Ostschweiz und beschert der Handelshochschule St.Gallen eine der ersten Radiostationen in der Schweiz.

Arnold Rothenberger wird am 17. September 1881 in St.Gallen geboren, wo er seine Schulzeit und das Sekundarlehramt absolviert. Im Jahr 1902 studiert er an der ETH Zürich Physik und Mathematik und promoviert im Jahr 1909. Er bleibt noch zwei Jahre als Assistent an der ETH tätig und wechselt 1911 als Mathematik- und Physiklehrer an die Kantonsschule Trogen. In dieser Funktion arbeitet er 40 Jahre lang hauptamtlich.
Daneben erhält er ab 1912 einen Lehrauftrag für Physik und mechanische Technologie an der Handelshochschule St.Gallen (heute HSG). Rothenberger bleibt dort während 100 Semestern tätig. Am 29. Januar 1919 verleiht ihm der Hochschulrat den Titel als Honorarprofessor. Er hält Vorlesungen zur Experimentalphysik, Physikvorlesungen im Vorkurs und Abendvorlesungen zu aktuellen physikalischen, astronomischen und meteorologischen Fragen. Zudem ist er Examinator bei den Aufnahmeprüfungen.
Die Hochschule profitiert aber nicht nur von Rothenbergers Lehrtätigkeit. Er stattet die physikalische Sammlung immer wieder mit modernsten Gerätschaften aus, um seinen Unterricht anschaulicher gestalten: neben einem Fernrohr für Vorführungen in öffentlichen Astronomie-Vorlesungen, einem Oszillographen und Röntgenröhren, zählt auch eine Empfangsanlage für Radiotelegraphie zu seinen Anschaffungen.
Im Januar 1913 stellen Arnold Rothenberger und Chemieprofessor Johann Jovanovits dem Rektorat den Antrag, zu Demonstrationszwecken für den Physikunterricht «eine Anlage, welche die praktische Verwendung der drahtlosen Telegraphie zeigt, einzurichten.» Von dieser Radiotelegraphie-Station profitierten, so führen die beiden in ihrem Antrag aus, auch die städtischen Behörden und die Geschäftswelt: Mit dem Empfang von Zeitsignalen der Pariser Sternwarte würde den Klagen über die divergierenden Stadtuhren abgeholfen und so das Ansehen der Hochschule steigen. Vor allem letzteres Argument verfängt bei Rektorat und Schulrat, die den Antrag bewilligen.
Am 16. April 1913 wird die Konzession für die Inbetriebnahme einer der schweizweit ersten Radiostationen auf dem Dach des Hochschulbaus an der Notkerstrasse erteilt. Mit dieser Station werden noch keine Radiosendungen, sondern «die internationalen Zeitsignale und Witterungsdepeschen vom Eiffelturm in Paris und von der deutschen Station Norddeich […]» abgehört. Gelegentlich wird auch eine Handelsdepesche aufgeschnappt und entziffert.


Arnold Rothenberger begnügt sich nicht mit dem Aufbau der Empfangsstation. Er gründet am 23. Mai 1923, einige Monate nachdem in der Schweiz auch Programmnummern im Radio gesendet werden, den Radio-Club St. Gallen. Dieser sollte das Medium in der Bevölkerung bekannt machen. Auch die Handelshochschule ist Clubmitglied. Sie erlaubt dem Verein im Jahr 1929, seine Messgeräte in der Physikalischen Sammlung aufzubewahren.
Als ab 1930 das schweizerische Radiowesen durch die Obertelegraphendirektion reorganisiert wird, wird Rothenberger in die Kommission berufen und setzt sich für die Vertretung der bisher sender- und sendeorganisationslosen Ostschweiz (AI, AR, GL, GR, SG, TG) in der neuen «Schweizerischen Rundspruch-Gesellschaft (SRG)» ein. Dafür gründet er 1930 die die «Ostschweizerische Radiogesellschaft (ORG)»., die bis heute in der “SRG Ostschweiz” fortbesteht.
Auf Ende Wintersemester 1941/1942 entschliesst sich Rothenberger, seine Lehrtätigkeit an der Handelshochschule niederzulegen, da er mit seinem Lehramt in Trogen und seinen Verpflichtungen im Wetterdienst der Armee ausgelastet ist. Er bleibt der Handelshochschule aber bis über sein achtzigstes Lebensjahr hinweg als Examinator bei den Aufnahmeprüfungen erhalten. Am 21. August 1972 stirbt Arnold Rothenberger mit 91 Jahren in Trogen.