Forschung - 01.04.2026 - 10:30
Rund 70 Prozent der Betriebe bewerten das Angebot der höheren Berufsbildung als positiv, nur acht Prozent äussern sich kritisch. Die meisten Unternehmen können ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften aktuell decken. Gleichzeitig messen rund zwei Drittel der Betriebe der HBB eine hohe Bedeutung bei.
Die gute Ausgangslage steht jedoch unter Druck, wie Studienleiter Dr. Roland Scherer von der Universität St.Gallen betont: «Die höhere Berufsbildung ist ein tragender Pfeiler für die Fachkräfteentwicklung in der Region.» Der Direktor des Instituts für Systemisches Management und Public Governance (IMP-HSG) sagt: «Fachkräftemangel, technologischer Wandel und steigende Anforderungen prägen die Entwicklung der höheren Berufsbildung.»
Unternehmen fordern dynamisch aktualisierte Inhalte, Nähe zum Stand der Technik sowie mehr zeitliche Flexibilität und hybride beziehungsweise digitale Formate. Der Praxisbezug bleibt zentral. «Entscheidend wird sein, wie schnell es gelingt, die Angebote an die veränderten Bedürfnisse der Unternehmen anzupassen», sagt Scherer, Experte für Regionalökonomie und Standortmanagement an der HSG.
Die Studie stützt sich unter anderem auf eine Unternehmensbefragung mit 1’065 Betrieben. Sie zeigt: Die HBB ist breit akzeptiert und grundsätzlich gut positioniert. Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen, etwa durch zunehmenden Wettbewerb im Weiterbildungsmarkt, veränderte Erwartungen der Studierenden und technologische Entwicklungen. Scherer spricht von klaren Signalen für Weiterentwicklungsbedarf: «Wir sehen eine stabile Ausgangslage, aber auch strukturellen Anpassungsbedarf.»
Für die nächsten fünf Jahre erwarten die meisten Unternehmen eine steigende Bedeutung der HBB. Für den Standort St.Gallen ist das zentral. Denn die HBB ist im Kanton überdurchschnittlich stark verankert: Über 20 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung verfügen hier über einen entsprechenden Abschluss, deutlich mehr als im Schweizer Durchschnitt. Fazit: Die höhere Berufsbildung ist eine tragende Säule der Ostschweizer Wirtschaft. Damit sie das bleibt, muss sie sich gezielt weiterentwickeln, näher an den Bedürfnissen der Unternehmen. Und angepasst an eine dynamische Arbeitswelt.
Die Untersuchung «Regionale Perspektive zur höheren Berufsbildung im Kanton St.Gallen» wurde vom Institut für Systemisches Management und Public Governance der Universität St.Gallen (IMP-HSG) zusammen mit der IHK St.Gallen-Appenzell erarbeitet. Grundlage sind Datenanalysen, Interviews sowie eine Unternehmensbefragung mit 1’065 Teilnehmenden. Auftraggeber war das Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen. Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung.
Bild: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI
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