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Forschung - 08.04.2026 - 08:00 

Erneuter Millionenzuschlag für Berufsbildungsforschung

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unterstützt das Forschungsprojekt «GOVPET» für weitere fünf Jahre mit 2.4 Millionen Schweizer Franken (CHF). Unter der Co-Leitung von Prof. Dr. Patrick Emmenegger von der Universität St.Gallen (HSG) untersuchen Forschende, wie die Berufsbildung mit dem digitalen und ökologischen Wandel Schritt halten kann.

Die Schweiz ist stolz auf ihr Berufsbildungssystem, doch dieses steht vor grossen Umbrüchen: Es müssen Lösungen für Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, die digitale sowie grüne Transformation der Wirtschaft und die Migration gefunden werden. Das vom SBFI finanzierte Grossprojekt GOVPET (Governance in Vocational and Professional Education and Training) befasst sich seit 2015 mit der Governance von kollektiv organisierten Berufsbildungssystemen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Patrick Emmenegger von der School of Economics and Political Sciences der HSG und Prof. Dr. Giuliano Bonoli von der Universität Lausanne wird dabei die Kernfrage untersucht, wie der Staat, die Verbände und die Firmen unter den aktuellen Herausforderungen so zusammenarbeiten, dass am Ende genau die Fachkräfte ausgebildet werden, die der Markt braucht.

Neue Forschungsschwerpunkte

Nach den ersten beiden bereits abgeschlossenen Projektphasen startet GOVPET ab diesem Sommer in die dritte fünfjährige Forschungsphase und untersucht dabei folgende Leitfragen:

  • Die neue Rolle der Erwachsenenbildung: Angesichts des Fachkräftemangels wird untersucht, wie Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme gestaltet sein müssen, um den technologischen Wandel zu bewältigen. Ein Fokus liegt dabei auf der Frage, wie zugänglich diese Angebote für Menschen sind, die bisher eher bildungsfern waren.
  • Attraktivität der Berufslehre: Dieses Projekt untersucht die Wahrnehmung der Berufsbildung in der breiten Bevölkerung. Mithilfe internationaler Vergleiche und Befragungen wollen die Forschenden herausfinden, wie das Ansehen der Berufslehre gegenüber akademischen Pfaden gestärkt werden kann.
  • Governance der «Twin Transition»: Welche politischen Strategien verfolgen verschiedene Länder, um Kompetenzen für den digitalen und ökologischen Wandel zu vermitteln? Das Projekt analysiert zudem, was genau unter Begriffen wie «Green Skills» verstanden wird und wie sich diese Ideen politisch durchsetzen.
  • Reaktion der Verbände und Firmen auf den Wandel: Es wird untersucht, wie Berufsverbände und Unternehmen in der Schweiz auf die Herausforderungen der Digitalisierung und Nachhaltigkeit reagieren. Die Forscher analysieren, wie Ausbildungsinhalte angepasst werden und wie die Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft in Krisenzeiten funktioniert.
  • Kompetenzen sichtbar machen: Dieses Projekt befasst sich mit der Anerkennung bereits erworbener Qualifikationen, insbesondere bei Migrantinnen und Migranten oder durch informelles Lernen. Ziel ist es zu verstehen, wie Institutionen diese Prozesse steuern, um das System inklusiver zu machen.
  • Alternative Zertifikate: Um schnell auf neue Marktanforderungen zu reagieren, gewinnen kurze Lerneinheiten und Zertifikate an Bedeutung. Die Forschenden untersuchen in einem Experiment mit echten Arbeitgebern in der Schweiz und in Irland, wie hoch der Wert solcher «Microcredentials» auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich eingeschätzt wird.

Berufsbildung kämpft immer noch mit geringem Ansehen

In den ersten beiden Phasen von GOVPET, die von 2015 bis dieses Jahr andauerten, wurde unter anderem dazu geforscht, wie die Berufsbildung sowohl für Auszubildende als auch für ausbildende Betriebe attraktiver gemacht werden kann. «Wir konnten etwa sehen, dass viele Menschen allgemeinbildende Ausbildungen nach wie vor als höherwertig betrachten als berufsbildende, selbst wenn letztere als besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitend wahrgenommen werden», sagt Prof. Dr. Patrick Emmenegger. «Wir konnten aber auch zeigen, wie die Durchlässigkeit des Bildungssystems etwa über Berufsmatura und Fachhochschulen die Attraktivität der Berufsbildung erhöht hat.» Die Erkenntnisse aus GOVPET fliessen in der Schweiz aber auch in vielen anderen Ländern und internationalen Organisationen wie der EU und der OECD in den politischen Prozess zur Ausgestaltung des künftigen Berufsbildungssystem ein. Die dritte Phase von GOVPET wird vom SBFI mit einem Förderbetrag von CHF 2.4 Mio. ausgestattet. Damit erhöht sich das Gesamtbudget über alle drei Projekt-Phasen hinweg auf insgesamt CHF 7.5 Mio.

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