Forschung - 25.03.2026 - 10:00
Im Kampf gegen den Klimawandel wird zunehmend ein klares Engagement von Unternehmen zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen gefordert. Viele Firmen, insbesondere grosse Konzerne, veröffentlichen deshalb Nachhaltigkeitsberichte, in denen sie ihre Klimaziele darlegen und Bilanz über ihre Bemühungen ziehen. So können Stakeholder die Klimaversprechen von Unternehmen nachvollziehen und ihr Engagement an den erklärten Zielen messen. Jedoch blieb bisher unklar, inwieweit solche Selbstverpflichtungen von Unternehmen über einen längeren Zeitraum tatsächlich beibehalten und umgesetzt werden.
Forschende der HSG zeigen in Zusammenarbeit mit der Chatham University und der Cornell University in den USA nun, wie oft ebenjene Versprechen angepasst, beschönigt, fallengelassen oder erst im Rückblick gesetzt werden. Dafür analysierten die Forschenden Nachhaltigkeitsberichte von 105 im S&P 500 gelisteten Unternehmen aus den Jahren 2010 bis 2021. Der S&P 500 Index umfasst die 500 größten börsennotierten US-Firmen. Die Ergebnisse machen deutlich, wie oft Unternehmen ohne Erklärung erhebliche Veränderungen an ihren Zielen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen vornehmen. Konkret bezeichnen die Forschenden diese fehlende Transparenz als «zeitliche Inkonsistenz» im Unternehmens-Reporting über ihre Klimaziele.
Die Mehrheit der untersuchten Ziele zur Emissionsreduktion (55%) war im Untersuchungszeitraum inkonsistent, ohne dass dies erläutert wurde. Diese Tendenz war noch deutlicher bei Unternehmen in stark kohlenstoffintensiven Branchen. Hier waren 74% der angegebenen Emissionsziele über die Jahre hinweg nicht konsistent. Besonders problematisch erscheint dieses Ergebnis im Hinblick darauf, dass Unternehmen mit inkonsistenten Angaben eine nahezu dreimal geringere Wahrscheinlichkeit hatten, ihre Ziele zu erreichen. So lag die Erfolgswahrscheinlichkeit bei solchen Firmen bei nur 30%, verglichen mit 86% bei Unternehmen mit konsistenter Zielsetzung über die Jahre.
Doch was sind gängige Muster der Inkonsistenzen im Emissions-Reporting? Vier problematische Berichterstattungspraktiken traten bei der Untersuchung hervor:
Die Ergebnisse verdeutlichen, wie das Vertrauen von Stakeholdern untergraben wird, wenn Klimaziele nicht verlässlich sind: Wenn Firmen Zahlen manipulieren, ihre Ziele ohne Erklärung fallenlassen oder immer wieder verschieben, wird es für die Stakeholder schwierig, Fortschritte nachzuvollziehen und Firmen zur Verantwortung zu ziehen. Eine Unterscheidung von Unternehmen, die einen echten Beitrag zum Umweltschutz leisten, von jenen, die nur vorgeben, sich zu engagieren wird dadurch nahezu unmöglich.
Doch auch für die Unternehmen selbst kann Greenwashing schon bald zum Problem werden. Judith Walls, HSG-Professorin am Institute of Responsible Innovation, Sustainability and Energy (RISE-HSG, ehemals IWÖ-HSG) und eine der Autorinnen der Studie, erklärt: «Gesetze, die Greenwashing verbieten, treten allmählich in Kraft. Ein inkonsistentes Reporting von Klimazielen könnte daher bald zu einer Risikoquelle für Unternehmen werden. Sie könnten rechtlich belangt werden, wenn sie Informationen über ihre Treibhausgasemissionen nicht konsequent und transparent offenlegen» Als Beispiele nennt sie die neuen Bundesschweizer Vorschriften gegen Greenwashing von CO₂-Emissionen in der Schweiz sowie die EU-Richtlinie über Umweltaussagen («Green Claims Directive»).
Natürlich können unerwartete Umstände die Erreichung von Emissionszielen verhindern. «Wenn Unternehmen beispielsweise eine Übernahme durchlaufen, sind ihre Klimaziele möglicherweise plötzlich nicht mehr erreichbar. Stakeholder können solche Situationen nachvollziehen», sagt Prof. Walls. «Aber wenn Unternehmen diesbezüglich nicht transparent sind, untergraben sie die Glaubwürdigkeit ihrer Angaben und betreiben Greenwashing – ob absichtlich oder unabsichtlich.»
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