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Forschung - 13.01.2026 - 11:00 

HSG liefert Grundlagen für eine Kreislaufwirtschaft der Kompetenzen

Die Universität St.Gallen (HSG) hat im Rahmen des nun abgeschlossenen Innosuisse-Flagship-Projekts «Swiss Circular Economy of Skills and Competencies» (SCESC) das Fundament für technische Lösungen mitentwickelt, die den Arbeitsmarkt grundlegend transformieren sollen.

Der Schweizer Arbeitsmarkt steht vor grossen Herausforderungen. Einerseits drohen durch den demographischen Wandel Fachkräfte immer knapper zu werden. Gleichzeitig veralten bestehende Fähigkeiten durch Digitalisierung und Automatisierung rasant. Ausserdem wird das Matching von Fähigkeits- und Anforderungsprofilen immer herausfordernder: Herkömmliche Lebensläufe listen zwar Jobtitel auf, bilden aber die tatsächlich in Projekten oder durch informelles Lernen erworbenen Kompetenzen von Fachkräften nicht präzise ab. Das Ziel des 2022 gestarteten Forschungsprojekts SCESC war es daher, ein datengetriebenes, lernzentriertes Ökosystem für lebenslanges Lernen zu schaffen, das die Anforderungen des Arbeitsmarktes, Bildungsangebote und die individuelle Kompetenzentwicklung systematisch in einer «Kreislaufwirtschaft der Kompetenzen» verknüpft.

Ein digitaler Fähigkeitsausweis für die Schweiz

SCESC schuf das Grundlagenwissen, das nun von digitalen Plattformen genutzt werden kann, um passgenauere Weiterbildungsangebote zu vermitteln, individuelle Lerncoaches zu erstellen und den Abgleich von Kompetenzprofilen mit offenen Stellen zu verbessern. So entwickelt etwa die Projektpartnerin Work-ID AG auf Basis der Ergebnisse die «Work-ID». Diese soll als digitaler Fähigkeitsausweis für die Schweizer Arbeitswelt fungieren. Einzelpersonen können dort all ihre Fähigkeiten mit Stellenprofilen aus der ganzen Schweiz vergleichen.

HSG massgeblich beteiligt

Von der HSG waren das Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI-HSG) und das Institut für Wirtschaftspädagogik (IWP-HSG) an SCESC beteiligt. Prof. Dr. Roman Rietsche und Dr. Andreas Janson vom IWI-HSG übernahmen im Projekt eine federführende Rolle: Sie verantworteten die wissenschaftliche Gesamtprojektleitung und koordinierten über die dreijährige Projektlaufzeit die Zusammenarbeit zwischen den fünf beteiligten Hochschulen sowie den Umsetzungspartnern aus Wirtschaft und Verbänden. Zusätzlich leiteten sie das Teilprojekt «Digital Coach», in dem ein KI-gestützter Lernbegleiter entwickelt wurde, der Nutzende bei der Erreichung ihrer individuellen Lernziele unterstützt. Der Coach basiert auf grossen Sprachmodellen und kann dadurch im Dialog auf persönliche Kompetenzlücken eingehen und passende nächste Schritte vorschlagen. In einem weiteren Teilprojekt wurde das «NarrativeNet»-Framework entwickelt, das Knowledge-Graph-Technologie mit generativer KI kombiniert, um verstreute Bildungsressourcen auffindbar zu machen und für neue Lernangebote zu strukturieren.

Im Rahmen der Entwicklung des kompetenzorientierten Fundaments des Projekts wirkten Prof. Dr. Bernadette Dilger und Marco Strate vom IWP-HSG mit. Sie entwickelten die wissenschaftlichen und konzeptionellen Grundlagen zur Modellierung von Kompetenzen, die als Basis für die KI-basierten Lösungen im Projekt dienten. Zudem zeigt ihr Beitrag auf, wie formal und nicht-formal erworbene Kompetenzen auf digitalen Plattformen dokumentiert und validiert werden können. Damit werden zentrale Voraussetzungen geschaffen, um Kompetenzen gezielt mit Weiterbildungsangeboten und/oder offenen Stellen abzugleichen und gegenüber Dritten transparent und nachvollziehbar darzustellen. 

Flagship-Projekt von Innosuisse

SCESC wurde von Innosuisse mit rund 4.3 Millionen Schweizer Franken (CHF) finanziert und verfügte über ein Gesamtbudget von rund CHF 6.6 Millionen. Es vereinte neben der HSG zahlreiche namhafte Institutionen. Zu den wissenschaftlichen Partnern gehörten die Universität Zürich (UZH), die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB) sowie die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Umsetzung in die Praxis erfolgte durch die enge Zusammenarbeit mit bedeutenden Verbänden wie Swissmem, Swiss ICT und Arbeitgeber Banken.

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