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Leute - 16.12.2022 - 18:30 

Schweizerische Nationalbank nominiert Angelo Ranaldo für den SNB-Bankrat

Wir sprachen mit Professor Angelo Ranaldo über die Ernennung, die Rolle und seine künftigen Aufgaben im SNB-Bankrat.
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Der Schweizerische Nationalbankrat ist das Organ, das die Schweizerische Nationalbank leitet, beaufsichtigt und kontrolliert. Am 16. Dezember 2022 gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekannt, dass sie Angelo Ranaldo, Professor für Finanzen und systemische Risiken an der School of Finance (SoF-HSG) der Universität St.Gallen (HSG), für den SNB-Bankrat nominiert hat. Ranaldo wird für eine Amtszeit von mindestens vier Jahren für das Gremium tätig sein, wenn die SNB-Generalversammlung die Mitgliedschaft im April 2023 bestätigt.

Herr Professor Ranaldo, wie kam es zu Ihrer Nominierung für den SNB-Bankrat?

Am 4. November 2022 wurde ich von der Selektions- und Nominationskommission der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – Bankrat – interviewt. Ich fand, dass das Gespräch gut verlaufen ist, und später am Nachmittag rief mich die Präsidentin des SNB-Bankrats, Barbara Janom Steiner, an und teilte mir mit, dass sie mich gerne für das Amt vorschlagen würde. Ich habe gerne zugesagt. Auch die ehemalige HSG-Professorin Monika Bütler war von 2010 bis 2022 formell im SNB-Bankrat tätig.

Warum ist dieses Amt wichtig? 

Weil die SNB für das Wohlergehen der Schweiz entscheidend ist. Sie gibt nicht nur Schweizer Franken aus. Sie steuert als unabhängige Behörde auch die Geldpolitik und gewährleistet die Finanzstabilität. Das Bundesgesetz schreibt drei Organe der Nationalbank vor, nämlich die Generalversammlung der Aktionäre, das Direktorium und den Bankrat.

Was ist die besondere Rolle des Bankrats? 

Der Bankrat ist so etwas wie das Direktorium der Nationalbank. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Geschäftsführung der Nationalbank zu überwachen und zu kontrollieren. Gemäss Artikel 42 des Bundesgesetzes hat der Bankrat 12 Aufgabenbereiche, darunter die Überwachung der Vermögensanlage und des Risikomanagements.

Wie viele Personen gehören dem Bankrat an? 

Der Bankrat besteht aus elf Mitgliedern. Das Schweizer Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank (Art. 40) regelt die Mitgliedschaft in diesem Gremium wie folgt: «Zu Mitgliedern des Bankrats werden nur Personen gewählt, die das Schweizer Bürgerrecht besitzen, einen tadellosen Leumund haben und über anerkannte Kenntnisse auf dem Gebiet des Bank- und Finanzwesens, der Betriebswirtschaft, der Wirtschaftspolitik oder einer wissenschaftlichen Disziplin verfügen.» Unter den Mitgliedern sind jeweils auch zwei Akademiker:innen, diesmal Professorin Rajna Gibson von der Universität Genf und ich. 

Welchen Beitrag wollen Sie in diesem Gremium leisten?

Ich habe immer fortschrittliche Forschungsprojekte zu Fragen der Finanzstabilität und der Geldpolitik durchgeführt und möchte diese Erfahrung und technisches Know-how einbringen. Dieses Wissen wird auch bei der Bewertung von Themen wie der Anlagepolitik und den von der Nationalbank verwendeten Risikomodellen von Nutzen sein. 

Welches sind die aktuellen Themen und Herausforderungen für die Nationalbank?

Der Bankrat muss die SNB bestmöglich dazu befähigen, die Preisstabilität im Land zu wahren und weiterhin ein widerstandsfähiges Finanzsystem zu gewährleisten. Die grösste Herausforderung, mit der wir derzeit konfrontiert sind, ist die Inflation. Als offene Volkswirtschaft ist die Schweiz natürlich auch externen Schocks wie dem Krieg gegen die Ukraine ausgesetzt. 

Welche Rolle spielt dabei der Schweizer Franken?

Eine entscheidende Rolle. Unser Land profitiert von vielen positiven Aspekten wie soliden Staatsfinanzen, wettbewerbsfähiger Industrie und Dienstleistungen, einem guten Bildungssystem und so weiter. Der starke Schweizer Franken stellt den «Gegenwert» all dieser guten Dinge dar. Im gegenwärtigen Kontext der Unsicherheit ist der Schweizer Franken noch stärker geworden, was wichtige Konsequenzen für die Geld- und Anlagepolitik der SNB hat. Einerseits mindert er den Inflationsdruck. Andererseits entwertet er aber auch die Devisenreserven der SNB. Aus diesem Grund ist die Inflation in der Schweiz niedriger als in anderen Ländern, aber die SNB hat in letzter Zeit einen grossen Verlust erlitten, und wir müssen weiterhin alle diese Faktoren analysieren, um gute Entscheidungen treffen zu können.

Angelo Ranaldo ist ordentlicher Professor für Finanzen und systemische Risiken an der HSG und hat einen Lehrstuhl am Swiss Finance Institute (SFI-HSG) inne. Er war als Berater und wissenschaftlicher Referent für internationale Institutionen wie die Bank of England, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Europäische Zentralbank und das European Money Market Institute tätig. Die Europäische Zentralbank verlieh ihm 2018 das Duisenberg-Stipendium.

Bild: Keystone / SNB

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