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Campus - 24.03.2023 - 11:30 

Startup-Gründung in Krisenzeiten

Auch Startups bleiben nicht von Krisenereignissen verschont. Dennoch lassen sich viele von unternehmerischen Ideen nicht abhalten – wie dies gelingt, erzählen Adrian Locher von Merantix, Marc Bernegger und Tobias Reichmuth von Maximon sowie Unternehmer Alan Frei am START Summit 2023.

Dotcom-Blase 2000, Finanzenkrise 2009, Krieg in der Ukraine 2022 – Krisen bringen auch Startup-Gründungen ins Wanken. Dennoch sind Durchbrüche in schweren Zeiten möglich. Darüber unterhielten sich im Panel vier Mehrfach-Gründer: Marc Bernegger, mit erstem Startup nach dem Studium in den 90ern, lancierte er 2021 gemeinsam mit Tobias Reichmuth und seinem Team das Unternehmen «Maximon» für gesundes Altern und Langlebigkeit. Adrian Locher ist Co-Founder und CEO von Merantix, dem ersten Venture Studio für künstliche Intelligenz, Initiator der Plattform «AI Campus» sowie HSG-Alumnus und Präsident des Boards von START Global. Moderiert hat das Panel der Schweizer Unternehmer und Befürworter eines minimalistischen Lebensstils Alan Frei. Das nachhilfeportal.de, amorana.ch und das Startup Zentrum Zürich sind Teil seines Unternehmertums.

Netzwerk und Leidenschaft als Treiber

Menschen für ein neues Thema zu begeistern, sei eine der grossen Herausforderungen in Zeiten von Krisen, so Tobias Reichmuth. «Investoren haben keine Probleme mit schlechten Zeiten, sondern Mühe mit Unsicherheit.» Hilfreich seien klare Botschaften, warum und wofür das Geld benötigt werde. Für Marc Bernegger sei das Funding mit der Zeit und dank vieler Kontakte leichter geworden. Doch mit neuen Projekten beginne man auch in grösseren Dimensionen zu denken, sagte Adrian Locher. Ein grosser Plan brauche eine bedeutend höhere Finanzierung. Das Vertrauen von Investoren in derselben Branche zu gewinnen, sei aber sicherlich beim zweiten Mal leichter. Dies könne als «entrepreneurial dilemma» bezeichnet werden, fügte Tobias Reichmuth hinzu. Stets im gleichen Feld zu bleiben sei vielleicht sicherer, doch langweiliger. Ein Wechsel beispielsweise vom Thema Kryptowährung zu Langlebigkeit bedeute wiederum, die «harte Arbeit noch einmal von vorne zu beginnen». Positiv aber sei in Zeiten, in denen die Marktbedingungen nicht günstig sind, dass der Konkurrenzdruck kleiner ist und sich Investoren mit langjähriger Erfahrung der Zyklen des Marktes bewusst sind. Folglich sei die Wahrscheinlichkeit, qualitative Investoren zu erreichen, gar grösser. Auch blieben jene Mitglieder im Team, die sich dem Unternehmen tatsächlich zugehörig fühlen.

Wie wichtig Netzwerke seien, fragte Alan Frei die Gründer. Authentische Beziehungen seien immer hilfreich. Gerade in Zeiten des Alleinseins oder des Aussenseiterseins – wenn an neuen Ideen getüftelt wird – zeige sich, wer jene sind, die dranbleiben. «Denn dann geht es mehr um Leidenschaft als um Hype», fasste Marc Bernegger zusammen. Alan Frei hingegen bevorzuge «Me Time» in Zeiten von Stress. Sich loszulösen von Sachen, Treffen und Events, und stattdessen Sport zu treiben und sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu fokussieren, so der Unternehmer, der für einen minimalistischen Lifestyle bekannt ist.

Gesunde Balance als Ressource

Seriengründer:innen sollten folgende Charaktereigenschaften mitbringen, fanden die vier: Optimismus, Vision, Leidenschaft und keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Missglückt seien auch bei ihnen über die Jahre schon mehrere Projekte. Vertrauen aufzubauen in das Startup und in sich selbst als Founder, erfordere radikale Transparenz, so Tobias Reichmuth. Auch ein Advisory Board sei wichtig. Ein Gründer müsse sich selbst als Ressource wahrnehmen – nicht zu hart zu sich selbst zu sein und nicht nur in das Unternehmen investieren, sondern auch Zeit mit Familie und Freunden verbringen, sagte Adrian Locher. Dies tanke auf. Freunde ausserhalb des Startups zu haben, mit denen Sorgen geteilt werden können, sei ebenso zentral, ergänzte Tobias Reichmuth.

Um langfristig auf einer Welle zu surfen, seien aktive Schritte notwendig. «Folge deiner Leidenschaft und tue es jetzt», gaben die Gründer den jungen Entrepreneurs abschliessend mit auf den Weg.

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