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Campus - 14.01.2026 - 10:00 

«Wir erleben ein Erdbeben»: Die HSG denkt nach 25 Jahren ihr Coachingprogramm neu

Die Universität verändert sich – und mit ihr die Bedürfnisse der Studierenden. Zum 25-jährigen Bestehen ihres Coachingprogramms hat die HSG diskutiert, welche Rolle Persönlichkeitsentwicklung, Beziehung und Orientierung in einer zunehmend digitalen und fragmentierten Hochschulrealität spielen können.
Teilnehmende des Coaching-Jubiläumsanlasses diskutieren nach einem Workshop - am Boden ein Teil der Kunstinstallation, die gemeinsam weiterentwickelt wurde.

«Coaching ist heute zentral – gerade mit Blick auf KI und neue Unsicherheiten. Studierende müssen gezielt auf kommende Herausforderungen vorbereitet werden.» Mit diesem Satz brachte HSG-Rektor Manuel Ammann im SQUARE auf den Punkt, worum es an diesem 8. Januar 2026 ging: um die Zukunft des Coachingprogramms der Universität St. Gallen – und um die Frage, welche Rolle persönliche Begleitung in einer sich rasant verändernden Bildungslandschaft spielt.

Seit 25 Jahren unterstützt das Coachingprogramm der HSG Studierende in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Rund 1500 Studierende wurden bislang von etwa 150 Coaches begleitet. Darunter sind professionelle Coaches aber auch HSG-Alumni mit langjähriger Praxiserfahrung. Im Zentrum des Programms stehen Selbstreflexion, Verantwortungsübernahme, soziale Kompetenz und Orientierung in Übergangsphasen. Das Programm pausiert derzeit, soll jedoch neu lanciert und künftig mehr Studierende erreichen.

Programm gemeinsam weiterentwickeln

Das Jubiläum nutzten rund 130 Teilnehmende, um im Rahmen von Keynotes und zwölf Workshops Ideen für die Weiterentwicklung des Programms zu sammeln. Sichtbar wurde der Umbruch bereits beim Betreten von SQUARE: dröhnende, dumpfe, sich wiederholende Töne waren zu hören – echte Aufzeichnungen von Erdbeben in akustische Signale übersetzt.

Sie gehörten zu einer Installation des Künstlers Sam Melser, die ein wildes Farbgemälde mit Gesteinsbrocken und Absperrband kombinierte. „Das Coachingprogramm ist im Umbruch – wie mit KI, Digitalisierung und veränderten Lerngewohnheiten die gesamte Bildungslandschaft“, sagte Julia Nentwich, HSG-Titularprofessorin und Leiterin des Coachingprogramms. „Wir erleben einen Turning Point der Hochschullandschaft.“

In seiner Keynote am Jubilläum sprach der HSG-Arbeitsforscher Hans Rusinek von einem „Beben der Wissensarbeit“. Besonders Management-, Analyse- und Koordinationsaufgaben gerieten durch KI unter Druck, gleichzeitig stecke Arbeit in einer Sinn- und Legitimationskrise. „Doch Krisen sind Notausgänge aus stagnierendem Verstehen“, sagte Rusinek. Coaching könne helfen, Übergänge zu gestalten und Neues zu imaginieren.

Der HSG-Alumnus und Edtech-Gründer Niels Rot stellte die Hochschule grundsätzlich infrage: „Würdet ihr heute nochmals studieren?“ Trotz aller Erschütterungen gebe es „noch keine echte Alternative zur Universität“. Sein Plädoyer: Hochschulen müssten sich zu Begleitern für lebenslanges Lernen entwickeln.

Programm könnte mehr Studierende erreichen

Für Julia Nentwich ist klar, wo der Hebel liegt. „Studierende haben heute ein starkes Bedürfnis nach Beziehung – zu anderen Studierenden, zu Lehrenden, zu Fachwissen als Lernrahmen.“ Mentale Gesundheit, digitale Distanz zur Universität und wachsende Komplexität veränderten grundlegend, was unter Studium zu verstehen sei.

Ihr Fazit: „Weg vom Lernen durch Kontrolle hin zu Beziehungslernen – weniger perfekt, aber sinnhaft und motivierend.“ In den zwölf Workshops im Anschluss ging es darum dass ehemalige Coachees sowie Coaches gemeinsam über die Weiterentwicklung des Coachingprogramms nachdachten – eine Möglichkeit sei etwa, sagte Nentwich, dass das Programm künftig noch mehr HSG-Studierende erreichen soll. 
 

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