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Campus - 04.02.2026 - 12:52 

HSG-Kurs erklärt mit Brettspielen die Weltpolitik

Wie funktionieren Klimaverhandlungen oder die globale Sicherheitspolitik? Ein neuer Kurs für HSG-Bachelorstudierende erklärt Weltpolitik anhand von Brettspielen. Spiele, sagt Kursleiter und HSG-Politikwissenschaftler Julian Eckl, vereinfachen die Wirklichkeit – und schaffen starke Lernerlebnisse.
HSG-Studierende während des Kurses.

«Ich habe mich während der Vorbereitungen auf diesen Kurs zu einem richtigen Spiele-Nerd entwickelt. Ich war auf Spielmessen, las Fachmagazine, habe Freunde und Familie immer wieder zu Spielabenden eingeladen», sagt Julian Eckl. Der HSG-Politikwissenschaftler hat im Herbstsemester 2025 einen neuen Kurs mit dem Titel «Spiele und Weltpolitik» geleitet. Für diesen recherchierte er mit über einem Jahr Vorlaufzeit und erhielt dafür einen Förderbeitrag vom Teaching Innovation Lab der HSG.

Im Kurs lernten HSG-Bachelorstudierende politikwissenschaftliche Theorien sowie Abläufe und Prinzipien globaler Politik kennen – erklärt anhand von vier Brettspielen. Im Anschluss an über mehrere Wochen verteilte Vorbereitungssitzungen waren drei Blocktage im November 2025 der Kern des Kurses. 

Während dieser Tage spielten die Studierenden intensiv, unterbrochen von regelmässigen Reflexionen über den Spielverlauf und theoretischen Inputs von Eckl. «Simulationen sind in der Politikwissenschaft schon länger etabliert. Der Vorteil von Spielen ist, dass sie weniger lang dauern als Simulationen. Das erlaubt den Teilnehmenden, mehrere Durchgänge zu machen, Ergebnisse zu vergleichen und Gelerntes sofort anzuwenden», sagt Eckl. 

Spiele und Theorien haben Gemeinsamkeit

Eckl forscht an der HSG unter anderem dazu, in welchen Formen Politik organisiert wird. Als Dozent ist er im Studiengang International Affairs tätig. Es gebe, so Eckl, einen Zusammenhang zwischen Spielen und wissenschaftlichen Theorien: «Beide reduzieren die Komplexität der Welt, indem sie einzelne Aspekte hervorheben.» Spiele böten mit dieser Vereinfachung auch für Erwachsene starke Lernerlebnisse. Dies werde verstärkt durch das Spiel in der Gruppe mit anderen Studierenden. «Lernen passiert nicht nur kognitiv, sondern hat starke soziale und emotionale Aspekte», so Eckl dazu. 

Im Kurs spielten die HSG-Studierenden vier Spiele. «Ich habe mich bewusst für Brettspiele entschieden, da der Alltag der Studierenden stark digital geprägt ist», sagt Eckl. Unter den Spielen war «Kyoto», das sich um globale Klimaverhandlungen dreht. Spielende müssen dabei Emissionen reduzieren und finanzielle Kosten tragen, um gemeinsame Klimaziele zu erreichen. Gleichzeitig versuchen sie, weniger Wohlstand aufzugeben als die anderen Spielenden. Das Spiel zeigt Staaten als wichtigste Machtfaktoren der Weltpolitik. Einen ähnlichen Fokus hat das Spiel «Diplomacy», das sich um Sicherheitspolitik dreht. Dabei nahmen die HSG-Studierenden die Rollen von Staatsoberhäuptern ein, die Abkommen treffen und gleichzeitig den eigenen Vorteil im Blick behalten.

Das Spiel «Imperial 2030» zeigte dann eine andere Perspektive auf: Spielende sind dort Investor:innen und die Staaten werden zu Spielbällen der Finanzindustrie. Das vierte Spiel «Spirit Island» ist auf einer Insel angesiedelt: Die Spielenden sind dabei Geister, die einer indigenen Bevölkerung helfen, sich gegen Kolonialherren zu verteidigen. «Dieses Spiel zeigt die Perspektive von global schwach Repräsentierten oder Unterdrückten auf», sagt Eckl. Und es verdeutliche, dass es bis heute verbreitete Weltvorstellungen gebe, die mit westlicher Wissenschaft nicht greifbar seien. 

Bekannte Theorien neue erfasst

Zum Seminar gehörte eine Einführung in zentrale politikwissenschaftliche und andere wissenschaftliche Theorien wie etwa Liberalismus, Realismus, Sozialkonstruktivismus oder internationale politische Ökonomie. «Mehrere Studierende gaben mir nach dem Kurs die Rückmeldung, sie hätten dank der Spiele bereits bekannte Theorien ganz neu erfasst», sagt Eckl. Er plant nun, einen zusätzlichen Kurs auf der Grundlage von Spielen zum Thema Kreativität im Kontextstudium der HSG anzubieten. Dieses umfasst ein Viertel des Pflichtstudiums aller Studierenden und dreht sich um soziale, historische oder kulturelle Themen. 

Wie Studierende den Kurs erlebt haben

«Die im Kurs behandelten Theorien und ihre Abläufe erlebten wir teils in den Spielen konkret mit – das war fürs Verständnis hilfreich», sagt Juri Peters, der an der HSG International Affairs (IA) studiert. Die Studierenden mussten die Spiele vor dem mehrtägigen Blockkurs in Gruppen durchspielen, um die Regeln einzuüben. «Daraus resultierten mehrere witzige Spieleabende und ich habe dank des Kurses auch neue Kontakte an der Uni geknüpft», so Peters. 

Und IA-Student Quentin Wyss betont «Der Kurs vermittelte eine neue Art zu lernen. Das Highlight war für mich der mehrtägige Blockkurs, in dem wir gespielt und gleichzeitig die Theorien mit den Spielen verknüpft haben.» Gleichzeitig seien die Blockkurstage intensiv und die Spiele teils hochkomplex gewesen. «Das war auch herausfordernd.» Nach dem Spielen sei ihm aber bewusst geworden, wie realitätsnah die Abläufe und Dynamiken sind, die in einem Brettspiel passieren. «Die Spiele waren die Brücke zwischen Theorie und Praxis. Ich konnte die Theorien aus neuen Perspektiven betrachten und so besser bewerten.»

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