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Forschung - 17.07.2020 - 00:00

Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen von COVID-19 - Ein Interview mit Charlotta Sirén

«Tracking and Managing the Economic and Social Impacts of COVID-19» ist ein neues, vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördertes Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Charlotta Sirén am Global Center for Entrepreneurship & Innovation. Das Projekt startet am 1. August. Ein Interview.

17. Juli 2020.

Was ist der Inhalt des vom SNF geförderten Forschungsprojektes unter Ihrer Leitung?
Unser Forschungsprojekt kombiniert satellitengestützte Fernerkundungsdaten und Medienspurdaten, um zu untersuchen, wie kollektive Emotionen und pandemiebedingte Angst das wirtschaftliche und soziale Verhalten während der COVID-19-Pandemie beeinflussten. Unser Projekt wird auch politischen Entscheidungsträgern, Beamten des Gesundheitswesens und Mitarbeitern im Bereich der Katastrophenvorsorge eine globale Online-Frühwarnplattform zur Verfügung stellen.

Auf welche Daten greift das Projekt zu?

Das Projekt nutzt eine beträchtliche Menge offen zugänglicher und neuartiger Daten, die von nationalen Regierungen, internationalen Institutionen und gemeinnützigen Organisationen gesammelt wurden. Wir werden eine grosse interne Code-Basis für die Sammlung, Bereinigung und Analyse verschiedener Fernerkundungsdaten nutzen. Zudem integrieren wir eine intern entwickelte Sammlung digitaler Spurendaten mit über einer Viertelmilliarde Nachrichtenartikeln. Diese digitalen Spurendaten ermöglichen es uns, kollektive Emotionen und pandemiebedingte Angst zu untersuchen.

Was untersuchen Sie konkret?

Unser Forschungsprojekt hat drei Hauptziele. Erstens untersuchen wir, wie die COVID-19-Minderungsrichtlinien der Regierung die Compliance von Unternehmen und Organisationen durch kollektive Emotionen und pandemiebedingte Angst beeinflusst haben. Genauer gesagt werden wir untersuchen, wie sich die Formulierung von Botschaften und die Verbreitungskanäle von Kampagnen auf die organisatorische Unterstützung der offiziellen COVID-19-Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie auswirkten. Dabei versuchen wir herauszufinden, wie Behörden die pandemiebezogene Information und Anleitung verbessern können. Unser zweites Ziel ist es, zu untersuchen, wie kollektive Emotionen und emotionale Kontakte während der COVID-19-Pandemie soziale und wirtschaftliche Aktivitäten auf Makroebene beeinflusst haben. Wir gehen davon aus, dass Unterschiede im pandemiebedingten Verhalten auf regionaler und nationaler Ebene teilweise auf emotionale Ansteckungen zurückzuführen sind. Schliesslich werden wir die oben erwähnte globale Online-Frühwarnplattform bereitstellen.

Wer ist am Projekt beteiligt?

Unser Forschungsteam verfügt über eine nachgewiesene Erfolgsbilanz bei der Verwendung hochtechnischer Daten zur Messung der Auswirkungen von Pandemien und anderen natürlichen und vom Menschen verursachten Ereignissen. Neben mir sind an diesem Projekt Prof. Dr. Joakim Wincent, Prof. Dr. Dietmar Grichnik und Michael Hudecheck von der Universität St.Gallen beteiligt. Prof. Dr. Gerard George, der Dekan der Lee Kong Chian School of Business an der Singapore Management University, ist ein internationaler Projektpartner.


Charlotta Sirén ist Assistenzprofessorin für Strategic Entrepreneurship am Global Center for Entrepreneurship and Innovation der Universität St.Gallen.

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