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Forschung - 19.02.2026 - 11:00 

Algorithmus auf X beeinflusst politische Ansichten in den USA

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Algorithmen auf X ihre Nutzerinnen und Nutzer in den USA beeinflussen und ihre Meinungen nach rechts verschieben.

Die meisten sozialen Medien verwenden Algorithmen, um Inhalte vorzuschlagen und das Engagement ihrer Nutzer zu steigern. Auf X konnten Nutzerinnen und Nutzer wählen, ob sie Beiträge sehen wollten, die ihnen vom Algorithmus vorgeschlagen werden, oder ausschliesslich Beiträge von den Benutzerkonten, denen sie folgen.

Prof. Dr. Roland Hodler

Viele Nutzer von X vermuteten, dass der Algorithmus eher konservative Inhalte fördert. Frühere Studien dazu, ob Algorithmen politische Einstellungen beeinflussen können, lieferten jedoch keine eindeutigen Ergebnisse.

Die Forschenden wollten herausfinden, ob die Algorithmen sozialer Medien politische Überzeugungen tatsächlich beeinflussen und ob das Abschalten der Algorithmen den gegenteiligen Effekt hat.

Die Studie «The Political Effects of X’s Feed Algorithm» von HSG-Professor Roland Hodler, Germain Gauthier, Philine Widmer und Ekaterina Zhuravskaya folgte rund 5000 aktiven US-Nutzerinnen und -Nutzer von X (ehemals Twitter). Die Teilnehmenden wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt:

  • Dem algorithmischen Feed («For You»), der empfohlene Inhalte anzeigt, Beiträge neu ordnet und auch Posts von Benutzerkonten einblendet, denen man nicht folgt.
  • Oder dem chronologischen Feed («Following»), der ausschliesslich Beiträge von Benutzerkonten zeigt, denen man folgt – beginnend mit den neuesten.


Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, die ihnen zugewiesene Feed-Einstellung sieben Wochen lang beizubehalten, und wurden vor und nach diesem Zeitraum zu ihren politischen Meinungen befragt. Zusätzlich sammelten die Forschenden Daten zu den in den Feeds angezeigten Inhalten sowie darüber, wem die Teilnehmenden auf X folgten.

Fünf zentrale Ergebnisse

Das Forschungsteam identifizierte fünf wesentliche Erkenntnisse:

  1. Das Aktivieren des Algorithmus verschob politische Einstellungen innerhalb von sieben Wochen nach rechts. Unter jenen, die zunächst den chronologischen Feed nutzten, priorisierten diejenigen, die zufällig dem algorithmischen Feed zugewiesen wurden, eher republikanische Politikthemen, hielten die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Trump häufiger für inakzeptabel und äusserten eher kremlfreundliche Ansichten zum Krieg in der Ukraine als jene, die beim chronologischen Feed blieben.
     
  2. Das Abschalten des Algorithmus hatte keinen Effekt auf politische Einstellungen. Diese Asymmetrie war zunächst überraschend.
     
  3. Der Algorithmus förderte besonders Beiträge rechter politischer Aktivisten und stufte Beiträge traditioneller Nachrichtenmedien herab. «Es war schockierend zu sehen, wie der Algorithmus simplistische und polarisierende Aussagen politischer Aktivisten gegenüber qualitativ hochwertigem Journalismus bevorzugt», sagt Roland Hodler.
     
  4. Nach dem Anschalten des Algorithmus folgten Nutzerinnen und Nutzer verstärkt rechten politischen Aktivisten, die vom Algorithmus besonders gefördert wurden. Diesen Aktivisten folgten die Nutzer nach dem Abschalten des Algorithmus weiterhin, was die asymmetrischen Effekte auf politische Meinungen beim Ein- und Ausschalten des Algorithmus erklärt.
     
  5. Schliesslich fanden die Forschenden zwar starke Effekte auf die Meinungen zu aktuellen politischen Themen, jedoch keine auf die Parteizugehörigkeit. Dies deutet darauf hin, dass Meinungen zu aktuellen Sachfragen einfacher und schneller verändert werden können als tief verankerte politische Identitäten, deren Wandel möglicherweise deutlich mehr Zeit erfordert als ein mehrwöchiges Experiment.


Die Studie «The Political Effects of X’s Feed Algorithm» wurde von Roland Hodler von der Universität St.Gallen, Germain Gauthier von der Bocconi-Universität sowie Philine Widmer und Ekaterina Zhuravskaya von der Paris School of Economics verfasst und in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.


Hauptbild: Adobe Stock / Myvector

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