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Forschung - 26.09.2018 - 00:00 

Unternehmen profitieren vom Freihandelsabkommen Schweiz-China

Als einziges kontinentaleuropäisches Land verfügt die Schweiz seit dem 1. Juli 2014 über ein umfassendes Freihandelsabkommen mit China. Im fünften Jahr des Abkommens hat die Universität St.Gallen zusammen mit den chinesischen Hochschulen University of International Business and Economics und der Nanjing University die wirtschaftlichen Auswirkungen des Freihandelsabkommen erstmals analysiert.
switzerland flag with China flag, 3D rendering
switzerland flag with China flag, 3D rendering

26. September 2018. Die Resultate des Sino-Swiss FHA - 2018 Academic Evaluation Reports zeigen, dass aufgrund von reduzierten Zollsätzen auf Aus- und Einfuhren die Industriesektoren beider Länder von möglichen Einsparungen in der Höhe von mehreren hundert Millionen Franken profitieren. Nicht alle Unternehmen und Betriebe nutzen jedoch das Freihandelsabkommen vollumfänglich. Seit der Inkraftsetzung haben chinesische Unternehmen rund 42 Prozent des Einsparpotenzials ausgeschöpft, wobei für gewisse Produkte wie elektrische Motoren oder Wasserkocher bereits hohe Nutzungsraten ausgewiesen werden.

Chinesische Firmen können bereits seit 2014 die meisten Produkte zollfrei in die Schweiz exportieren. Derweil werden chinesische Importzölle auf Schweizer Produkte in den ersten fünfzehn Jahren des Freihandelsabkommens schrittweise gesenkt. 2018 wurde eine Grosszahl der Produkte zollfrei. Der Anreiz zur Nutzung des Freihandelsabkommens für Schweizer Firmen nimmt folglich stetig zu, sind doch die Nutzungsraten bereits bei rund 44 Prozent. Allein im Jahr 2017 betrugen die Zolleinsparungen gut über 100 Millionen Franken auf beiden Seiten. Insbesondere die für den Kanton St.Gallen wichtige Maschinenindustrie sowie die Medtech-Branche und die Uhrenindustrie zählen zu denjenigen Branchen, die am stärksten vom Freihandelsabkommen profitieren.

Gründe für die Nichtnutzung des Abkommens

Eine Umfrage im Rahmen des Reports bei Unternehmen aus der Schweiz und aus China zeigt aber auch auf, dass sich viele Betriebe bewusst entscheiden, das Freihandelsabkommen nicht zu nutzen. Rund 40 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen nutzen das FHA. Die Gründe für Unternehmen, das FHA nicht oder nur teilweise zu nutzen, sind vielfältig. Am meisten genannt werden Schwierigkeiten mit dem Einhalten der Ursprungsregeln. Denn nur wenn ein wesentlicher Anteil des Werts eines Produkts nachweislich in der Schweiz erzeugt wurde, kann das FHA in Anspruch genommen werden.

Chinas Bedeutung für St.Gallen nimmt zu

Im weltumspannenden Handelsnetz der St.Galler Unternehmen spielt China zunehmend eine wichtige Rolle. Rund 5 Prozent aller exportierten Güter verliessen im Jahr 2017 den Kanton St.Gallen Richtung China. Gleichzeitig stammten knapp 7 Prozent der hiesigen Importe aus China. Dies entspricht einem Handelsvolumen von über 1,2 Milliarden Franken. Der grösste Anteil am Export nahm dabei die Maschinen- und Präzisionsindustrie ein. Dieser Anteil belief sich auf rund 450 Millionen Franken. Seit der Inkraftsetzung des Freihandelsabkommens stiegen die St.Galler Exporte nach China um 40 Prozent, während die Importe um 7 Prozent zulegen konnten. Verglichen mit den gesamtschweizerischen Zahlen (Exporte +30 Prozent, Importe +6 Prozent) profitiert der Kanton St.Gallen überdurchschnittlich stark vom Freihandelsabkommen mit China.

«Belt and Road Initiative» aus China diskutiert

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der ersten Sino-Swiss Evaluation widmen sich auch der sogenannten «Belt and Road Initiative» aus China. Diese Initiative soll als neue Seidenstrasse den Handel zwischen Asien und Europa deutlich vereinfachen und intensivieren. Eine Herausforderung für Schweizer Firmen wird sein, die Chancen der neuen Verbindung für ihre Tätigkeiten nutzen zu können. Ebenso gehören der Handel, Investitionen und Finanzierung, technologischer Austausch und Innovationen sowie der grenzüberschreitende E-Commerce zu den zentralen Gesprächsinhalten.

Jährliche Evaluation geplant

Hochrangige Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Akademie nehmen an der Veranstaltung im Kantonsratssaal teil. Zugegen sind unter anderem Geng Wenbing, der chinesische Botschafter in der Schweiz, sowie Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Die Sino-Swiss Evaluation des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China soll nun jedes Jahr abwechslungsweise in St.Gallen und Peking stattfinden. Ziel des Treffens ist es, politische, unternehmerische und akademische Erfahrungen rund um das Freihandelsabkommen auszutauschen.

Bild: Fotolia/ Argus

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